Unternehmer arbeitet an seinem PC, während Familie neben ihm am Tisch isst

Nebenberuflich selbstständig

Eine Existenzgründung muss kein Sprung ins kalte Wasser sein. Sie können auch zunächst nur einen Fuß hineintauchen: Wenn Sie sich nebenberuflich selbstständig machen, stehen Sie weiterhin auf sicheren Beinen und sammeln erste Erfahrungen, was es bedeutet, Ihr eigener Chef zu sein. Der nachfolgende Artikel fasst alles Wichtige zur nebenberuflichen Selbstständigkeit zusammen und erklärt, worauf Sie beim Versicherungsschutz für Ihr Nebengewerbe achten sollten.

Nebenberuflich Selbstständige mit Laptop auf ihrer Couch

1. Vorteile und Herausforderungen der Selbstständigkeit neben dem Beruf

Laut KfW Gründungsmonitor machen sich fast doppelt so viele Menschen in Deutschland mit einem Nebengewerbe selbstständig wie mit einem Hauptgewerbe – und das sehr erfolgreich. So bestehen Unternehmungen, die erst nebenbei und später hauptberuflich betrieben werden, durchschnittlich länger als Gründungen in Vollzeit. Ist dies der Schlüssel zum Erfolg? Das lässt sich nicht pauschal sagen. In jedem Fall bietet es viele Vorteile, Ihre eigene Existenz zunächst in Teilzeit aufzubauen: 

Geringeres finanzielles Risiko: Machen Sie sich anfänglich nur nebenberuflich selbstständig und arbeiten in Ihrem bisherigen Beruf vorerst weiter, bietet Ihnen das die finanzielle Sicherheit, die für eine Unternehmensgründung elementar ist. Denn mit einem geregelten Einkommen fällt es Ihnen grundsätzlich leichter, eine solide Basis für Ihre Selbstständigkeit zu schaffen und erste Investitionen für die eigene Firma zu tätigen. Gleichzeitig können Sie Engpässe und Schwierigkeiten, denen sich Ihr kleines Geschäft womöglich zu Beginn stellen muss, besser finanziell verkraften.

Lehrreicher Testlauf: Lässt sich die eigene Geschäftsidee wie geplant umsetzen und wird sie von den Kunden angenommen? Mit der Gründung eines Nebengewerbes können Sie Ihr Konzept erst einmal auf Herz und Nieren prüfen. Außerdem haben Sie so die Möglichkeit, Dinge auszuprobieren und nach und nach zu lernen, was Sie für Ihre Selbstständigkeit wissen müssen – zum Beispiel, wie Sie Ihre Preise wettbewerbsfähig kalkulieren und Ihr Produkt optimal positionieren. Auch können Sie sich kontinuierlich und ohne Druck einen festen Kundenstamm aufbauen. Mit einer nebenberuflichen Selbstständigkeit sind Sie also bestens vorbereitet, wenn Sie sich gegebenenfalls von Ihrer hauptberuflichen Anstellung lösen und Ihr eigenes Unternehmen in Vollzeit führen möchten. 

Selbstständig mit Nebengewerbe – nicht nur für Arbeitnehmer attraktiv: Diese Vorteile bieten sich Ihnen nicht nur, wenn Sie ein Gewerbe neben dem Beruf gründen und Ihr Haupterwerb in einer Angestelltentätigkeit besteht. Auch wenn Sie nicht arbeiten, sondern einen Haushalt führen, Kinder erziehen, zur Schule gehen, die Universität besuchen oder Arbeitslosengeld beziehungsweise Hartz IV beziehen, können Sie das Potenzial nutzen, das eine nebenberufliche Selbstständigkeit mit sich bringt. 

Nebenberuflich selbstständig machen – eine persönliche Herausforderung

Grundsätzlich gilt: Wenn Sie sich nebenberuflich selbstständig machen möchten, benötigen Sie eine gesunde Begeisterung für Ihre Geschäftsidee. Zudem müssen Sie viel Energie und vor allem Zeit investieren, um Ihre Teilzeitgründung umzusetzen. Und Sie sollten sich intensiv mit sich selbst als Gründer auseinandersetzen und die Frage nach Ihrer persönlichen Eignung beantworten: Sind Sie ein Unternehmertyp?

Auch ist es von Vorteil, wenn Sie fachliche Qualifikationen, wie etwa kaufmännische Kenntnisse sowie bereits gesammelte Erfahrungen in der gewählten Branche vorweisen. So müssen Sie Ihre ohnehin spärliche Zeit nicht auch noch für den Erwerb dieser Qualifikationen opfern.

Für Monate oder sogar Jahre, in denen Sie nebenbei Ihre Existenz aufbauen, werden Sie Ihre Tätigkeiten sorgfältig planen und aufeinander abstimmen müssen. Denn Sie sind gleichzeitig gefordert, als Arbeitnehmer Ihre Leistungen zu erbringen. Und Sie müssen bestmöglich dafür sorgen, dass sich Ihr Geschäfts- und Privatleben miteinander vereinbaren lassen.

Wichtig: Für Ihre Gründung im Nebenerwerb erhalten Sie – im Gegensatz zu einer Vollzeitgründung – keinen Existenzgründerzuschuss.

