Ein Gründer steht in seiner eigenen Bar

Eine eigene Bar eröffnen

Sie träumen davon, Ihre eigene Bar zu eröffnen? Dann stellen Sie sich auf jede Menge Organisation und Arbeit ein. Aber es lohnt sich – mit dem richtigen Konzept! Um Sie hier zu unterstützen, haben wir wertvolle Tipps zusammengetragen und geben Ihnen die wichtigsten Schritte zur Gründung und erfolgreichen Eröffnung Ihrer Bar an die Hand.

Ein Barbesitzer bedient einen Zapfhahn

1. Ein cooles Konzept - entscheidend für den Erfolg Ihrer eigenen Bar

Wenn Sie eine Bar eröffnen möchten, dann brauchen Sie vor allem eines: ein gutes, außergewöhnliches Konzept. Denn das Angebot ist groß und es wird schwer für Sie, potenzielle Gäste davon zu überzeugen, Ihre Bar zu besuchen, wenn sie wie jede andere ist. Ihre ersten Überlegungen sollten daher sein: Wen möchte ich mit meiner Bar ansprechen und wie schaffe ich das?

Cocktail-Bar, Smoothie-Bar, Shisha-Bar oder Kaffee-Bar: Überlegen Sie zunächst, welche Art von Bar Sie gern betreiben möchten. Den Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt. Folgende Bars haben bereits mit Ihrem Konzept überzeugt – lassen Sie sich inspirieren:

  • Prinzipal Kreuzberg in Berlin: Das Prinzipal Kreuzberg bietet hochwertige Cocktails nach eigenen Rezepten und ein wechselndes Live-Programm an. Dabei hat sich die Bar ganz dem Varieté verschrieben. In der Mitte des Raumes hängt eine Schaukel für Burlesque-Tänzerinnen und das ganze Team trägt – von der Inhaberin selbst geschneidert – Kostüme im Burlesque-Stil.
  • Bonechina in Frankfurt: In dieser Bar gibt es keinen Tresen – hier können sich die Gäste Ihre Drinks selbst mixen. Die Einrichtung ist edel und futuristisch und in der Mitte steht ein Porzellan-Elefant, der selbstgemachtes Tonic Water „spuckt“. Hier dürfen die Gäste das Mischverhältnis ihres Gin-Tonics selbst bestimmen. Wer sich seinen Drink nicht selbst mixen möchte, bekommt Unterstützung vom Team oder kann sich an vorgemixten Getränken bedienen. An den Wochenenden kann die Bar für private Veranstaltungen gemietet werden.
  • Little Link in Köln: Im Little Link erfinden die Besitzer Cocktails ganz neu, in dem sie diese mit gastronomischen Elementen verbinden. Die Bar wird deshalb auch als Bar-Labor bezeichnet. Dort bekommen die Gäste ausgefallene Cocktails wie den Currywurst-Cocktail oder den Bavarian Zombie (bestehend aus Gin, Williamsbrand und Weizenbier). Aber auch Klassiker fehlen nicht. Außerdem bietet das Little Link besondere Snacks, wie Edamame sowie deftige, hochwertige Sandwiches an.
  • Verrücktes aus dem Ausland: „Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen“, sagte der deutsche Dichter Matthias Claudius einst. Und er hat bis heute Recht behalten. So gibt es in Taiwan beispielsweise das Modern Toilet Restaurant (& Bar). Der Name ist hier Programm, sowohl was die Einrichtung als auch das gastronomische Angebot betrifft. Das Essen wird zum Beispiel in kleinen Toilettenschüsseln serviert. Fast schon konservativ ist dagegen die Jicoo Floating Bar in Japan. Die Gäste können hier Ihren Barbesuch mit einer Bootsfahrt in der Bucht von Tokio kombinieren. In der Absolute Ice Bar in Stockholm besteht das gesamte Interieur aus Eis, sogar die Gläser, in denen die Cocktails serviert werden. Damit bei frostigen -5°C niemand frieren muss, werden am Eingang Handschuhe und warme Umhänge ausgegeben. Die Eisbar gehört zu einem Hotel, dem ICEHOTEL, das ebenfalls – Sie ahnen es – aus Eis besteht.

