„Wenn du das gefunden hast, wofür du brennst, bleib am Ball!“

09. August 2019 | Gründerstories | Interview mit Franka Hirsch, geführt von: Cynthia Henrich

Bevor Franka Hirsch (30) sich nebenberuflich als People-& Hochzeitsfotografin in München selbstständig gemacht hat, war sie als Pädagogin in einer Kita tätig. In einer Leitungsposition angekommen merkte sie, dass sie trotz ihres Erfolgs nicht glücklich war. Im Interview erzählt Franka uns, was sie dazu bewogen hat, es nach einigen Anläufen ausgerechnet jetzt als selbstständige Fotografin zu versuchen. Außerdem verrät sie, wie sie an Aufträge kommt und hat auch den ein oder anderen weiteren Tipp für angehende Fotografen parat.


 Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Ich bin schon vor gut 10 Jahren mehr oder weniger zufällig auf die Fotografie gestoßen. Meine damalige Freundin wollte schöne Fotos von sich. Das hat mir dann so viel Spaß gemacht, dass ich immer öfter Menschen fotografiert habe und die Fotografie so langsam aber stetig zu einem geliebten Hobby wurde. Viel Zeit, dem nachzugehen, blieb mir aber leider nicht, da ich Vollzeit als Pädagogin tätig war.

Wann stand für dich fest, dich als Fotografin selbstständig zu machen?

Tatsächlich hatte ich schon länger ein Gewerbe angemeldet, da im Laufe der Jahre immer wieder Leute auf mich zukamen, die wollten, dass ich beispielsweise Ihre Hochzeit fotografiere und auch dazu bereit waren, mir Geld dafür zu geben. So stand ich eigentlich schon sehr lange an der Schwelle zur Selbstständigkeit. 

Im letzten Jahr wurde mir dann immer bewusster, dass ich nicht wirklich zufrieden mit meiner aktuellen beruflichen Situation war. Ich hatte keinen Spaß an meiner Arbeit und ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich das noch die nächsten 30-40 Jahre meines Lebens machen würde. Also habe ich viel mit Freunden geredet, bin in mich gegangen und letztendlich dann auch zu der Erkenntnis gekommen, dass es die Fotografie ist, die mich glücklich macht. 

Als die Entscheidung gefallen war, habe ich mir eine neue Arbeitsstelle gesucht und meine Arbeitszeit auf 30 Stunden pro Woche reduziert. Denn nur so bin ich in der Lage, mir die nötige Zeit freizuschaufeln, um nebenberuflich selbstständig als Fotografin zu arbeiten. Und das mache ich jetzt seit fast drei Monaten.

Hast du keine Bedenken, zu scheitern?

Ich hatte große Bedenken und die Entscheidung, auch wenn es jetzt so klingt, ist mir nicht leicht gefallen. Denn ich bin schon jemand, der eher auf Sicherheit geht. Meine Eltern hatten bereits einen Ausflug in die Selbstständigkeit gewagt, der leider nicht von Erfolg gekrönt war. Durch diese Erfahrung war ich immer der Meinung, dass man mit Selbstständigkeit nicht erfolgreich sein kann.

Aber dann habe ich mir gesagt „Ich hab doch nur dieses eine Leben und wozu? Dass ich jeden Tag einen Job mache, in dem ich nicht glücklich bin? Um Geld heim zu bringen, damit ich mir einmal im Jahr einen Urlaub leisten kann, nur um dann wieder zurück in einen Job zu kommen, den man eigentlich nicht machen möchte?“. Ja und dann hab ich den Sprung ins kalte Wasser einfach gewagt.

Aber gerade, weil ich ein sicherheitsliebender Mensch bin, habe ich mich dazu entschieden, erst einmal nebenberuflich zu starten. Zwar würde ein Scheitern auch so sehr schmerzen, aber so habe ich noch ein Sicherheitsnetz. Gerade auch im Hinblick auf Dinge wie Krankenversicherung etc.. Das wird durch meinen Teilzeitjob abgedeckt. 

Und trotzdem - mein erklärtes Ziel ist schon, mich irgendwann Vollzeit selbstständig zu machen, da ich einfach merke, dass die Fotografie mich erfüllt und ich darin richtig aufgehe.

Bild: © Franka Hirsch Fotografie 

Gab es bereits unvorhergesehene Ereignisse, mit denen du zu kämpfen hattest?

Mir wurde mein Kamera-Equipment kurz vor einem Hochzeitsshooting geklaut, das war schon übel. Ich hatte aber das große Glück, dass mein Vater mir da aus der Patsche geholfen hat, so dass ich mir schnell eine neue Kamera kaufen konnte. 

War dein Equipment nicht versichert?

Eine Versicherung hatte ich zu dem Zeitpunkt nicht und habe ich aktuell auch immer noch nicht, weil mir das schlichtweg zu teuer ist. Das steht für mich im Moment nicht im Verhältnis zu dem, was ich mit der Fotografie verdiene. Schließlich muss ich meine private Absicherung wie zum Beispiel meine Berufsunfähigkeits- und Unfallversicherung ja auch schon zahlen. Bezüglich Equipment schaue ich aber, dass ich jetzt immer genügend Geld beiseitelege, für den Fall, dass mir so etwas wieder passiert. 

Um Geld zurückzulegen, braucht man natürlich zahlende Kunden. Wie kommst du an Aufträge?