2. Selbstständig und angestellt – Ihre Pflichten als Arbeitnehmer

Wenn Sie sich nebenberuflich selbstständig machen möchten, sollten Sie Ihren Arbeitgeber hierüber in Kenntnis setzen. Zwar gibt es gesetzlich dazu keine Verpflichtung, aber als Mitarbeiter eines Unternehmens sind in Ihrem Arbeitsvertrag wahrscheinlich Klauseln enthalten, die Regelungen zu einer Nebentätigkeit treffen.

Prinzipiell darf Ihr Arbeitgeber Ihnen die Nebenbeschäftigung nicht verbieten. Denn ein generelles Nebentätigkeitsverbot ist rechtlich unwirksam.  Folgende Punkte sollten Sie jedoch einhalten:

  • Ihre hauptberufliche Tätigkeit darf nicht unter Ihrem nebenberuflichen Engagement leiden.
  • Sie sind vertraglich verpflichtet, Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse zu wahren.
  • Sie müssen gesetzliche Arbeitszeitgrenzen beachten, wenn Sie zeitgleich selbstständig und angestellt sind (nach § 3 Arbeitszeitgesetz).
  • Urlaubstage dürfen nicht für Ihre Teilzeit-Selbstständigkeit genutzt werden (siehe § 8 Bundesurlaubsgesetz). 
  • Bei Arbeitsunfähigkeit im Hauptberuf dürfen Sie die Heilung nicht durch Ausüben Ihrer nebenberuflichen Tätigkeit beeinträchtigen.  

Aber beachten Sie: Sollte Ihre nebenberufliche Tätigkeit ein Konkurrenzverhältnis zu Ihrem Arbeitgeber darstellen, benötigen Sie in jedem Falle seine Einwilligung. Ansonsten drohen Abmahnung oder Kündigung. Das heißt im Umkehrschluss: Aus Konkurrenzgründen kann Ihnen der Arbeitgeber Ihre Nebenselbstständigkeit verbieten.

3. Rechtliche und steuerliche Hinweise zu Ihrer Selbstständigkeit neben dem Beruf

Ebenso wie Gründer, die sich in Vollzeit selbstständig machen, müssen Sie einige Formalitäten erledigen und rechtliche sowie steuerliche Vorgaben beachten. Zunächst stellt sich die Frage, ob Sie mit Ihrem Nebengewerbe als Freiberufler oder Gewerbetreibender agieren. Denn in Abhängigkeit davon gelten andere Vorschriften in Bezug auf die Anmeldung Ihrer Selbstständigkeit und die einkommenssteuerrechtliche Behandlung.

3.1 Freiberufler

Wer ist Freiberufler?
Als freie Berufe nach § 18 Einkommensteuergesetz gelten zum Beispiel selbstständige Ärzte, Ingenieure, Journalisten oder Hebammen (sogenannte Katalogberufe), außerdem Autoren, Erzieher oder Künstler (sogenannte Tätigkeitsberufe) sowie Schauspieler, Ergotherapeuten oder Reitlehrer (sogenannte katalogähnliche Berufe). Entscheidend sind hier die fachliche Ausbildung und die Ausübung einer leitenden und eigenverantwortlichen Tätigkeit.

Wie erfolgt die Anmeldung?
Für Freiberufler ist keine Gewerbeanmeldung erforderlich. Auch nicht-gewerbliche GbRs, die sich aus Freiberuflern der oben genannten Berufsgruppen zusammensetzen, sind ebenfalls von der Gewerbepflicht befreit.  Sie müssen sich lediglich innerhalb eines Monats nach Aufnahme Ihrer Tätigkeit beim Finanzamt anmelden. Und: Als Freiberufler sind Sie gegebenenfalls auch Pflichtmitglied in Ihrer jeweiligen Standeskammer.

Gut zu wissen in Grün

Die Anmeldung beim Finanzamt  kann elektronisch über das ELSTER-Portal oder schriftlich und formlos bei Ihrem zuständigen Finanzamt erfolgen. Über ELSTER können Sie bereits online alle erforderlichen Angaben machen. Nach einer formlosen Anzeige beim Finanzamt erhalten Sie anschließend einen Fragebogen zu allen benötigten Angaben. In beiden Fällen wird Ihnen nach Ihrer steuerlichen Erfassung durch das Finanzamt Ihre Steuernummer per Post zugeteilt.

Welche Steuern zahlen Freiberufler?
Da Sie kein Gewerbetreibender sind, zahlen Sie auch keine Gewerbesteuer. Zu beachten sind allerdings die einkommensteuer- und umsatzsteuerrechtlichen Vorschriften. Denn für Ihre Selbstständigkeit besteht die Verpflichtung zur einfachen Gewinnermittlung über die Einnahmen-Überschuss-Rechnung und zur Einkommenssteuererklärung. Zudem ist die Abgabe einer Umsatzsteuererklärung verpflichtend, auch wenn Sie nur umsatzsteuerfreie Leistungen erbringen. Umsatzsteuerfreie Leistungen (gemäß §4 UStG) sind beispielsweise Heilbehandlungen im Bereich der Humanmedizin durch Ärzte, Hebammen oder Heilpraktiker oder Leistungen zu Schul- und Bildungszwecken selbstständiger Lehrer. Umsatzsteuer ausweisen müssen hingegen unter anderem Architekten und Anwälte. Unter bestimmten Umständen müssen Sie auch eine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben.

