Selbstständig machen als Student: so geht's! - Teil 2

18. Oktober 2019 | Business | Autorin: Katja Brauchle

Im zweiten Teil unseres Artikels zum Thema "Selbstständig machen als Student" geht es um den Businessplan, der immer ganz am Anfang einer jeden Reise in die Selbstständigkeit stehen sollte. Außerdem zeigen wir euch, welche rechtlichen Dinge ihr beachten müsst und wie ihr euer Vorhaben finanziell umsetzen könnt. Zum Schluss gibt's noch eine extra Portion Motivation - berühmte (Ex-)Studenten, die es geschafft haben. 

Student und selbstständig - was ihr unbedingt wissen müsst

Am Anfang war der Businessplan

Ohne einen Businessplan läuft gar nichts! Eine solide Ausarbeitung eures Vorhabens hilft euch dabei, strukturiert vorzugehen. Auch wenn ihr euch um Finanzierungshilfen bewerbt, braucht ihr ihn. Denn jeder mögliche Investor möchte gern genau wissen, wem und für was er sein Geld zur Verfügung stellt und wie die Erfolgsaussichten sind. Es ist ratsam, sich hierfür Unterstützung von einem Experten zu holen. Denn ein Businessplan ist nicht in zwei Stunden geschrieben und ohne Vorerfahrung auch nicht einfach zu verstehen und zu bewerkstelligen. Kurzum: Mit ihm steht und fällt alles, weshalb ihr hier besonders gründlich vorgehen müsst.

In einen vollständigen Businessplan gehören folgende Punkte:

  • Zusammenfassung
  • Zur Gründerperson
  • Geschäftsidee
  • Zielgruppe
  • Markt und Wettbewerb
  • Ziele und Strategie
  • Marketing und Vertrieb
  • Organisation des Unternehmens
  • Rechtsform
  • Finanzierung
  • Chancen und Risiken
  • Risikobewertung
  • Anhang
     

Eine Erläuterung der Punkte sowie eine Businessplan-Vorlage zum Downloadfindet ihr auf unserer Artikelseite: Businessplan erstellen  

Rechtliches – von AG bis zu OHG

Beschäftigt ihr euch gern mit Gesetzen? Wir auch nicht. Es gehört zur Gründung eines Unternehmens aber dazu, gewisse Gesetze und Rechte zu kennen, um überhaupt starten zu dürfen.  

Das beginnt schon mit dem Thema Unternehmensform. Ob ihr eine AG gründet, eine GmbH, eine KG oder ein Einzelunternehmen ist eine nicht zu unterschätzende Entscheidung. Denn jede Unternehmensform hat ihre eigenen Rechte und Pflichten.

Unterschieden wird zunächst zwischen Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften. Bei ersterem haftet ihr mit eurem gesamten Vermögen – also auch mit dem, was ihr privat auf der hohen Kante habt. Zu diesen Gesellschaften gehören Einzelunternehmen, GbRs, OHGs und KGs.

Kapitalgesellschaften sind die GmbH, die UG, die AG, die SE (auch Europa-AG genannt) und die KGaA. Bei Kapitalgesellschaften seid ihr nur beschränkt haftbar, haftet also nicht mit eurem Privatvermögen. Welche Form ihr für euer Unternehmen wählen wollt, muss gut durchdacht sein. Hierzu solltet ihr euch gründlich belesen oder die Hilfe eines Beraters in Anspruch nehmen.

Darf ich das überhaupt?
Vor der Gewerbeanmeldung steht noch die Erlaubnispflicht. Nicht jeder kann und darf in Deutschland alles. Das ist auch gut so! Denn stellt euch mal vor, der Metzger entscheidet sich, Chirurg zu werden, weil er sich gut mit der Anatomie von Schweinen auskennt und der Staat lässt ihn gewähren. Erkundigt euch also, ob ihr bestimmte Kriterien erfüllen müsst oder einfach loslegen könnt.
Sobald das klar ist und ihr habt was ihr an Zulassungen und Bescheinigungen benötigt, müsst ihr euer Gewerbe anmelden. Dazu geht ihr entweder zum Gewerbe- oder Ordnungsamt in eurer Stadt. Dieses informiert dann die IHK, das Finanzamt, das statistische Landesamt, das Handelsregistergericht und die Handwerkskammer über eure Anmeldung. In Deutschland gilt für viele Berufe die Kammerpflicht, ihr müsst also möglicherweise Mitglied in der entsprechenden Kammer werden, zum Beispiel der Industrie- und Handelskammer. Keine Sorge – die Beiträge richten sich nach dem Geschäftsumfang. Kleine Betriebe und Selbstständige können Beitragsfreiheit beantragen.

Außerdem benötigt ihr eine Steuernummer. Das Finanzamt benötigt manchmal einige Zeit, euch diese auszustellen. Also kümmert euch frühzeitig darum, sonst verzögert sich euer Start!

