Journaling für Berufs- und Privatleben

28. Februar 2020 | Work-Life-Balance | Autorin: Katja Brauchle

Als Kinder und vielleicht noch als Teenager haben es fast alle getan, zumindest unter den Mädchen – ein Tagebuch geführt. Dabei ging es sicher oft um Streit mit den Eltern, den angesagtesten Popstar oder den schönen Tag mit Freunden im Schwimmbad. Spätestens mit Eintritt ins Berufsleben ist es dann aber meist vorbei mit dem Tagebuch führen.

Warum eigentlich? Weil wir glauben, keine Zeit für so etwas Banales zu haben? Oder weil wir uns gar nicht an jeden Arbeitstag so detailliert erinnern wollen? Vielleicht. Leider vergessen wir so aber auch oft die kleinen Momente, die uns gut getan haben. Die uns in blöden Situationen geholfen haben, sich nicht in blinde Wut hinein zu steigern.

Was ist Journaling?

Ein Trend, der das Tagebuch schreiben von damals auf neue Art wieder aufgreift, ist das Journaling. Hierbei geht es darum, sich bewusst jeden Tag ein wenig Zeit zu nehmen und die Ereignisse, vor allem aber die Emotionen, des Tages niederzuschreiben. Während beim Tagebuch vor allem vergangene Ereignisse und die dazugehörigen Gefühle einfach niedergeschrieben werden/wurden, geht es beim Journaling einen Schritt weiter. Es dient zur Planung wie ein Kalender, zum Niederschreiben von Emotionen wie ein Tagebuch, aber auch um sich selbst zu reflektieren und darauf basierend für die Zukunft zu lernen.

Ein großes Thema der letzten 3 Jahre ist das Bullet-Journaling. Dieses Konzept wurde von Ryder Carroll entwickelt und ist inzwischen weltweit bekannt. Es beruht darauf, dass die Nutzer ihr ganz individuelles Journal nach ihren Bedürfnissen entwickeln und gestalten. Die gängigsten Komponenten sind neben dem Inhaltsverzeichnis ein Monatsplaner, ein Wochenplaner und ein sogenannter Future Log. Das ist ein Teil des Journals, in dem man seine Wünsche, Ziele und mehr für das ganze Jahr festhält. Ergänzt werden kann das durch das Führen von Listen, Zeichnungen, Terminen, Motivationssprüchen – eigentlich mit allem, was man individuell braucht und möchte.
(Eine gute Anleitung für Beginner gibt’s hier bei vanilla-mind)

Aber auch das Dankbarkeitsjournal oder das Erfolgstagebuch sind weit verbreitete Arten des Journalings. Jeder kann das wählen was ihn am meisten anspricht. Wenn Sie sich gern in Achtsamkeit üben möchten, kann ein Dankbarkeitstagebuch das richtige für Sie sein. Fünf Minuten am Tag reichen schon. Schreiben Sie einfach auf, für was oder wen Sie heute dankbar sind. Auch an Tagen, an denen Sie am liebsten alles hinschmeißen möchten und das Gefühl haben, dass sich alle gegen Sie verschworen haben. Sinn und Zweck dieser Übung: Sich bewusst machen, dass es trotz schlechten Tagen immer noch ganz viel gibt, was das Leben schön macht.

Das Erfolgstagebuch muss sich nicht nur mit beruflichen Erfolgen befassen. Regen Sie sich schon lange über das Chaos im Küchenschrank auf? Und haben Sie es jetzt endlich geschafft, Ihren inneren Schweinehund zu überlisten und Ordnung geschaffen? Schreiben Sie es auf! Denn wir neigen dazu, uns höchstens über vermeintlich große, wichtige Erfolge zu freuen und die kleinen ganz schnell wieder zu vergessen. Insbesondere, wenn Sie zu Selbstzweifeln neigen, kann Ihnen ein Erfolgstagebuch helfen. So können Sie es sich an einem schlechten Tag zur Hand nehmen und daran zurückdenken, als Sie innerhalb einer engen Deadline ein Projekt nicht nur abgeschlossen, sondern GUT abgeschlossen haben. Und das ohne jemandem den Hals umzudrehen (manchmal ist das überhaupt die größte Leistung). Ein Erfolgstagebuch soll dabei helfen, sich der eigenen Stärken (wieder) bewusst zu werden.

Handschriftlich oder am PC?

Ob Sie sich lieber an den PC setzen und per Word oder Excel Ihre Eindrücke festhalten möchten oder handschriftlich in ein Tagebuch oder ein spezielles Journaling-Buch schreiben, bleibt Ihnen selbst überlassen. Auch in Ihren Kalender, den Sie ohnehin permanent zur Planung nutzen, können Sie eintragen, was Sie heute bewegt hat. Es gibt hierbei kein richtig oder falsch.

Blättern Sie heutzutage immer noch gern alte Tagebücher durch und amüsieren sich darüber, womit Sie sich im Alter von 12 Jahren befasst haben? Dann wird Ihnen das handschriftliche Journaling sicher auch gefallen. Außerdem können Sie in ein Buch oder einen Kalender auch Dinge beilegen oder einkleben, die wichtig für Sie sind. Vielleicht sind Sie an einem Tag besonders dankbar darüber, dass Sie ein lustiges Theaterstück sehen konnten. Also ab mit der Karte als Erinnerung in ihr Journal.

Wenn Sie aber eher der pragmatische Typ sind und im Alltag generell kaum irgendetwas handschriftlich festhalten, wenn Sie vielleicht sogar zu jenen gehören, die idealerweise gar kein Papier mehr verbrauchen mögen, dann führen Sie Tagebuch am PC. Für sich selbst – oder vielleicht auch für andere. Blogs waren in ihrer Anfangszeit auch nichts anderes als Internet-Tagebücher.

Muss ich dafür schreiben können?

Sie müssen aber kein begabter Autor sein, um ein Journal zu führen. Und sie müssen auch keine Seiten füllen mit dem, was Sie grade bewegt. Schreiben Sie, soviel Sie Lust haben und das, was Sie wichtig finden. Wenn das nur ein Satz ist, dann ist das völlig ausreichend. Wenn Sie ausschmückend schreiben wollen, tun Sie das. Und wenn Sie gern mit Stichpunkten arbeiten, dann ist auch das in Ordnung. Vielleicht eignet sich der Stoff ja später sogar für einen Bestseller. Wie gesagt, es gibt kein richtig und kein falsch. Ich zum Beispiel schreibe immer, beruflich und privat. Meistens aber kleine Geschichten, Briefe und Pläne für feststehende Unternehmungen. Auch an Journaling habe ich mich versucht und bin gnadenlos gescheitert – vermutlich, weil ich die richtige Form davon für mich noch nicht gefunden habe. Oder weil ich mich selbst und meine Gedanken nicht in dieser Form ordnen kann. Aber Sie sehen – nur weil man schreiben kann und will, ist man noch lange nicht der geborene Journaling-Nutzer. Und andersrum gilt das ebenso. Alles was Sie brauchen, ist die richtige Form für Sie und ein bisschen Spaß daran.

Haben Sie sich bereits am Journaling versucht? Lassen Sie uns wissen, welche Form Sie bevorzugen und warum Sie es weiterführen oder wieder aufgegeben haben. Post unter: blog@finanzchef24.de

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