3.2 Gewerbetreibender

Wer gilt als Gewerbetreibender?
Man unterscheidet bei Gewerbetreibenden grundsätzlich zwischen Kleingewerbetreibenden und Kaufmann im Sinne des Handelsgesetzbuches (HGB). Die Wahl der Rechtsform des Betriebs bleibt in beiden Varianten Ihnen überlassen.

3.2.1 Kleingewerbetreibende:
Gründen Sie ein Einzelunternehmen oder eine GbR im Zusammenschluss mit mehreren Personen, gelten Sie im Rahmen Ihrer nebenberuflichen Selbstständigkeit häufig als Kleingewerbetreibender. Voraussetzung ist, dass Ihr „Unternehmen nach Art und Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb nicht erfordert“ (§1 HGB). 

Für Ihr nebenberufliches Gewerbe gibt es viele Sonderregelungen, die Ihnen den Geschäftsbetrieb erleichtern. Da Sie als Kleingewerbetreibender nicht als Kaufmann im Sinne des Handelsgesetzbuches gelten, sind Sie von der Buchführungspflicht und der Pflicht zum Jahresabschluss befreit. Zur Gewinnermittlung ist die Einnahmen-Überschuss-Rechnung ausreichend. Zudem können Sie sich häufig die sogenannte Kleinunternehmerregelung zunutze machen: Bei Nichtüberschreitung der relevanten Umsatzkennzahlen haben Sie die Wahlfreiheit bei der Umsatzbesteuerung. 

3.2.2 Kaufmann im Sinne des HGBs:
Sie können Ihre nebenberufliche Selbstständigkeit auch als Offene Handelsgesellschaft (OHG), Unternehmergesellschaft (UG), Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), Kommanditgesellschaft (KG) oder Aktiengesellschaft (AG) starten und gelten damit automatisch als Kaufmann im Sinne des HGBs. Informieren Sie sich daher, welche Rechtsform für Sie am geeignetsten ist. 

Gründen Sie selbstständig neben dem Beruf in den oben genannten Rechtsformen, verpflichtet Sie das auch zur Handelsregistereintragung Ihres Unternehmens.

Hinweis von unseren Experten in Grün

Wenn Sie eine Kapitalgesellschaft führen, gilt für Ihr Unternehmen ein Steuerfreibetrag von 5.000 Euro, gemäß § 11 Abs. 2 Gewerbesteuergesetz. Gewerbesteuer fällt auf den darüber liegenden Mehrbetrag an. 

Als Kaufmann sind Sie zudem buchführungspflichtig. Damit einhergehen unter anderem Pflichten zur Inventaraufstellung und zum Jahresabschluss. Ausnahme: Sie sind als Einzelkaufmann tätig und weisen in zwei aufeinander folgenden Geschäftsjahren nicht mehr als 600.000 Euro Umsatzerlöse sowie 60.000 Euro Jahresüberschuss auf.

Tipp von Finanzchef24 in Grün

Ausführlichere Informationen finden Sie auf unserer Seite zum Thema Buchführung. Weitere gesetzliche Vorschriften zur Buchführungspflicht können Sie im Handelsgesetzbuch nachlesen.

Wie funktioniert die Gewerbeanmeldung?
Als Gewerbetreibender ist für Sie eine Gewerbeanmeldung in jedem Fall verpflichtend – auch in der nebenberuflichen Selbstständigkeit. Das Gewerbeamt informiert anschließend das Finanzamt und weitere Behördenstellen über die Gründung Ihres Nebengewerbes, beispielsweise die zuständige Industrie- und Handelskammer (IHK) beziehungsweise Handwerkskammer (HWK). Als Pflichtmitglied in der entsprechenden Kammer, sind Sie zur Zahlung der Mitgliedsbeiträge verpflichtet. 

Welche Steuern zahlen Gewerbetreibende ?
Welche Steuern Sie zahlen müssen, hängt von der Rechtsform Ihres Nebengewerbes ab. Als Einzelunternehmer oder Personengesellschaft (GbR, GmbH & Co KG, KG) sind Einkommen- und Umsatzsteuer sowie die Gewerbesteuer abzuführen. Als Kapitalgesellschaft (AG, GmbH, UG) müssen Sie anstatt der Einkommenssteuer die Körperschaftssteuer zahlen.

Weitere Informationen hierzu finden Sie auf unserer Webseite: Steuerpflicht von Selbstständigen.

4. Abschließende Hinweise zu den Gründungsformalien

Bei Fragen zur Wahl Ihrer Rechtsform kann Ihnen die professionelle Hilfe eines Steuerberaters sehr nützlich sein – die Kosten für den Steuerberater können Sie wiederum steuerlich geltend machen. Überprüfen Sie auch vorab, ob Sie Genehmigungen brauchen oder bestimmte fachliche Kenntnisse und die persönliche Zuverlässigkeit (Stichwort Führungszeugnis) nachweisen müssen, um zum Beispiel Ihren Gewerbeschein zu beantragen. 

