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Unternehmer stecken zwei Puzzleteile zusammen, symbolisch für Zusammenarbeit von Franchisenehmer und Franchisegeber

Ein Franchise-Unternehmen gründen

Der Traum von der Selbstständigkeit ist weit verbreitet. Doch nicht jeder möchte das Risiko eingehen, sein eigenes Unternehmen aus dem Nichts heraus aufzubauen. Wenn Sie dennoch gerne Ihr eigener Chef sein möchten,  gibt es eine Alternative: Franchising. Was man darunter versteht und wie Sie ein Franchise-Unternehmen gründen können, erfahren Sie hier.

Autorin: Cynthia Henrich, Stand: 24.11.2016

Laptop mit dem Text Franchise auf Display

Was ist Franchise und wie funktioniert das System?

Unter dem Begriff Franchise versteht man ein Vertriebssystem, das auf Partnerschaften basiert. Ein Unternehmen, der Franchisegeber, dessen Franchisekonzept bereits auf dem Markt etabliert ist, bietet seine Geschäftsidee potenziellen Partnern, den Franchisenehmern, an. Diese können dann mit Unterstützung des Mutterkonzerns eine eigene Filiale auf Grundlage dieses Geschäftsmodells eröffnen. Rechtlich gesehen ist der Franchisenehmer ein selbstständiger Unternehmer. Dem Franchisegeber fallen lediglich richtlinienähnliche Kompetenzen zu. So kann er kontrollieren, ob der Franchisenehmer sich entsprechend des Franchisevertrags systemkonform verhält. Zwischen beiden Parteien wird ein sogenannter Franchisevertrag geschlossen. Dieser regelt unter anderem die Bestimmungen zur Lizenzvergabe, Vertriebsangelegenheiten und die Bereitstellung des franchisespezifischen Wissens.

Aufgaben des Franchisegebers

Der Mutterkonzern unterstützt Sie vom ersten Moment der Gründungsentscheidung bis hin zur Eröffnung Ihres Franchise-Unternehmens und darüber hinaus. Vor der Gründung bekommen Sie Hilfe beim Betriebsaufbau, sprich: bei der Standortsuche, der Einrichtung und Eröffnungsplanung, dem Finden von und der Vertragsschließung mit Lieferanten, beim Marketing, beim Erwerben des unternehmerischen Know-hows durch Schulungen, der Finanzierung und der Versicherung des Unternehmens. Nach Eröffnung erhalten Sie weiterhin Unterstützung bei Marketingmaßnahmen sowie durch regelmäßige Beratung und Fortbildungen.

Hinweis von unseren Experten in Grün

Alle relevanten Informationen zum Franchisesystem stellt der Franchisegeber Ihnen in einem Handbuch zur Verfügung. Darin finden Sie detaillierte Handlungsanweisungen, Statistiken sowie Informationen zu  Corporate Identity, Controlling und Mitarbeiterführung.

Pflichten des Franchisenehmers

Sie bekommen vom Franchisegeber ein komplettes System für Ihre Unternehmensgründung gestellt, nach dem Sie sich vollständig richten müssen und für dessen Verwendung Sie monatliche Gebühren entrichten. Hierfür arbeiten Sie eng mit einem Systembetreuer zusammen. Sie verpflichten sich außerdem, den Franchisegeber regelmäßig über die Entwicklung des Unternehmens zu informieren. Der Besuch von Seminaren und Fortbildungen ist obligatorisch. Sie müssen regelmäßige Marketing- und Verkaufsförderungsmaßnahmen durchführen sowie die Markenidentität fördern und einhalten. 

Finanzierung eines Franchise-Unternehmens

Haben Sie sich dazu entschieden, ein Franchisepartner zu werden, müssen Sie eine einmalige Eintrittsgebühr an den Franchisegeber entrichten. Die Gesamtinvestitionen für die Unternehmensgründung errechnen sich aus dieser Gebühr sowie den Kosten, die Sie für den Aufbau Ihres Betriebes aufbringen müssen. Diese Kosten fallen etwa für behördliche Gebühren, den Warengrundstock oder auch die Geschäftsausstattung an. Neben den einmaligen Aufwendungen der Gründung sind Sie als Franchisenehmer dazu verpflichtet, regelmäßige Gebühren an den Franchisegeber abzuführen. In der Regel handelt es sich dabei um einen vertraglich vereinbarten Prozentsatz des Nettoumsatzes, der je nach Franchisesystem zwischen einem und fünfzehn Prozent variiert. Diese Gebühr fällt unter anderem für die Bereitstellung von Wissen, Schulungen, Markenschutz, Werbemitteln sowie Beratungsangeboten an.

Ein Franchise-Unternehmen ohne Eigenkapital zu gründen, ist prinzipiell möglich. In der Praxis wird jedoch standartmäßig eine Eigenmittelquote von 20 Prozent der benötigten finanziellen Mittel vorausgesetzt. Durch das eingebrachte Eigenkapital beweist der Gründer die eigene Bonität. Die restlichen 80 Prozent der Gesamtinvestitionen können Sie durch Fremdkapital wie Kredite oder staatliche Fördermittel finanzieren.

