Selbstständig machen als Student: so geht's! - Teil 1

19. September 2019 | Business | Autorin: Katja Brauchle

 

In anderen Ländern ganz normal, in Deutschland (noch) die Ausnahme: Erfolgreiche Firmen, die von Studenten gegründet werden. Dabei sind gerade sie dicht an Alltagsproblemen und Neuerungen in ihrem Themengebiet dran. Warum also nicht den Sprung ins kalte Wasser wagen und aus dem Studium heraus ein Start-up gründen? Was kann schon passieren, oder?

Habt ihr bereits eine vielversprechende Geschäftsidee und spielt mit dem Gedanken, euch neben dem Studium selbstständig zu machen? Ihr wisst aber nicht genau, wie ihr es anpacken sollt? Dann seid ihr hier genau richtig. Im folgenden Leitfaden findet ihr die wichtigsten Punkte, die ihr auf dem Weg zu Ruhm und Reichtum beachten müsst.

Student und selbstständig – ist das wirklich eine gute Idee?

Auf den ersten Blick spricht mitunter vieles dagegen, während des Studiums ein Start-up zu gründen. Man muss oder möchte sich als Student zu 100% auf die Ausbildung konzentrieren, muss nebenbei vielleicht arbeiten oder hat weder die Zeit noch die Energie, sich in das komplexe Thema Unternehmensgründung einzuarbeiten. Gute Ideen sollte man aber nicht zu lange vor sich herschieben. Denn am Ende kommt einem jemand anderes zuvor! Gerade heutzutage passiert das schneller als man denkt. Welche Vor- und Nachteile die Gründung aus dem Studium heraus haben kann, erfahrt ihr jetzt.

Die Vorteile

Faktor Zeit
Nicht jedes Studium ist sehr zeitintensiv. Und wenn ihr nicht nebenbei arbeitet, habt ihr jetzt als Studenten mit großer Wahrscheinlichkeit mehr Zeit, euch selbstständig zu machen, als später im Arbeitsleben. Außerdem könnt ihr eure Zeit für die Gründungsvorbereitung flexibel um eure Kurse und Vorlesungen herum legen. Steckt ihr erst in einem Vollzeitjob, der häufig auch Überstunden und Auswärtstermine mit sich bringt, ist das nicht mehr so einfach möglich.

Faktor Geld
Als Studenten könnt ihr in Sachen Selbstständigkeit viel Geld sparen. Denn ihr habt zum Beispiel kostenlosen und in der Regel uneingeschränkten Zugang zu zahlreichen Bibliotheken und Arbeitsräumen, in denen ihr ungestört eurer Geschäftsidee nachgehen könnt. Ihr müsst also kein Geld für die Miete von Co-Working Spaces oder Büroräumen ausgeben – ein Kostenfaktor, der nicht zu unterschätzen ist. Abgesehen davon habt ihr auch noch nicht den hohen finanziellen Druck wie später im Leben. Wenn ihr ohne selbstständige Nebentätigkeit gut durchkommt, wieso dann nicht auch mit? Hier könnt ihr eigentlich nur gewinnen.

Unterstützung und Netzwerk
Junge Gründer mit tollen Ideen begeistern. Dadurch könnt ihr mit eurem Vorhaben eine Menge Unterstützung erfahren. Nicht nur Professoren stellen sich oft als tolle Mentoren heraus. Auch auf staatlicher Seite habt ihr die Möglichkeit, euch Hilfe zu holen. Die IHK München etwa bietet kostenlose Beratung für Gründer und die, die es werden wollen. Viele Universitäten (zum Beispiel die LMU München) sowie Fachhochschulen bieten zudem kostenlose Existenzgründerseminare an oder stellen den Kontakt zu entsprechenden Beratungsstellen für Existenzgründer her.

Nie wieder im Leben werdet ihr außerdem so leicht Kontakte knüpfen können wie während des Studiums. Egal ob Vorlesungen, offizielle Uni-Veranstaltungen oder Partys. Man lernt quasi von selbst viele neue Menschen kennen und manch einer entpuppt sich als wertvoller Kontakt. Ihr habt des Weiteren noch ausreichend Zeit, um Gründermessen zu besuchen und so euer Netzwerk zu erweitern. 

Niedrige Fallhöhe
Natürlich tut es auch Studenten weh, wenn eine Idee, in der viel Zeit und Herzblut steckt, nicht zum großen Durchbruch führt. Doch noch habt ihr weit weniger Verantwortung als später. Wahrscheinlich müsst ihr noch keine Familie versorgen, stottert keine Kredite ab und habt keinen Berg an Versicherungen, in die ihr einzahlt. Ein Rückschlag wird euch also zumindest finanziell nicht allzu hart treffen und auch euer ganzes Leben hängt nicht davon ab. Denkt daran, scheitern ist keine Schande – ihr könnt daraus lernen und euer nächstes Projekt noch besser in Angriff nehmen.

Ihr habt die Lösungen
Es ist keine Überraschung, dass viele studentische Gründer mit Produkten an den Start gehen, die ihnen selbst das Leben leichter machen. Wusstet ihr zum Beispiel, dass Dropbox entstand, weil zwei Studenten Schwierigkeiten hatten, Materialien auszutauschen, zu empfangen und zu senden? Für normale Mails waren die Dateien oft zu groß, der USB-Stick blieb nach einer kurzen Nacht auch öfter zuhause, als dass er in die Uni-Tasche wanderte. Aus einem vermeintlich kleinen Problem kann also ein riesen Erfolg werden.