Wenn Sie Mitarbeiter beschäftigen möchten: Eine weitere Besonderheit gilt für jene Gründer, die sich nebenberuflich mit Angestellten selbstständig machen möchten: Sie benötigen eine Betriebsnummer, die die Agentur für Arbeit auf Antrag zuteilt, Ihre Angestellten müssen Sie bei der Krankenkasse anmelden und Sozialversicherungsbeiträge abführen und Ihre geringfügig Beschäftigten bei der Minijob-Zentrale. Zudem müssen Sie Ihre Angestellten bei der zuständigen Berufsgenossenschaft anmelden und die Beiträge für die gesetzliche Unfallversicherung abführen.

5. Nebenberuflich selbstständig ohne Hauptberuf

Sie wollen sich in Teilzeit selbstständig machen ohne hauptberuflich in einem Angestelltenverhältnis zu sein? Auch das ist möglich. Beispielsweise wenn Sie vorrangig einem Studium oder der Kindererziehung nachgehen – und auch dann, wenn Sie keine weitere Beschäftigung ausüben. Wir zeigen Ihnen, was Sie in Ihrer jeweiligen Situation beachten müssen.

5.1 Teilzeit-Selbstständigkeit neben dem Studium

Müssen Studenten Einkommenssteuer zahlen?
Ihr Einkommen neben dem Studium ist wie für alle Arbeitnehmer und Selbstständigen bis zum Grundfreibetrag in Höhe von 9.000 Euro  (für das Jahr 2018) einkommenssteuerfrei. Das Einkommen errechnet sich aus Ihrem Jahresgewinn, also Ihren Einnahmen abzüglich aller Betriebsausgaben, beispielweise Mietkosten für betrieblich genutzte Räume. Liegt Ihr Gewinn über 9.000 Euro, ist der Mehrbetrag entsprechend zu versteuern. 

Wie sind Studenten krankenversichert?
Hinsichtlich der Krankenversicherung gilt zu beachten, dass Studierende in der Regel bis zum 25. Lebensjahr über die Familienversicherung abgesichert sind. Sobald Ihre monatlichen Einnahmen aber 425 Euro (bei Minijobs 450 Euro) übersteigen oder Sie das 25. Lebensjahr vollendet haben, müssen Sie sich selbst versichern. Hier bieten die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel vergünstigte Studententarife an. Grundsätzlich können Sie wählen, ob Sie der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung beitreten. Denn für Studierende besteht keine Versicherungspflichtgrenze, um in die private Krankenversicherung wechseln zu können.

Wichtig: Wenn Sie mehr als 20 Stunden pro Woche selbstständig arbeiten oder Mitarbeiter beschäftigen, haben Sie keinen Anspruch auf den Studententarif der gesetzlichen Krankenkassen. Auch können Sie nicht mehr über die Familienversicherung versichert werden.

Wie wirkt sich die selbstständige Tätigkeit auf BaföG-Zahlungen aus?
Wenn Sie BaföG beziehen, dürfen Sie bis zu 4.400 Euro pro Bewilligungsjahr aus selbstständiger Arbeit abzugsfrei an Gewinn machen (vor Steuern). Überschreiten Sie diese Grenze, wird die Förderung entsprechend gekürzt. Als Nachweis müssen Sie Ihren Steuerbescheid beim BaföG-Amt einreichen.

5.2 Nebenerwerb bei Arbeitslosengeld- und Hartz IV-Bezug

Sie sind arbeitssuchend, aber möchten in kleinen Schritten den Weg in die Selbstständigkeit wagen? Trotz Leistungsbezug können Sie sich als Arbeitslosengeld- beziehungsweise Hartz IV-Empfänger nebenberuflich selbstständig machen. So finden Sie leichter wieder in den Arbeitsmarkt zurück oder bereiten Ihre Selbstständigkeit im Vollerwerb vor – und Sie verdienen sich etwas hinzu.

Meldepflicht der Nebentätigkeit
Zunächst ist es wichtig, dass Sie Ihre Nebentätigkeit der Agentur für Arbeit unverzüglich mitteilen, spätestens bei Aufnahme der Beschäftigung. Außerdem müssen Sie Ihre Geschäftstätigkeit und Ihr Einkommen mit entsprechenden Belegen nachweisen, beispielsweise Ihrer Einkommenssteuererklärung.

Wie viel dürfen Sie ohne Abzüge arbeiten?
Beachten sollten Sie auch, dass der zeitliche Arbeitsumfang Ihrer Selbstständigkeit beschränkt ist, um Ihren Anspruch auf Arbeitslosengeld nicht zu verlieren. Denn für Arbeitslosengeld-Empfänger nach Sozialgesetzbuch (SGB) III gilt: Ihre wöchentliche Arbeitszeit darf 15 Stunden nicht erreichen. Bei Nichteinhaltung verlieren Sie Ihren Anspruch auf Arbeitslosengeld. 

Bei Einhaltung der Arbeitszeit behalten Sie Ihren Anspruch, allerdings wird Ihr Zusatzeinkommen mit Ihrem Leistungsbezug verrechnet.

Freibetrag für Arbeitssuchende:
Für Arbeitssuchende besteht ein Freibeitrag in Höhe von 165 Euro. Sie dürfen somit 165 Euro monatlich hinzuverdienen, ohne dass Ihr Leistungsbezug gekürzt wird.

