Ist die Corona-Krise überwunden? Was Unternehmer jetzt wissen müssen

Teil 4: Die Insolvenz ist unabdingbar - wie geht's weiter?

17. Juli 2020 | Up2Date | Autorin: Katja Brauchle

Bis Ende September muss kein Unternehmer Insolvenz anmelden – es besteht also noch die Chance, sich so weit von der Krise zu erholen, dass es weitergehen kann. Aktuell rechnet man damit, dass die Zahl der Insolvenzen um etwa 20% steigen wird. Wenn es tatsächlich so weit kommt, hat man jedoch diverse Anlaufstellen, die zur Seite stehen. Sollte die Insolvenz bereits absehbar sein, ist es wichtig, sich jetzt schon über alle Schritte informieren. Vorsicht ist in diesem Fall besser als Nachsicht.

Welche Wege muss ich gehen?

Die Schuldnerberatung ist eine gute Anlaufstelle für alle wichtigen Infos.
Wenn eine Insolvenz nicht mehr zu verhindern ist, muss das Geschäft zunächst eingestellt und abgewickelt werden. Im Anschluss kann der Soloselbstständige Insolvenz bei Gericht anmelden, muss es jedoch nicht. Wer das Insolvenzverfahren aber durchläuft, kann auch einen Antrag auf Restschuldenbefreiung stellen. In dem Fall ist die finanzielle Belastung zwar auf einen Schlag weg. Jedoch wird in diesem Fall auch das gesamte private Vermögen mit berücksichtigt. Besser ist die Planinsolvenz, bei der Gläubiger zwar bedient werden, jedoch in einem geringen Maße. Innerhalb eines Jahres sollte in diesem Fall die Insolvenz durchlaufen sein. Genaue Infos zur Planinsolvenz finden Sie hier: Kanzlei Schmidt
Außerdem ist der Gang zur Bundesagentur für Arbeit unabdingbar. Betroffene können sich dort zum Arbeitslosengeld umfassend beraten lassen und bekommen Hilfe bei der Antragstellung, ebenso umfassende Beratung zu weiteren Schritten zurück ins Arbeitsleben.

Wer hilft mir jetzt?

Wenn der Traum von der Selbstständigkeit in einer Insolvenz endet, ist das für Betroffene zunächst ein harter Schlag, den es zu akzeptieren und zu verarbeiten gilt. Wichtig ist aber, sich immer wieder zu sagen, dass man nicht allein dasteht. Es gibt Hilfe, wenn es wirklich zum Äußersten kommt.
Bevor Sie aber möglicherweise voreilig Insolvenz anmelden, wenden Sie sich an einen Insolvenzberater – dieser hat oft Lösungen, auf die Sie vielleicht gar nicht kommen.
Sprechen Sie außerdem mit Ihren Gläubigern, um eine außergerichtliche Einigung zu erzielen. Oft sind Gläubiger bereit dazu, z.B. eine Ratenzahlung zu vereinbaren. Schließlich profitieren auch sie davon.
Auch viele Banken helfen in der aktuellen Situation mit kurzfristigen Kreditaufstockungen oder der Möglichkeit, die Zahlung für einige Monate auszusetzen – diese Raten werden aber am Ende natürlich wieder dran gehängt. Das funktioniert natürlich nur, wenn eine Erholung des Geschäftsbetriebes absehbar ist.
Wenn auch das nicht funktioniert, hilft ein Anwalt, der sich mit Insolvenzabwicklungen auskennt. Sofern Sie noch keine Rechtschutzversicherung haben, ist es dafür allerdings höchste Eisenbahn.

Was passiert mit meinen Versicherungen, wenn ich die Kündigungsfrist versäumt habe?

Versicherungen kann man in solchen Fällen zu jeder Zeit kündigen, darüber muss sich ein Selbstständiger also keine Gedanken machen. Unsere Experten stehen für Gespräche zur Lösungsfindung jederzeit zur Verfügung.

Neustart wagen oder zurück in ein Angestelltenverhältnis?

Für Betroffene ist es schwierig, an der aktuellen Situation etwas Positives zu sehen. Insbesondere dann, wenn sie Insolvenz anmelden müssen und im schlimmsten Fall auch noch mit ihrem Privatvermögen für offene Zahlungen gerade stehen müssen.
Dennoch sollte man versuchen, nach vorne zu blicken.
Jetzt ist die Zeit, um berufliche (und private) Entscheidungen zu treffen und zu überdenken. Es ist Zeit, sich mehr auf sich selbst zu konzentrieren, etwas für die Gesundheit zu tun, sich fortzubilden oder Dinge zu tun, für die im regulären Alltag keine Zeit bleibt. Wer gut auf sich selbst achtet, kann mit neuer Kraft aus der Krise hervorgehen und vielleicht umso erfolgreicher wieder durchstarten.
Und wer sich nicht traut, nochmal die Selbstständigkeit zu wagen, hat beste Chancen auf einen guten Job in einem Unternehmen – dass der/die ehem. Selbstständige sich selbst organisieren kann und viel Erfahrung in diversen Bereichen hat, spricht für ihn/sie. Und das sind Qualitäten, die in jedem Job wichtig sind!
Egal, wie Sie sich entscheiden – zweifeln Sie niemals daran, dass Sie Ihren Weg finden und Ihre Erfahrungen Sie erst zu dem gemacht haben, was Sie heute sind.

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