Die Nachteile

Wenig Erfahrung
Mangelnde Erfahrung ist in der Regel der größte Nachteil. Sofern ihr nicht in einer Unternehmerfamilie groß geworden seid und von klein auf wisst, wie das Business läuft, habt ihr keine nennenswerte Praxis. Ihr habt Ahnung von eurer Materie, ohne die würdet ihr nicht gründen wollen. Doch was alles dahinter steckt, könnt ihr wahrscheinlich zu Anfang nicht einschätzen. Ihr werdet öfter Unsicherheit spüren und kurz vor dem Aufgeben stehen, als ein erfahrener Unternehmer. Doch die Flinte solltet ihr nicht bei der ersten Hürde schon ins Korn werfen. Lest in unserem Interview mit Katharina Mayer von Kuchentratsch, warum sie zum Beispiel rät, auch ohne viel Vorerfahrung einfach loszulegen.

Faktor Geld
Ja, Geld kann nicht nur ein Vorteil, sondern auch ein Nachteil sein, wenn man als Student gründet! Viele gute Ideen funktionieren eine Zeit lang ohne Geld. Aber spätestens wenn ihr einen Prototyp braucht, müsst ihr Kapital in die Hand nehmen. Und dabei bleibt es nicht. Ihr solltet zumindest etwas Ahnung von der Materie haben und euch gern mit Finanzthemen befassen. Sonst verliert ihr nicht nur schnell den Überblick, sondern womöglich noch Eigenkapital oder das Kapital anderer.

Faktor Zeit
Ihr werdet vermutlich nie wieder so flexibel sein wie während des Studiums. Dennoch geht eine Firmengründung natürlich auf Kosten der Freizeit. Komm ich heut nicht, komm ich morgen funktioniert hier nicht. Seid euch bewusst darüber, dass die ein oder andere Party oder der spontane Kurztrip auch mal ins Wasser fallen müssen. Wenn es gut läuft, wird die Selbstständigkeit sogar zum wichtigsten Lebensinhalt neben dem Studium, sodass Freunde, Partyleben und Faulenzen zu kurz kommen. Nicht immer ist einem das vorher klar.

Disziplin
Wer während dem Studium eine Firma gründen möchte, muss diszipliniert sein. Dabei ist der Status Student zunächst zweitrangig. Auch wer aus einem festen Job heraus gründet, braucht eine große Portion Disziplin und Willensstärke. Im Gegensatz zu den meisten Arbeitnehmern ist euer Arbeitstag aber nicht mit dem Verlassen des Gebäudes beendet. Ihr müsst Kurse vor- und nachbereiten, Referate schreiben und für Klausuren lernen. Danach dann noch an den Businessplan setzen, obwohl der Kopf schon raucht? Seid euch bewusst, dass ihr um solche stressigen Momente nicht herumkommt.

Bürokratie
Unser Ruf eilt uns voraus. Deutschland ist in Sachen Bürokratie weit vorn mit dabei und macht es seinen Bürgern oft schwer, durch den Dschungel an Formularen und Ansprechstellen hindurch zu finden. Als Gründer bleibt euch nichts anderes übrig. Ihr müsst Gesetzestexte wälzen, Anträge stellen und euch möglichst gegen alles absichern. Hilfe bekommt ihr bei allem – aber ihr müsst aktiv danach fragen. Die richtigen Ansprechpartner findet ihr unter anderem hier:

Vorgehen
Ohne durchdachte Planung wird auch aus der besten Idee kein gewinnbringendes Unternehmen.
Spukt euch eure Idee schon lange im Kopf herum oder ist sie euch erst letzte Nacht eingefallen? Habt ihr eine Folge von Die Höhle der Löwen gesehen und wollt jetzt auch gleich loslegen? Bevor ihr übermütig werdet und euch sofort in die Gründung stürzt, lasst die Idee ruhig eine Zeit lang Idee sein. Spielt diverse Szenarien in euren Köpfen durch, besprecht euch mit anderen. Und hier sind wir schon am nächsten Punkt: Wollt ihr den Schritt in die Selbstständigkeit allein wagen oder euch jemanden an Bord holen? Und wenn ja, soll es ein Partner sein oder mehrere? Möchtet ihr mit Freunden gründen und seid sicher, dass eure Freundschaft eine anstrengende und nervenaufreibende Gründung und Anfangsphase übersteht? Oder sucht ihr euch im Kommilitonen-Kreis jemanden, der eure Idee toll findet, notwendige aber euch fehlende Kenntnisse hat und euch gern unterstützen möchte? Diese Fragen sollten zu Anfang geklärt sein. Nur dann kann euer Vorhaben erfolgreich sein.

Im 2. Teil unserer Artikels "Selbstständig machen als Student" am 18.10.2019 geht es weiter. Ihr erfahrt, warum ihr einen Businessplan braucht und wie ihr ihn erstellt. Außerdem zeigen wir euch verschiedene Wege auf, mit denen ihr an Startkapital kommt, welche Gesetze ihr kennen und welche Gewerbeversicherungen ihr haben solltet. Zum Schluss stellen wir euch außerdem noch ein paar (ehemalige) Studenten vor, die es geschafft haben und heute das große Geld verdienen.