Zwei Existenzgründer

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) für Selbstständige

Als Bürger in Deutschland - egal ob selbstständig oder nicht - ist eine Krankenversicherung für Sie Pflicht. Jedoch können Sie sich aussuchen, ob Sie sich privat oder gesetzlich versichern möchten. Nachfolgend erfahren Sie alles Wichtige zur GKV für Selbstständige und wie sich der Beitrag für Sie zusammensetzt. 

Schwarz-Weiß-Aufnahme eines Stethoskops

Wann dürfen Sie sich als Selbstständiger gesetzlich versichern?

Die Entscheidung, ob Sie sich gesetzlich oder privat versichern, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wollen Sie sich freiwillig gesetzlich versichern, müssen Sie zuvor bereits Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse gewesen sein. Erfüllen Sie diese Voraussetzung der GKV nicht, müssen Sie sich privat versichern. Eine Rückkehr zur gesetzlichen Krankenversicherung ist für Sie nur möglich, wenn Sie in ein Angestelltenverhältnis wechseln.

Hinweis von Finanzchef24 in Blau

Für Selbstständige ab 55 Jahren: Falls Sie bereits privat versichert sind und nun in die gesetzliche Krankenversicherung zurückkehren möchten, können Sie das nur, wenn Sie in die Familienversicherung des Ehepartners wechseln. Folgende Bedingungen müssen Sie erfüllen:

1. Sie müssen Ihr Gewerbe aufgeben.
2. Sie dürfen danach nicht mehr als 415 Euro monatlich verdienen.

Was leistet die gesetzliche Krankenversicherung?

Welche Leistungen die gesetzliche Krankenversicherung erbringt, ist im Fünften Buch des Sozialgesetzbuchs (SGB 5) festgelegt. An diese Rahmenbedingungen sind die gesetzlichen Krankenkassen gebunden, denn: als Versicherter haben Sie einen Anspruch auf eine ausreichende medizinische Versorgung. Diese muss laut dem Bundesministerium für Gesundheit dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Wissenschaft entsprechen. Regelleistungen der gesetzlichen Krankenversicherung sind beispielsweise die ärztliche, psychotherapeutische und zahnärztliche Behandlung, die Versorgung mit Medikamenten sowie Heil- und Hilfsmitteln oder auch Behandlungen im Krankenhaus. Darüber hinaus bietet jede gesetzliche Krankenkasse individuelle Zusatzleistungen. Das können Vorsorgeleistungen oder Zuschüsse, wie zum Beispiel zu homöopathischen Behandlungen, Zahnreinigungen oder Gesundheitskursen, sein. 
Hier lohnt es sich für Sie in jedem Fall, verschiedene gesetzliche Krankenkassen miteinander zu vergleichen, bevor man sich für eine Kasse entscheidet. Denn die Zusatzleistungen unterscheiden sich teils sehr deutlich. 

Auf der Seite des GKV Spitzenverbandes finden Sie eine Liste aller 110 gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland (PDF, Stand 2018).

Finanzchef24-Tipp in Blau

Kosten für Behandlungen, die die gesetzliche Krankenversicherung nicht übernimmt, können Sie über private Zusatzversicherungen, zum Beispiel einer Zahnzusatzversicherung, abdecken.

Auch wenn der Begriff Leistungskatalog offiziell verwendet wird, handelt es sich nur um gesetzlich festgelegte Rahmenbedingungen. Einen wirklichen Katalog, der die Leistungen im Einzelnen auflistet, gibt es nicht. In § 5 SGB 5 sind die Leistungsarten allgemein formuliert aufgeführt. 

Gut zu wissen: Die gesetzliche Krankenversicherung gilt auch im europäischen Ausland. Aber: Die Leistungen sowie mögliche Zuzahlungen können von denen in Deutschland abweichen. Hier gelten die Bestimmungen des jeweiligen Landes.

Zuzahlungen und Befreiungen in der gesetzlichen Krankenversicherung

Gesetzliche Zuzahlungen: Wenn Sie sich gesetzlich versichern, müssen Sie bestimmte Leistungen anteilig selbst bezahlen. Diese Zuzahlungen sind genau festgelegt. Für Arznei- und Verbandmittel beispielsweise müssen Sie 10 % des Preises selbst übernehmen. Gesetzlich ist es aber so eingegrenzt, dass Sie mindestens 5 Euro und höchstens 10 Euro pro Rezept bezahlen müssen. Beim GKV Spitzenverband erfahren Sie hierzu mehr: Liste aller Zuzahlungsbeträge

Befreiungen von der Zuzahlung: Um Sie finanziell nicht zu überlasten, ist gemäß § 62 SGB 5 eine gesetzliche Belastungsgrenze festgelegt. Haben Sie diese erreicht, müssen Sie nach Absprache mit Ihrer Krankenkasse das restliche Jahr keine Zuzahlungen mehr leisten. Die Grenze liegt bei zwei % der Bruttoeinkünfte zum Lebensunterhalt, für chronisch Kranke in Dauerbehandlung bei einem Prozent. Darüber hinaus gewährt der Gesetzgeber gewisse Freibeträge für Personen, die zusammen in einem Haushalt leben, da die Belastungsgrenze zusammen berechnet wird

Für 2018 gelten folgende Freibeträge:

  • 5.481 Euro für den ersten Angehörigen (Ehepartner)
  • 3.654 Euro für jeden weiteren Angehörigen
  • 7.428 Euro für jedes zu berücksichtigende Kind

Beispiel: Das Bruttojahreseinkommen eines Ehepaars beträgt zusammengerechnet 80.000 Euro. Der Freibetrag für einen Ehepartner liegt bei 5.581 Euro. Dieser wird von den 80.000 Euro abgezogen. Die Belastungsgrenze liegt dementsprechend bei 1.488,38 Euro (2 % von 74.419 Euro).