Die 165 Euro werden dabei auf Ihren Gewinn angerechnet, also Ihre Betriebseinnahmen abzüglich Ihrer Betriebsausgaben.  Was darüber hinausgeht, mindert Ihr Arbeitslosengeld.

Gut zu wissen in Grün

Als Arbeitslosengeld-Empfänger steht Ihnen ein zusätzlicher Freibetrag zu, wenn Sie

  • in den letzten 18 Monaten vor Ihrer Arbeitslosigkeit (beziehungsweise dem Bezug von Arbeitslosengeld)
  • neben Ihrem Arbeitsverhältnis mit Versicherungspflicht 
  • für mindestens 12 Monate
  • einer Nebenbeschäftigung nachgegangen sind oder selbstständig tätig waren.

Der Freibetrag errechnet sich in diesem Fall aus dem durchschnittlichen Einkommen, dass Sie in den letzten 12 Monaten mit dieser Tätigkeit erzielt haben – und beträgt mindestens 165 Euro.

Für Arbeitssuchende, die Arbeitslosengeld II oder Hartz IV beziehen:
Für Personen, die schon längere Zeit erwerbslos sind, besteht in der Regel Arbeitslosengeld II- beziehungsweise Hartz IV-Anspruch bei Hilfsbedürftigkeit nach SGB II. Aber auch Sie können einem Nebenerwerb nachgehen und Ihr monatliches Einkommen aufstocken. Für die Höhe des Freibetrags ist Ihr Bruttoeinkommen entscheidend. Folgende Freibeträge werden auf Ihr Einkommen angerechnet: 

  • ein pauschaler Freibetrag (Grundabsetzbetrag) in Höhe von 100 Euro 
  • bei einem Bruttoeinkommen bis 1.000 Euro: 20 Prozent zusätzlich auf das Einkommen, das 100 Euro übersteigt
  • Bruttoeinkommen von 1.000 Euro bis 1.200 Euro: neben den 20% bis 1.000 zusätzlich 10 Prozent auf den Teil des Einkommens, das 1.000 übersteigt

Die allgemeine Verdienstobergrenze beträgt hier 1.200 Euro beziehungsweise 1.500 Euro (mit Kind). Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in der Broschüre der Agentur für Arbeit zur Grundsicherung für Arbeitssuchende.

5.3 Zusatzeinkommen bei Renten- und Pensionsbezug

Die Möglichkeit für ein Zusatzeinkommen im Rahmen Ihrer nebenberuflichen Selbstständigkeit ist nicht altersbegrenzt – und auch im Rentenalter noch möglich. 

Welche Bedingungen gelten für Rentner?
Ob Ihr zusätzliches Einkommen auf die Rente angerechnet wird, hängt davon ab, ob Sie die Regelaltersgrenze bereits erreicht haben oder nicht. 

  • Zusatzeinkommen mit Erreichen der Regelaltersgrenze:
    Ein Zuverdienst ist unbegrenzt erlaubt. Deshalb müssen Sie Ihre Beschäftigung Ihrem Rentenversicherungsträger auch nicht melden.
  • Zusatzeinkommen vor Erreichen der Regelaltersgrenze:
    Bei vorzeitigem Rentenbezug müssen Sie Ihren Rentenversicherungsträger über Ihre selbstständige Tätigkeit informieren, denn die Höhe Ihres Gewinns kann sich auf die Rentenzahlung auswirken. Grundsätzlich dürfen Sie bis zu 6.300 Euro im Kalenderjahr anrechnungsfrei hinzuverdienen. Diese Verdienstgrenze wurde durch das Flexi-Rentengesetz bundesweit vereinheitlicht. Ihr Gewinn, der darüber hinausgeht, wird durch 12 geteilt und dann mit 40 Prozent auf Ihre Rente angerechnet. Anschauliche Beispielrechnungen und weitere Informationen zur nebenberuflichen Selbstständigkeit im Rentenalter werden Ihnen von der Deutschen Rentenversicherung zur Verfügung gestellt. Zudem empfehlen wir Ihnen, sich vor Aufnahme einer Beschäftigung an eine Beratungsstelle der Behörde zu wenden.
Gut zu wissen in Grün

Gehen Sie nach Erreichen der Regelaltersrente einem selbstständigen Nebenerwerb nach, müssen Sie hierfür keine Rentenversicherungsbeiträge abführen. Sowohl nach als auch vor dem regulären Renteneintritt können Sie aber freiwillige Rentenversicherungsbeiträge beziehungsweise Sonderzahlungen leisten und Ihre Rentenbezüge somit erhöhen.

Welche Bedingungen gelten für Pensionäre?
Wenn Sie sich als Pensionär etwas hinzuverdienen möchten, gelten die Bedingungen der Beamtenversorgung wie folgt:

  • Nach Erreichen der Altersgrenze wird nur Ihr Einkommen aus Tätigkeiten im öffentlichen Dienst angerechnet – Ihr Erwerb aus einer Teilzeit-Selbstständigkeit bleibt unberücksichtigt.
  • Vor dem Erreichen der Altersgrenze erhalten Pensionäre, die ein Erwerbs- oder Erwerbsersatzeinkommen beziehen (hierunter fällt selbstständige Arbeit) Ihre Pensionszahlungen nur bis zur Höchstgrenze. Die Höchstgrenze wird auf Basis der Endstufe der Besoldungsgruppe berechnet – Ihre Bezüge werden also gegebenenfalls gekürzt.