Patent anmelden!
Ebenso wichtig: Das Thema Patente und Lizenzen. Ihr müsst kein Patent auf euer Produkt anmelden. Dann geht ihr aber das Risiko ein, dass jemand eure Idee klaut und euch den Rang abläuft. Wichtig: Es spielt keine Rolle, ob ihr zuerst da wart. Habt ihr kein Patent angemeldet, habt ihr im Falle eines Rechtstreits keine Chance.

Das gilt natürlich auch andersherum! Prüft, ob es auf eure Idee, Firmen-  oder Produktnamen schon ein Patent gibt, um euch Ärger und Enttäuschung zu ersparen.

Lizenzen hingegen könnt ihr selbst vergeben. Etwa wenn ein Journalist euer Logo oder Foto für einen Artikel verwenden möchte. Lizenz meint also nichts anderes als Nutzungsrecht und ihr entscheidet darüber, wer in welcher Form davon Gebrauch machen kann.

Finanzierung

Insbesondere Studenten verfügen in den wenigsten Fällen über ausreichend Kapital, um rein aus eigenen Mitteln ein Unternehmen gründen zu können. Scheitern muss es daran dennoch nicht. Es gibt für euch diverse Möglichkeiten, um an Investoren für euer Unternehmen zu gelangen.

Banken
Banken sind natürlich die Klassiker wenn es um Kredite geht, für Studenten aber am schwersten zu „knacken“. Ein Bankdarlehen gibt es meistens nur mit fixem Einkommen oder anderen entsprechenden Sicherheiten. Dennoch könnt ihr es natürlich probieren und einen Termin mit einem Bankberater ausmachen. Businessplan nicht vergessen! Ob ihr für ein Bankdarlehen infrage kommt, könnt ihr vorab schon mal in unserem Finanzierungsrechner überprüfen.

Eine Ausnahme bilden die Förderbanken. Bundesweit agiert die KfW mit dem Förderprogramm „KfW-Gründercoaching Deutschland“. Hier werden Gründern bis zu zwei Jahre nach der Gründung Zuschüsse zum Gründercoaching gewährt. Beachtet hierbei aber, dass es sich nicht um ein klassisches Bankdarlehen handelt und das Programm nicht alle Branchen abdeckt. Mehr Infos hierzu erhaltet ihr im Artikel der KfW zum Thema Gründen und Nachfolgen.

Darüber hinaus hat jedes Bundesland eine eigene Förderbank (auch Landesförderinstitut genannt), die unter anderem bei Existenzgründungen hilft. In NRW gibt es beispielsweise die NRW.Bank. Ihr findet reichlich Informationen auf der Website der Investitionsbank sowie in unserem kostenlosen PDF zum Download: Übersicht zu den Landesförderbanken in Deutschland.  

Förderprogramme
Deutschland gilt nicht als klassisches Gründerland. Es gibt aber einige Förderprogramme, die unter anderem jungen Menschen das Gründen von Unternehmen erleichtern. Dazu gehört etwa „Deutschland startet“, das mehrere Möglichkeiten zur Finanzierung von Start-ups bietet. Das speziell für Studierende und Hochschulmitarbeiter gedachte EXIST-Gründungsstipendium sichert euch für ein Jahr euren Lebensunterhalt während eurer Gründerphase. Die Höhe richtet sich nach eurem Status.

Auch die Bundesländer haben unterschiedliche Förderprogramme, bei denen sie Gründer und Start-ups aus der Region unterstützen. Bayern rief beispielsweise die Initiative „Gründungsland Bayern“ ins Leben. Ähnliche Modelle finden sich auch in den anderen 15 Ländern. Schaut einfach mal auf den offiziellen Seiten eures Bundeslands oder auf der Website der Foerderdatenbank.de nach.

Gründerwettbewerbe
In Deutschland finden jährlich über 160 Wettbewerbe für Gründer statt. Egal, ob ihr ein HealthTech-Unternehmen gründen oder T-Shirts aus recycelten Zeitungen herstellen wollt, ob ihr noch an eurer Idee feilt oder schon einen Prototypen präsentieren könnt oder ob ihr regional oder überregional unterwegs seid. Es gibt für jeden Gründer den passenden Wettbewerb. Und Vorteile haben diese Wettbewerbe auch dann, wenn ihr nicht als Sieger mit einem großen Preisgeld abschneidet. Ihr habt die Chance, euch mit vielen anderen Gründern auszutauschen, könnt euch von Profis beraten lassen und euren Namen und euer Produkt vorstellen. Auf vielen Wettbewerben finden außerdem Seminare und Workshops statt. Ihr lernt, euren Businessplan zu optimieren oder bekommt Infos, welche Möglichkeiten zur Unterstützung es sonst noch gibt. Eine Übersicht findet ihr auf unserer Artikelseite: Gründerwettbewerbe

Private Kredite und Crowdfunding
Auch Privatleute geben Kredite für Gründer und Start-ups. Wenn ihr jetzt an zwielichtige Mafiosi denkt, die euch bei Zahlungsverzug ihre Schläger auf den Hals hetzen, können wir euch beruhigen. Dieses Szenario gibt es bestimmt in der Realität – dürfte aber die Ausnahme bleiben. Denn ähnlich wie Banken geben auch vertrauenswürdige Privatleute Kredite, und das ebenso am liebsten an Menschen, die ein paar Sicherheiten zu bieten haben. Nähere Infos findet ihr auf den Websites der bekannten Anbieter wie Smava oder Auxmoney.