Hinweis von unseren Experten in Grün

Entgegen der landläufigen Meinung kümmert sich der Franchisegeber nicht um die Finanzierung Ihrer Filiale. Hier stehen Sie als Franchisenehmer ebenso in der Pflicht wie bei jeder anderen Gründungsart. Jedoch sind viele Banken und Kreditgeber eher dazu bereit, ein Franchisevorhaben zu unterstützen als eine individuelle Geschäftsidee, da es sich hierbei um ein bereits auf dem Markt etabliertes Geschäftsmodell handelt.

Finanzierungsbeispiel Franchise McDonald’s:

Um eine McDonald’s Filiale zu eröffnen, müssen Sie einmalig eine Franchise-Gebühr von 46.000 Euro entrichten, wenn Sie einen Vertrag mit 20 Jahren Laufzeit abschließen. Für die Innenausstattung fallen 214.000 Euro, für das Equipment wie Grills, Kassen usw. 320.000 Euro, für Leuchtschriften und Werbeanlagen 70.000 Euro, für Außenanlagen wie Terrasse, Kinderspielplatz usw. 60.000 Euro und für Vorlaufkosten (Personalanwerbe- und Ausbildungskosten) 50.000 Euro an. Die Gesamtinvestitionssumme einer McDonald’s Franchise-Filiale liegt somit bei 760.000 Euro.

Weitere Kostenbeispiele:

  • SUNPOINT: 250.000 Euro Mindestinvestitionssumme
  • Nordsee: 400.000 Euro Mindestinvestitionssumme (Food-Court-Restaurant)

Vor- und Nachteile eines Franchise-Unternehmens

Entscheiden Sie sich für die Gründung eines Franchise-Unternehmens, bringt das folgende Vorteile mit sich:

  • Der Weg in die Selbstständigkeit wird Ihnen durch die Bereitstellung des bereits etablierten Franchisekonzepts erheblich erleichtert und der Markteintritt beschleunigt.
  • Sie werden während der Gründung und darüber hinaus vom Franchisegeber unterstützt.
  • Sie schöpfen aus dem gemeinsamen Werbepool, dürfen Werbemittel verwenden und sparen dadurch Kosten. Außerdem müssen sich so nicht um die Etablierung Ihrer Marke kümmern.
  • Die Beschaffung von Fremdkapital wird Ihnen in der Regel leichter fallen, da Sie bereits mit einem geprüften Konzept an den Start gehen.

Neben diesen Vorzügen birgt die Existenzgründung mittels Franchise aber auch Nachteile:

  • Sie haben als Franchisenehmer nur einen eingeschränkten unternehmerischen Gestaltungsspielraum.
  • Sie können den Gewinn Ihres Betriebs nicht vollständig behalten, da Sie regelmäßige Gebühren an den Franchisegeber entrichten müssen.
  • Sollte der Ruf der Marke durch einen Skandal geschädigt werden, betrifft das automatisch auch Ihr Geschäft.
  • Wollen Sie Ihr Geschäft abgeben oder vererben, dürfen Sie den Nachfolger nicht allein bestimmen. Der Franchisegeber hat hier ein Mitspracherecht.

Das passende Franchisesystem finden

In Deutschland werden aktuell rund 1.000 Franchisesysteme angeboten. Die Auswahl ist groß und es gilt bestimmte Faktoren zu beachten, bevor Sie sich für eines entscheiden. Ein wichtiges Argument für ein bestimmtes System ist, dass es zu Ihnen und Ihren Interessen beziehungsweise Fähigkeiten passt. Daneben müssen Sie natürlich sicherstellen, dass die Konditionen Ihres Vertragspartners für Sie akzeptabel sind und dass es sich darüber hinaus um einen seriösen Franchisegeber handelt. Ein Indiz dafür, dass Ihr Wunschsystem zu den seriösen Franchisesystemen gehört, ist die Mitgliedschaft im Deutschen Franchise Verband e. V.. Auf den Seiten des Verbandes finden Sie neben allgemeinen und speziellen Informationen rund um das Thema Franchising auch einen Systemfinder, der Sie – basierend auf Ihren individuellen Angaben – auf der Suche nach Ihrem optimalen Franchisesystem unterstützt.

Hinweis von unseren Experten in Grün

Neben dem Deutschen Franchise Verband e. V. gibt es außerdem den Deutschen Franchise-Nehmer Verband e. V. der speziell Franchisenehmern mit Rat und Tat zur Seite steht. Außerdem bieten einige Franchiseportale im Internet Informationen und Hilfestellungen für Gründer im Franchising.

Beispiele für erfolgreiche Franchisesysteme in Deutschland

In Deutschland gibt es inzwischen in vielen Branchen Franchisesysteme – sei es Gastronomie, Einzelhandel oder Gesundheit. Hier einige bekannte und erfolgreiche Beispiele, die Ihnen gleichzeitig als Inspiration für Franchise-Ideen dienen können:

  • McFit
  • McDonald’s
  • Starbucks
  • Backwerk
  • Ditsch
  • Subway
  • Nordsee
  • Edeka
  • Sixt
  • Joey’s
  • OMV
  • Sunpoint
  • Apollo-Optik
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