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Grünes Billboard mit Handwerkssymbolen im Hintergrund

Mit und ohne Meister selbstständig im Handwerk

Für viele Handwerker ist die Selbstständigkeit nach langjähriger Berufserfahrung ein logischer Schritt. Eine Frage, die Sie zu Beginn klären müssen, ist die nach der Meisterpflicht. Denn für einige Berufe gilt der sogenannte „Meisterzwang“. Das bedeutet: Sie können sich in diesen Sparten nur dann selbstständig machen, wenn Sie Ihre Meisterprüfung erfolgreich abgelegt haben. Um welche Berufe es sich handelt und welche weiteren Möglichkeiten es für Sie gibt, den Meisterzwang zu umgehen und Ihren eigenen Betrieb auch ohne Meister zu gründen, erfahren Sie nachfolgend.

Autorin: Cynthia Henrich, Stand: 09.12.2015

Auszug aus dem Meisterbrief

Zulassungspflichtige Handwerke: Meisterbrief obligatorisch

Für zulassungspflichtige Handwerke [PDF|184 KB], wie etwa Dachdecker, Bäcker oder Schornsteinfeger, ist der Meisterbrief laut Handwerksordnung (HwO) [PDF|237 KB] verpflichtend, um sich selbstständig zu machen. Hintergrund: Es handelt sich bei diesen Handwerken um Berufe, die „gefahrengeneigte und ausbildungsintensive“ Tätigkeiten beinhalten und eine entsprechend professionelle Ausübung voraussetzen. Das bedeutet konkret: In diesen Berufen kann die unsachgemäße Ausübung der Arbeiten dazu führen, dass Personen verletzt oder im schlimmsten Fall getötet werden.
 
Um Ihren Meisterbrief zu erhalten, müssen Sie eine Meisterprüfung ablegen. Sich darauf vorzubereiten, dauert in der Regel zwei bis drei Jahre. Die Meisterprüfung selbst besteht aus vier verschiedenen Teilen:

  1. einem praktischen Teil, der oftmals den selbstgewählten Schwerpunkt behandelt
  2. die Fachtheorie
  3. einen betriebswirtschaftlichen / kaufmännischen / rechtlichen Teil sowie
  4. die Prüfung berufs- und arbeitspädagogischer Kenntnisse.

Die Abnahme erfolgt durch einen Meisterprüfungsausschuss, der aus jeweils fünf Mitgliedern besteht. Dieser wird von der zuständigen Handwerkskammer gestellt.  

Wenn Sie keine Meisterprüfung abgelegt haben und dennoch einen Betrieb gründen möchten, haben Sie mehrere Möglichkeiten, sich ohne Meister selbstständig zu machen:
 

Möglichkeit 1: Ein angestellter Meister als Betriebsleiter

Wenn Sie einen Meister als Betriebsleiter beschäftigen, können Sie sich auch ohne Meisterbrief mit Ihrem eigenen Betrieb selbstständig machen.

Möglichkeit 2: Altgesellenregelung

Nach §7a der Handwerksordnung [PDF|237 KB] ist es in bestimmten zulassungspflichtigen Handwerken möglich, über eine sogenannte Ausübungsberechtigung die Meisterpflicht zu umgehen. Diese Ausnahmeregelung gilt für Personen, die die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten für die Selbstständigkeit in ihrem Handwerk nachweisen können und für die es zugleich eine unzumutbare Belastung darstellen würde, die Meisterprüfung abzulegen. Die Ausübungsberechtigung ist bei der zuständigen Handwerkskammer zu beantragen. Dort müssen Sie als Antragssteller eine Gesellentätigkeit von sechs Jahren nachweisen können, vier davon in leitender Stellung. Was dabei als „unzumutbare Belastung“ gilt, ist allerdings nicht konkret von den Handwerkskammern definiert. Die Entscheidung darüber liegt im Ermessen der jeweiligen Kammer.

Die Altgesellenregelung gilt nicht für folgende „besonders gefahrenträchtige Handwerke“:

  • Schornsteinfeger
  • Augenoptiker
  • Hörgeräteakustiker
  • Orthopädietechniker
  • Orthopädieschuhmacher
  • Zahntechniker

Zulassungsfreie Handwerke / handwerksähnliche Berufe: selbstständig ohne Meister

Wenn Sie in einem zulassungsfreien Handwerk [PDF|193 KB] beziehungsweise einem handwerksähnlichen Beruf [PDF|199 KB] tätig sind, können Sie sich auch ohne Meister selbstständig machen. Hier genügen eine Gewerbeanmeldung sowie die Eintragung in die Handwerksrolle. Die Handwerkskammern empfehlen dennoch, die Meisterprüfung abzulegen. Gerade in den Augen der Kunden gilt ein Meistertitel nach wie vor als Gütesiegel eines Betriebs und fördert das Vertrauen in die Qualität Ihrer handwerklichen Arbeit.

Anerkennungsgesetz: für ausländische Berufsabschlüsse

Haben Sie Ihren Berufsabschluss im Ausland absolviert, können Sie sich diesen seit 2012 in Deutschland anerkennen lassen. Wird er als gleichwertig gegenüber der Meisterprüfung eingestuft, dürfen Sie sich ohne Probleme in zulassungspflichtigen Handwerken selbstständig machen. Ist Ihr Abschluss als gleichwertig zum Gesellen anerkannt, ist es Ihnen erlaubt, sich für die Meisterprüfung anzumelden. Die Anerkennung müssen Sie bei Ihrer zuständigen Handwerkskammer beantragen.

Gut zu wissen in Grün

Existenzgründung mit „einfacher Tätigkeit“

Sie können sich auch ohne Meister selbstständig machen, wenn Sie einen Betrieb gründen und dabei sogenannte „einfache Tätigkeiten“ ausführen – beispielsweise einen Hausmeisterbetrieb. Eine Tätigkeit wird als „einfach“ definiert, wenn sie von einem Berufsanfänger mit durchschnittlicher Begabung ohne großen Zeitaufwand, sprich innerhalb von zwei bis drei Monaten, erlernt werden kann. Sie dürfen in Ihrem Betrieb auch mehrere einfache Tätigkeiten anbieten. Jedoch muss gewährleistet sein, dass keine der Arbeiten als „wesentlich für ein bestimmtes Handwerk“ eingestuft wird. Zur Einstufung informieren Sie sich bei Ihrer zuständigen Handwerkskammer.

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