Nun müssen Sie nicht zwingend mit einem total verrückten Konzept aufwarten – es sollte vor allem in sich stimmig und ansprechend sein. Die Einrichtung ist dabei genauso entscheidend wie das Angebot, die Musikauswahl und auch die Mitarbeiter, die Sie einstellen.

Sie sind überzeugt von Ihrer Bar-Idee? Nachfolgend erklären wir Ihnen, was Sie bei der Umsetzung alles beachten müssen.

2. Nicht ohne Ihre Genehmigung

Ganz ohne Bürokratie geht es leider auch hier nicht. Wenn Sie Ihre eigene Bar aufmachen möchten, müssen Sie bestimmte Auflagen erfüllen und eine entsprechende Genehmigung dafür einholen. Denn eine Bar ist im weitesten Sinne ein Gaststättengewerbe, da Sie mindestens Getränke anbieten, die „an Ort und Stelle verzehrt“ werden (§ 1 Gaststättengesetz (GaststättenG)). Dementsprechend benötigen Sie eine Gaststättenerlaubnis.

Wie bekomme ich eine Gaststättenerlaubnis? Sie müssen zunächst Ihre persönliche Zuverlässigkeit sowie Ihre fachliche Eignung nachweisen. 
Die persönliche Zuverlässigkeit wird durch folgende Unterlagen nachgewiesen:

  • polizeiliches Führungszeugnis (Einwohnermeldeamt)
  • Auszug aus dem Gewerbezentralregister (Einwohnermeldeamt)
  • Unbedenklichkeitsbescheinigung Ihres zuständigen Finanzamts
  • Unbedenklichkeitsbescheinigung der Gewerbesteuerbehörde (Gemeinde)

Die fachliche Eignung erlangen Sie dann, wenn Sie:

  • an der Gaststättenunterrichtung (gemäß § 4 GaststättenG) einer Industrie- und Handelskammer (IHK) teilgenommen haben und
  • eine Bescheinigung der Erstbelehrung des Gesundheitsamtes (§ 43 Abs. 1 Infektionsschutzgesetz) vorlegen können, die nicht älter als drei Monate ist.
Gut zu wissen in Blau

Bei einigen Berufsgruppen, zum Beispiel bei Köchen, wird davon ausgegangen, dass Sie bereits in den Grundzügen der erforderlichen lebensmittelrechtlichen Vorschriften geprüft wurden. In diesem Fall benötigen Sie keine Gaststättenunterrichtung. Ob Ihr Beruf darunter fällt, können Sie bei Ihrer zuständigen IHK erfragen.

Darüber hinaus müssen Sie bei Beantragung der Lizenz einen Miet-, Pacht- oder Kaufvertrag der Barräumlichkeiten vorlegen sowie nachweisen können, dass diese Räume den landesrechtlichen Vorschriften für das Hotel- und Gaststättengewerbe entsprechen. 

3. Den richtigen Standort für Ihre Bar finden

Der Standort, den Sie für Ihre Bar wählen, entscheidet in der Regel über Erfolg und Misserfolg Ihres Vorhabens. Auch hier sollten Sie sich unter anderem Folgendes überlegen: 

  • Wer bildet mein Zielpublikum?
  • Wie ist es um meine Konkurrenz bestellt?
  • Ist die Bar gut zu erreichen (öffentliche Anbindung)?