Wie hoch ist der Beitrag der gesetzlichen Krankenversicherung für Selbstständige

Der Beitrag der GKV ist von folgenden Faktoren abhängig:

  • dem allgemeinen Beitragssatz (aktuell 14,6 %; ermäßigter Beitragssatz: 14 %) sowie dem individuellen GKV-Zusatzbeitrag der jeweiligen Krankenkasse 
  • dem Beitragssatz der Pflegeversicherung (2,8 % für Kinderlose ab 23 Jahren bzw. 2,55 % für Versicherte mit Kindern)
  • Ihrem Bruttogesamteinkommen
  • der jeweiligen Mindest- beziehungsweise Höchstgrenze (Beitragsbemessungsgrenze)
  • der gewählten Leistung: mit oder ohne Krankengeld

Beitragskalkulation
Seit Januar 2018 folgen die gesetzlichen Krankenkassen einem neuen Prinzip zur Berechnung des Beitrags. Zwar orientieren sie sich weiterhin an Ihrem Einkommen, jedoch wird künftig zunächst ein vorläufiger Betrag festgelegt. Der tatsächlich zu bezahlende Monatsbeitrag wird rückwirkend anhand Ihrer erzielten beitragspflichtigen Einnahmen auf Basis Ihrer Einkommensteuererklärung ermittelt. Wurde der vorläufige Betrag zu niedrig angesetzt, müssen Sie die Differenz nachzahlen. Im Umkehrschluss werden Ihnen zu viel bezahlte Beiträge erstattet.

Erreichen oder übersteigen Ihre Einkünfte die Beitragsbemessungsgrenze (für 2018: 4.425 Euro), wird der Versicherungsbeitrag pauschal auf Basis dieser Obergrenze festgelegt. Wichtig: Diese Obergrenze wird auch dann herangezogen, wenn Sie es versäumen, einen Einkommensnachweis bei Ihrer Krankenkasse vorzulegen.

Gut zu wissen: Die Beitragsbemessungsgrenze, an der sich der Höchstbeitrag orientiert, liegt für 2018 bei 4.425 Euro pro Monat. Bei Selbstständigen, die sehr wenig verdienen, wird ein Mindestbeitrag erhoben. Dieser wird auf Basis einer Mindesteinnahme von 2.283,75 Euro pro Monat berechnet.

Wenn Sie Existenzgründer sind, hat eine gesetzliche Krankenversicherung den Vorteil, dass sich die monatlichen Zahlungen verringern, sollte Ihr Einkommen in der Anfangsphase noch niedrig sein oder später zeitweilig sinken. Außerdem bieten die Krankenversicherer in der Regel an, dass Sie sich günstiger gesetzlich versichern können, wenn Sie einen Gründungszuschuss von der Bundesagentur für Arbeit oder Einstiegsgeld bekommen und über ein geringes Einkommen verfügen.

Hier können Sie die aktuellen Beitragssätze mit Beispielrechnungen als PDF [339 KB] herunterladen: Krankenkassenbeiträge der gesetzlichen Krankenkassen 2018

Krankenversicherung für Existenzgründer: gesetzlich oder privat?

Folgende Faktoren sollten Sie berücksichtigen, bevor Sie sich für eine Form der Krankenversicherung entscheiden:

Eintrittsalter: Die Beitragssätze privater Krankenversicherungen sind altersabhängig. Je älter man bei Abschluss der Krankenversicherung ist, desto höher fällt in der Regel der Beitrag aus. Doch auch für einen jungen, gesunden Existenzgründer kann eine private Krankenversicherung bisweilen teurer sein als eine gesetzliche Krankenversicherung.

Vorerkrankungen: Wenn Sie mit Vorerkrankungen zu kämpfen haben, wird der Beitragssatz für eine private Krankenversicherung höher ausfallen. Auch Leistungsausschlüsse gegen bestimmte Krankheitsbilder sind nicht selten. Bei erheblichen Vorerkrankungen kann es sogar sein, dass Sie von keiner privaten Krankenversicherung aufgenommen werden. Sind Sie gesund, können Sie mit niedrigeren Tarifen einsteigen.

Familie: In der gesetzlichen Krankenversicherung gibt es die Möglichkeit, die eigene Familie kostenfrei mitzuversichern. Sind Sie privat versichert, müssen Sie für Familienmitglieder zusätzliche Beiträge zahlen. Denn eine Familienversicherung wie in der GKV gibt es nicht. Für jedes Familienmitglied muss ein eigenständiger Versicherungsvertrag geschlossen werden. Die Kosten variieren je nach Versicherer und sind abhängig vom Alter und Gesundheitszustand des jeweiligen Familienmitglieds.

Leistungen: Die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherungen müssen bei Bedarf durch private Zusatzleistungen ergänzt werden. In der privaten Krankenversicherung können Sie direkt aus verschiedenen Tarifen wählen, die unterschiedlich leistungsstark sind. Ein hochwertiger privater Tarif übernimmt viele Leistungen, die in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht inkludiert sind. Aber: Ein höherer Umfang wirkt sich auf die Beitragshöhe aus.

Finanzchef24-Tipp in Blau

Sie möchten sich als Selbstständiger privat versichern?
Dann informieren Sie sich auf unsere Seite zur privaten Krankenversicherung oder fordern Sie direkt einen unverbindlichen Angebotsvergleich an.

Jetzt Angebot anfordern

Autorinnen: Cynthia Henrich, Stand: 14.03.2018