Oder wollt ihr es mit Crowdfunding versuchen? Bei diesem Finanzierungsmodell bewerbt ihr euch nicht um einen Kredit. Jeder, der eure Idee unterstützen möchte, kann das mit einem Betrag der eigenen Wahl tun. Die Plattform Startnext ist zum Beispiel ein guter Anlaufpunkt für weitere Infos und euer eigenes Projekt. Wenn eure Idee die Masse, die Crowd, überzeugt, könnt ihr mit dem gesammelten Geld durchstarten. Sofern der Erfolg jedoch ausbleibt, könnt ihr das als Learning betrachten und eure Geschäftsidee nochmal überarbeiten.

Absicherung für euch und eurer Business
Niemand möchte sich gern mit dem Thema Gewerbeversicherungen auseinandersetzen. Nicht nur, weil es eine wahre Flut an unterschiedlichsten Versicherungen von duzenden Anbietern gibt. Hier geht es einfach auch um bares Geld. Aber das ist bekanntlich am Anfang der Gründung knapp. Und kommt man schadensfrei durchs Berufs- und Privatleben, hat man seine Beiträge vermeintlich umsonst bezahlt. Aber: Leider gibt es hierfür keine Garantie und vor allem als junge Unternehmer solltet ihr dieses Thema nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn es geht um weit mehr als darum, eure Gesundheit zu versichern. Wenn sich etwa ein Kunde durch euer Produkt verletzt, kann euch das ohne entsprechende Gewerbeversicherung teuer zu stehen kommen. Schließt also in jedem Fall eine Betriebshaftpflichtversicherung ab, um auf der sicheren Seite zu sein. Denn wie schade wäre es, wenn ihr mit eurer Idee Investoren und Kunden überzeugt und dann am Ende wegen eines kleinen Fehlers alles aufgeben müsst, weil ihr diesen finanziell nicht stemmen könnt?
Mit unserem Rechner könnt ihr gleich ausprobieren, wieviel euch eine Betriebshaftpflichtversicherung kosten würde. Natürlich könnt ihr euch auch über alle anderen Gewerbeversicherungen informieren. Denkt auch daran, dass ihr euch als Selbstständige selbst um Kranken-, Renten und Arbeitslosenversicherung kümmern müsst. Mehr zum Thema: Private Krankenversicherung.

Berühmte Beispiele

Wusstet ihrs? Einige der bekanntesten und umsatzschwersten Unternehmen der Welt wurden von Studenten gegründet. Leider schafft es bislang noch kein deutsches Unternehmen in diese Sphären – das muss ja nicht so bleiben! Hier findet ihr fünf Beispiele, die ihr euch zum Vorbild nehmen könnt. Zumindest wenn es um Erfinder- und Unternehmensgeist geht!

Microsoft

  • Gründer: Bill Gates (Harvard)
  • Start: 1975
  • Zahlen: ca. 180 Mio. Nutzer (Office 365) ,144.106 Angestellte, $30,6 Mrd. Umsatz in Q3/19
  • Privatvermögen: ca. $104 Mrd.

Facebook

  • Gründer: Mark Zuckerberg (Harvard)
  • Start: 2003
  • Zahlen: 2,7 Mio. Nutzer, 39.700 Angestellte, 2,6 Mrd. $ Gewinn in Q2/19
  • Privatvermögen: ca. $68,2 Mrd.

Dell

  • Gründer: Michael Dell (University of Texas at Austin)
  • Start: 1984
  • Zahlen: ca. 10 Mio. verkaufte PCs/Quartal, 157.000 Angestellte, $78,8 Mrd. Umsatz in 2018
  • Privatvermögen: ca. $35 Milliarden

SnapChat

  • Gründer: Evan Spiegel, Bobby Murphy und Reggie Brown (alle Stanford)
  • Start: 2011
  • Zahlen: 203 Mio. Nutzer, 4.209 Angestellte, $320,4 Mio. Umsatz in Q2/19
  • Privatvermögen: Evan Spiegel ca. $3,3 Mrd., Bobby Murphy ca. $3,5 Mrd.

Dropbox

  • Gründer: Drew Houston, Arash Ferdowsi (beide MIT)
  • Start: 2007
  • Zahlen: 13,6 Mio. Nutzer, 2.323 Angestellte, $401,5 Mio. in Q2/19
  • Privatvermögen: Drew Houston: ca. $1,7 Mrd., Arash Ferdowsi ca. $1,3 Mrd.

Fühlt ihr euch nach unseren Tipps gewappnet und steht schon in den Startlöchern? Wir wünschen euch für eure Gründung viel Erfolg!