Führen Sie eine Standortanalyse durch, bevor Sie sich endgültig entscheiden. Die Bar sollte so gelegen sein, dass sie gut für Laufkundschaft zu erreichen ist. Denn gerade zu Beginn werden Ihre Gäste eher zufällig bei Ihnen vorbeikommen. Eine Wettbewerbsanalyse hilft dabei, sich ein Bild über Ihre Konkurrenz zu machen. Auch die potenziellen Räumlichkeiten sollten Sie genau inspizieren. Passen Sie zu Ihrem Konzept? Erfüllen die Räume die landesgesetzlichen Anforderungen? Sollten Sie Alkohol ausschenken wollen, ist beispielsweise eine Gästetoilette Pflicht. Und denken Sie auch an den Sommer. Wollen Sie Ihre Gäste dann zum Beispiel zusätzlich draußen bewirten? 

4. Businessplan und Finanzierung Ihrer eigenen Bar aufstellen

Wird Ihr Vorhaben konkret, geht es an die sorgfältige Planung. Erstellen Sie einen ausführlichen Businessplan, in dem Sie Ihr Konzept so detailliert wie möglich vorstellen. Ein wichtiger Teil davon ist der Finanzplan. Denn natürlich kostet es Geld, eine Bar zu eröffnen. Mit einer sechsstelligen Summe sollten Sie hier mindestens rechnen. Kalkulieren Sie das benötigte Kapital so genau wie möglich, denn der Businessplan ist das wichtigste Instrument, um potenzielle Geldgeber zu überzeugen. Informieren Sie sich auch über staatliche Fördermittel, die Sie als Unterstützung für Ihre Gründung beantragen können.

Folgende Kosten werden unter anderem auf Sie zukommen:

  • Renovierung beziehungsweise Umbau der Location
  • Einrichtung und Ausstattung der Bar
  • Ein Grundstock an Getränken und eventuell Snacks
  • Laufende Kosten wie Personalkosten, GEMA-Gebühren, Miete, Strom u. v. m.

5. Konkretes Angebot planen und die Bar einrichten

Jetzt haben Sie die „trockenen“ Themen wie Finanzierung, Formalitäten und Analysen hinter sich gebracht. Sie haben das Konzept Ihrer Bar festgelegt. Nun können Sie mit dem kreativen Teil beginnen – der Planung Ihres konkreten Angebots und der Gestaltung Ihrer Bar. Auch hier müssen Sie äußerst sorgfältig sein und dürfen nichts dem Zufall überlassen. 

Folgende Details sollten Sie unter anderem für sich klären:

  • Welche Getränke möchten Sie anbieten, um Ihr Zielpublikum zu erreichen? Soll es auch Snacks oder kleine Mahlzeiten geben? Achten Sie darauf, dass das Angebot stimmig ist – in einer Sports-Bar werden Sie in der Regel keine Sterne-Küche zum Bier servieren.
  • Welche Musik wollen Sie spielen und möchten Sie Ihr Angebot erweitern, beispielsweise um Live-Acts, Wettbewerbe oder Themenabende etc.?
  • Wollen Sie Ihren Gästen die Möglichkeit bieten, Ihre Bar für private Veranstaltungen zu mieten?
  • Wie stellen Sie sich die Einrichtung vor? Soll es auch gemütliche Sitzgelegenheiten geben oder möchten Sie sich auf einen Tresen mit Hockern beschränken? Wie sieht es mit Dekoration aus? Auch hier ist es wichtig, dem Thema Ihrer Bar zu folgen.