Übrigens: Die Angleichung der Altersgrenze wird auch für Pensionsberechtigte derzeit analog zu den Empfängern der gesetzlichen Rentenleistungen von 65 auf 67 Jahre angehoben. 

5.4 Nebengewerbe für Hausfrauen und Mütter in Elternzeit

Ein Blick in die aktuelle Statistik des KfW-Gründungsmonitors 2017 zeigt: Der Frauenanteil ist bei den Existenzgründungen im Nebenerwerb mit 44 Prozent deutlich höher als bei Vollerwerbsgründern (33 Prozent). 

Was müssen Hausfrauen und Mütter mit Nebengewerbe bei der Krankenversicherung beachten?
Frauen, die in keinem Arbeitsverhältnis stehen (oder einen Minijob ausüben) und nebenberuflich selbstständig tätig sind, können in der Regel beitragsfrei in der Familienversicherung über Ihren Ehepartner mitversichert werden. Folgende Bedingungen müssen hierfür eingehalten werden:

  • Ihre nebenberufliche Selbstständigkeit basiert auf maximal 20 Wochenstunden.
  • Sie verdienen durch Ihre Teilzeit-Selbstständigkeit nicht mehr als 430  Euro monatlich (Stand 2018).
  • Ihr Gesamteinkommen aus Teilzeit-Selbstständigkeit und Minijob liegt nicht über 450 Euro pro Monat. 

Mütter in Elternzeit, die in einem Arbeitsverhältnis stehen, sind  für die Dauer beitragsfrei versichert. Die gesetzliche Krankenkasse wird jedoch prüfen, ob es sich tatsächlich um eine Tätigkeit im selbstständigen Nebengewerbe handelt. 

Wie wirkt sich der Nebenerwerb auf das Elterngeld aus?
Auch wenn Sie Elterngeld erhalten, dürfen Sie zusätzlich arbeiten. Allerdings wird Ihr Einkommen vollständig auf Ihr Elterngeld angerechnet. Deshalb sollten Sie vorher prüfen, ob sich der Nebenerwerb finanziell für Sie lohnt. Generell gilt, dass Ihre Teilzeit-Selbstständigkeit ein Arbeitspensum von 30 Wochenstunden  nicht überschreiten darf. Sonst besteht kein Elterngeldanspruch!

6. Versicherung Ihres Nebengewerbes

Wenn Sie sich nebenberuflich selbstständig machen,  dürfen Sie Ihren Versicherungsschutz nicht vernachlässigen. Was es bei der betrieblichen wie bei der privaten Absicherung zu beachten gilt, erklären wir Ihnen nachfolgend.

6.1 Betriebliche Absicherung für Ihr Nebengewerbe

Gleich vorweg: Auch wenn Sie „nur“ nebenberuflich selbstständig sind, müssen Sie sich gewerblich absichern. Denn auch für Sie besteht das Risiko, im Rahmen Ihrer Tätigkeit einen Personen-, Sach- oder Vermögensschaden zu verursachen. Gesetzlich sind Sie dazu verpflichtet, für diesen Schaden aufzukommen. Und die Schadensersatzansprüche, die an Sie gerichtet werden, können schnell die eigene Zahlkraft übersteigen. Nicht selten bedeutet ein Schadensfall ohne Versicherung für Ihr Nebengewerbe das Ende Ihrer nebenberuflichen Selbstständigkeit – und auch Ihren privaten Ruin. Wichtig: Selbst, wenn Sie auch hauptberuflich (in einem anderen Gebiet) selbstständig sind – Ihr Nebengewerbe müssen Sie separat versichern. Denn der Versicherungsschutz hängt immer mit der entsprechenden Tätigkeit zusammen.

Folgende nebengewerbliche Versicherungen sind zu empfehlen:

  • Betriebshaftpflichtversicherung für Ihr Nebengewerbe: Eine Betriebshaftpflicht für das Nebengewerbe greift dann, wenn durch Ihr Verschulden andere Personen verletzt beziehungsweise das Eigentum anderer beschädigt wird. Der Schaden muss im Rahmen Ihrer nebenberuflichen Tätigkeit passiert sein. Beispiele: Ihr Kunde stürzt in Ihren betrieblichen Räumlichkeiten über ein schlecht verlegtes Kabel oder aufgrund Ihrer durchgeführten Reparatur nimmt die Festplatte Ihres Kunden Schaden.
  • Vermögensschadenhaftpflicht für Ihr Nebengewerbe: Eine Vermögensschadenhaftpflicht für nebenberuflich Selbstständige übernimmt finanzielle Schäden, die durch einen Fehler Ihrerseits verursacht wurden. Beispiel: Sie beraten Ihren Kunden falsch, woraufhin dieser finanzielle Verluste erleidet.
  • Geschäftsinhaltsversicherung für Ihr Nebengewerbe: Die Inhaltsversicherung sichert Ihre geschäftliche Einrichtung ab. Sollte beispielsweise in Ihren Büro-/Betriebsräumen ein Feuer ausbrechen, erstattet die Versicherung den entstandenen Schaden für die versicherten Objekte.
Hinweis von unseren Experten in Grün

Der tatsächlich benötigte Versicherungsschutz für Ihr spezielles Nebengewerbe muss immer individuell bestimmt werden. Unterschiedliche Tätigkeiten müssen auch unterschiedlich abgesichert werden. Deshalb sollten Sie in jedem Fall eine Bedarfsanalyse von einem Gewerbeversicherungsexperten durchführen lassen.

Häufig werden für die nebenberufliche Selbstständigkeit Preisnachlässe von bis zu 50 Prozent von den Versicherern gewährt. Wenn Sie wissen möchten, welche Gewerbeversicherungen für Ihre spezielle nebenberufliche Tätigkeit notwendig sind und wie viel die individuelle Absicherung Ihres Unternehmens kostet, können Sie über unseren unabhängigen Online-Vergleichsrechner für Gewerbeversicherungen schnell und kostenlos die aktuellen Preise und Leistungspakete von mehr als 46 etablierten Versicherern vergleichen – sowie direkt online abschließen. 

Ihre Fragen rund um den optimalen Versicherungsschutz für Ihre nebenberufliche Selbstständigkeit beantworten Ihnen auch gerne unsere Versicherungsexperten – im Live-Chat oder telefonisch unter der kostenlosen Rufnummer 0800 24 24 789.0800 24 24 789.

Versicherungsvergleich starten

6.2 Auswirkung der Teilzeitgründung auf Ihre private Absicherung

Grundsätzlich gilt: Im Rahmen Ihrer nebenberuflich selbstständigen Tätigkeit sind Sie in der Regel nicht sozialversicherungspflichtig. Denn Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung zahlen Sie bereits im Rahmen Ihrer Hauptbeschäftigung. 

Ist für Selbstständige im Nebenerwerb die Unfallversicherung verpflichtend?

Die gesetzliche Unfallversicherung über Ihren Arbeitgeber im Hauptberuf deckt keine Vorfälle im Rahmen Ihrer nebenberuflichen Selbstständigkeit ab. Je nach Branche sind Sie mit Ihrer selbstständigen Tätigkeit aber zusätzlich in der zuständigen Berufsgenossenschaft pflichtversichert, um bei Arbeits- und Wegeunfällen im Rahmen Ihres Nebengewerbes abgesichert zu sein. Besteht für Ihre Tätigkeit keine Versicherungspflicht, empfehlen wir Ihnen, sich freiwillig zu versichern, um für den Ernstfall abgesichert zu sein. Ausführlichere Informationen erhalten Sie auf der Seite der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung.

Wann sind für Selbstständige im Nebenerwerb Kranken- und Pflegeversicherung verpflichtend?

Bei Aufnahme Ihrer Geschäftstätigkeit sind Sie Ihrer Krankenkasse gegenüber meldepflichtig. Diese führt die Bewertung Ihrer Selbstständigkeit als Nebenerwerb durch. 

Die gesetzlichen Krankenkassen stufen Sie im Allgemeinen als nebenberuflich selbstständig ein, wenn:

  • Ihre wöchentliche Arbeitszeit höchstens 20 Stunden beträgt,
  • Sie Ihren Lebensunterhalt hauptsächlich aus einer anderen Quelle (zum Beispiel abhängiges Arbeitsverhältnis, Gehalt des Ehepartners) finanzieren und
  • Sie keine sozialversicherungspflichtigen Angestellten beschäftigen.

Letztlich ist es immer eine Einzelfallentscheidung und die genauen Bedingungen können von Kasse zu Kasse verschieden sein. Wird Ihre selbstständige Tätigkeit als nebenberuflich eingestuft, müssen Sie (in der Regel) keine zusätzlichen Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung zahlen. Informieren Sie sich aber in jedem Fall bei Ihrer zuständigen Krankenkasse, ob die Aufnahme Ihrer selbstständigen Tätigkeit eine Auswirkung auf Ihrer Beiträge hat.

Werden Sie als hauptberuflich selbstständig eingestuft, müssen Sie sich in der Regel freiwillig versichern. Sie können jedoch frei wählen, ob Sie sich gesetzlich oder privat versichern möchten. 

Weitere Informationen hierzu erhalten Sie auf unseren Webseiten: private Krankenversicherung und Krankenversicherung von Existenzgründern.

Besteht Versicherungspflicht für die Renten- und Arbeitslosenversicherung?