Nicht vorschnell vertraglich binden
Viele Lieferanten möchten gern langfristige Verträge und fest vereinbarte Abnahmemengen abschließen. Das kann gerade für Gründer einer Bar sehr verlockend sein, weil die Lieferanten hier häufig in Vorleistung gehen, sprich, einen Kredit für die Getränke vergeben sowie günstigere Preise anbieten. Allerdings ist das in der Regel mit einigen Einschränkungen verbunden. Sie dürfen mitunter dann nur von diesem Lieferanten Getränke verkaufen und haben nicht die Möglichkeit, spontan einen anderen oder zusätzlichen Anbieter zu beauftragen. Wenn Sie Ihren Gästen ein wechselndes Sortiment bieten möchten, sollten Sie sich daher genau überlegen, ob Sie einen langfristigen Vertrag eingehen und wenn ja, in welchem Umfang. Denn da Sie mit Ihrer Bar erst starten, kennen Sie Ihren tatsächlichen Absatz noch nicht. Planen Sie deshalb lieber etwas vorsichtiger und stocken bei Bedarf nachträglich auf, um nicht auf fixen Getränkelieferungen sitzen zu bleiben. Handeln Sie hierzu mit Ihrem Lieferanten einen flexiblen Vertrag aus, der Ihnen spontane größere Nachbestellungen ermöglicht. Bedenken Sie auch, dass das Geschäft saisonal schwanken kann.

6. Geeignete Mitarbeiter für Ihre Bar finden

Das beste Konzept der Welt kann nur dann erfolgreich sein, wenn Sie ein fähiges Team hinter sich stehen haben. Nehmen Sie sich deshalb auch hier ausreichend Zeit, um geeignete Kräfte zu finden. Ein genauer Blick lohnt sich, denn gerade in der Gastronomie sind unter anderem Alkoholismus oder Diebstahl durch Personal bekannte Probleme.

Die zwei wichtigsten Anforderungen an Ihre Mitarbeiter sind demnach Zuverlässigkeit und Loyalität. Wenn beispielsweise der Barkeeper am Abend nicht zu seiner Schicht erscheint oder Servicekräfte bewusst falsch abrechnen, schadet das über kurz oder lang Ihrem Geschäft. Außerdem sollten Ihre Mitarbeiter zu Ihrem Konzept passen. Sie können sich wesentlich leichter mit Ihrer Geschäftsidee identifizieren und verleihen dieser Authentizität.

Für die Personalfindung können Sie neben Aushängen (beispielsweise an Universitäten) oder örtliche Stellenanzeigen im Internet (z. B. jobs.meinestadt.de) auch Vermittlerportale wie hogastjob.com oder kellnerkartei.de nutzen.

7. Machen Sie Ihre Bar bekannt

Nicht erst seit Ihrer Konkurrenzanalyse wissen Sie: Sie sind nicht allein mit Ihrer Bar. Deshalb müssen Sie kräftig die Werbetrommel rühren. Nutzen Sie dafür alles, was das Internet zu bieten hat. Erstellen Sie eine eigene Website, auf der Sie Ihre Bar, Ihr Team und sich selbst vorstellen. Eröffnen Sie einen Facebook-Account (Fanpage), um Ihre Gäste auf lokaler Ebene zu erreichen und in eine interaktive Kommunikation zu gehen. Auch ein Instagram-Account bietet sich an. Hier können Sie regelmäßig ansprechende Bilder Ihrer Bar sowie Ihres Angebots veröffentlichen. Warten Sie mit den Werbemaßnahmen nicht erst bis zur Eröffnung. Lassen Sie sowohl Ihren Bekanntenkreis als auch Ihre zukünftigen Gäste beispielsweise an der Entstehung der Bar teilhaben. Posten Sie Bilder, erstellen Sie Instagram-Stories. So können Sie sich sympathisch und transparent präsentieren.

Locken Sie die Gäste zudem mit Vergünstigungen oder Gutscheinen (z. B. zwei Drinks zum Preis von einem) an und nutzen Sie zur Verbreitung Erlebnisanbieter wie Groupon.de oder mydays. Ist Ihre Bar eröffnet, bitten Sie Ihre Gäste um Bewertungen, beispielsweise auf TripAdvisor. Weiterempfehlungen sind Gold wert! So kommen die Gäste bald von ganz allein.

Neben dem Online Marketing bieten sich außerdem auch klassische Marketing-Maßnahmen an, wie zum Beispiel Flyer.

Autorin: Cynthia Henrich, Stand 02.03.2018

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