Rentenversicherung:
In der Regel besteht für Selbstständige, unabhängig davon ob haupt- oder nebenberuflich, keine Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung.  Eine Ausnahme gilt für einige bestimmte Berufsgruppen, sofern Ihr Arbeitseinkommen 450 Euro im Monat übersteigt. Eine Auflistung dieser und weitere Informationen finden Sie auf der Website der Deutschen Rentenversicherung. Gehören Sie zu dem Personenkreis der Pflichtversicherten, müssen Sie die Deutsche Rentenversicherung innerhalb von 3 Monaten nach Aufnahme Ihrer Nebenselbstständigkeit informieren. 
Müssen Sie Rentenversicherungsbeiträge leisten, profitieren Sie als Existenzgründer. Denn innerhalb der ersten 3 Kalenderjahre Ihrer Selbstständigkeit beträgt der Regelbetrag für 2018 nur 283,19 Euro monatlich (Ost: 250,64 Euro). Danach können Sie wählen, ob Sie den Regelbetrag oder einen einkommensgerechten Betrag zahlen möchten. Der Regelbetrag liegt bei 566,37 Euro pro Monat (Ost: 501,27 Euro). Eine Ausnahme besteht für Künstler und Publizisten: Sie haben keine Wahl, sondern müssen einkommensgerechte Beiträge zahlen, allerdings nur jeweils die Hälfte der Beiträge. Die andere Hälfte übernimmt die Künstlersozialkasse.

Arbeitslosenversicherung:
Für die Arbeitslosenversicherung besteht für Selbstständige keine gesetzliche Versicherungspflicht – weder für hauptberuflich noch für nebenberuflich Selbstständige. Sie können jedoch freiwillige Beiträge leisten, wenn Sie eine der beiden Voraussetzungen erfüllen:

  • Sie waren innerhalb der letzten 24 Monate mindestens 12 Monate in einem Versicherungspflichtverhältnis.

oder

  • Sie haben unmittelbar vor dem Wechsel in die Selbstständigkeit eine Entgeltersatzleistung bezogen, zum Beispiel Arbeitslosengeld.

Sollten Sie sich dafür entscheiden, müssen Sie die Mitgliedschaft innerhalb der ersten 3 Monate bei der Agentur für Arbeit beantragen. 
Der Beitrag für die Arbeitslosenversicherung liegt für 2018 bei 91,35 Euro (Ost: 80,85 Euro) und muss an die Bundesagentur für Arbeit gezahlt werden. Für Existenzgründer verringert sich der Zahlbetrag für das Gründungsjahr und das darauffolgende Jahr um die Hälfte.

7. Privatleben-verträgliche Planung der nebenberuflichen Selbstständigkeit

Wenn Sie sich nebenberuflich selbstständig machen möchten, bietet es sich an, in den eigenen vier Wänden zu beginnen. Die Gründungsplanung sowie erste Aufträge können ohne größeren Aufwand von zu Hause aus gestemmt werden. Wenn Sie auch Kunden empfangen möchten, empfiehlt es sich, einen eigenen Raum dafür vorzusehen und ein Türschild mit Ihrem Firmennamen anzubringen.

Wichtig: In einer Mietwohnung müssen Sie prüfen, ob eine solche Zweckentfremdung Ihres Wohnraums zulässig ist, und dies mit Ihrem Vermieter besprechen.

Damit Ihr Privatleben nicht unter Ihrer Selbstständigkeit leidet, sollten Sie Partner, Familie und Freunde in Ihre Pläne einbeziehen. Erklären Sie, dass Sie künftig erweiterte berufliche Verpflichtungen und damit weniger Zeit haben. Erwähnen Sie, dass zeitweise finanzielle Abstriche notwendig sein können. Im besten Fall steht Ihre Familie voll und ganz hinter Ihnen und unterstützt Sie in Ihrem Vorhaben, nebenberuflich selbstständig zu arbeiten.

Tipp von Finanzchef24 in Grün

Erstellen Sie – auch wenn es spießig klingt – einen Zeitplan, um Ihr Privat- und Berufsleben so zu balancieren, dass es für Sie und Ihre Familie annehmbar ist. 

8. Übergang von der neben- zur hauptberuflichen Selbstständigkeit

Im Laufe der Zeit, in der Sie nebenberuflich selbstständig arbeiten, gewinnen Sie an Erfahrung, Aufträgen und schließlich an Routine. Für den Schritt in die hauptberufliche Selbstständigkeit sollten Sie vorerst auswerten, wie erfolgreich Ihre Existenzgründung ist. Beantworten Sie auch die folgenden Fragen für sich: Sind Sie zufrieden mit der Abwechslung, die Ihr Nebenerwerb bringt? Und ist Ihre nebengewerbliche Tätigkeit so spannend und ausbaufähig, dass Sie diese künftig in Vollzeit ausüben möchten?

Wenn Sie zu dem Entschluss gekommen sind, dass Ihre Firma wachsen soll, warten neue Aufgaben auf Sie. Unter anderem müssen Sie Ihren Businessplan aktualisieren, Ihre Finanzen neu ordnen und eventuell über eine Unternehmensfinanzierung sowie Personalplanung nachdenken. Der finale Schritt: Sie kündigen bei Ihrem Arbeitgeber.

9. Das Wichtigste als Übersicht zum Download

Alles in allem müssen Sie viele Aspekte berücksichtigen, um sich nebenberuflich selbstständig zu machen. Finanzchef24 hat in der Checkliste: "Nebenberuflich selbstständig" für Sie zusammengefasst, was bei der Existenzgründung im Nebenberuf zu beachten und zu erledigen ist. Die Übersicht können Sie kostenfrei als PDF herunterladen.

Autorin: Barbara Schweigert, Cynthia Henrich, Yvonne Waldner, Stand: 15.01.2018

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