Eigentlich ganz klassisch über Mund-zu-Mund-Propaganda. Meine ersten Aufträge vor knapp 10 Jahren habe ich über Freunde bekommen. Da durfte ich dann mal eine Hochzeit fotografieren und diese Kunden waren so zufrieden, dass sie mich wiederum ihren Freunden und Bekannten weiterempfohlen haben. Und tatsachlich bekomme ich auch jetzt noch über dieses kleine Netzwerk von damals Aufträge. Also würde ich schon sagen, dass meine Hauptquelle Weiterempfehlungen sind.

Heißt das, dass du selbst gar nicht aktiv Werbung für dich machst?

Doch natürlich schon. Seit einem Jahr bin ich vor allem verstärkt auf Social Media, insbesondere auf Instagram, aktiv. Über die Plattform betreibe ich aktuell hauptsächlich Akquise. Dort kann ich nicht nur super mein Portfolio präsentieren, sondern auch mich selbst. 

So muss man sich vorher gar nicht mehr wirklich treffen, sondern die Kunden haben sofort ein Bild von mir und meiner Person. Ich poste zum Beispiel Instagram-Stories von meinem Alltag oder zeige, wie die Vorbereitung zu einem Shooting aussieht. So haben potenzielle Kunden direkt das Gefühl, mich zu kennen.

Warum ist dir das so wichtig?

Mit jemandem Fotos zu machen hat immer eine gewisse Intimität, deshalb muss ein Vertrauensverhältnis zwischen Fotograf und Kunde bestehen. Meine Hauptzielgruppe sind gleichgeschlechtliche Paare. Gerade homosexuelle Menschen erfahren leider immer noch sehr viel Ablehnung und trauen sich vielleicht nicht, ein Fotoshooting mit ihrem Partner zu buchen. Durch meine persönlichen Stories wissen diese Menschen sofort, dass sie bei mir gut aufgehoben sind. Sie sehen, dass ich bereits viele gleichgeschlechtliche Paare fotografiert habe und selbst in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung lebe. 

Das Wichtigste dabei ist, dass ich mich auf Instagram genauso zeige, wie ich bin. Authentizität ist das A und O. Nur so kommt es dann beim Shooting nicht zu einer unangenehmen Situation, weil man zum Beispiel nicht den Erwartungen der Kunden entspricht.

Bild: © Franka Hirsch Fotografie

Welche weiteren Vorteile bietet Instagram für dich als Fotografin?

Ich finde es super, dass ich darüber direkt mit meinen potenziellen Kunden in Kontakt treten kann. Im Idealfall sehen Sie meine Bilder, mögen den Stil meiner Fotos und schreiben mich dann per Direktnachricht oder über die Kommentarfunktion an. Ich biete dann meist direkt ein Datum an und so kommen die Aufträge super unkompliziert zustande. 

Das Gute daran ist auch, dass meine Kunden die Plattform, auf der sie sich gerade bewegen, gar nicht mehr verlassen müssen. Wenn ich sie jetzt erst an meine E-Mail-Adresse verweisen oder eine Telefonnummer anbieten würde, würde ich wahrscheinlich viele potenzielle Kunden auf diesem Weg verlieren. Deshalb funktioniert das plattformübergreifende Marketing auch nicht so gut – du musst für jeden Social Media Kanal eine eigene Strategie fahren. Wenn jemand gerade auf Instagram unterwegs ist, dann will er eben gerade auf Instagram sein und nicht auf Facebook oder Twitter.

Kommt es aufgrund der vermeintlichen Unverbindlichkeit auf Social Media auch mal dazu, dass dir ein Termin, den du darüber ausgemacht hast, kurzfristig abgesagt wird? 

Da hatte ich eigentlich bisher Glück. Und bei großen Aufträgen, wie etwa einer Hochzeit, geht die Kommunikation auch über Social Media hinaus. Da findet vorab immer ein Kennenlern-Treffen statt, falls gewünscht auch ein Kennenlern-Shooting. So können sowohl meine Kunden als auch ich sehen, wie klappt die Zusammenarbeit, ist es so, wie sie sich das vorgestellt haben. Da kommt auch wieder die Authentizität ins Spiel. Ich kann ihnen zeigen, dass ich wirklich so bin wie ich mich präsentiere und das schafft wiederum Vertrauen. Wer will schon jemanden auf seiner Hochzeit haben, mit dem er nicht gut kann? Gerade ein Fotograf ist da bei sehr intimen Momenten dabei.

Ich glaube, weil ich diese sehr persönliche Strategie fahre, habe ich bisher auch noch nicht das Problem mit kurzfristigen Absagen gehabt. Dazu kommt, dass ich natürlich verbindliche Verträge mit meinen Kunden mache. Selbst, wenn ich bisher Glück hatte, ich muss mich schon absichern. Schließlich halte ich mir für eine Hochzeit einen ganzen Tag frei, an dem mich vielleicht jemand anderer gern gebucht hätte.

Hast du dich zum Thema Verträge vorab beraten lassen?

Tatsächlich habe ich einfach bei anderen Fotografen nachgefragt, wie die das handhaben. Zudem habe ich ein Coaching bei einer erfahrenen Fotografin absolviert und sie hat mir zum Beispiel gezeigt, wie sie ihre Verträge aufsetzt.

Wie wählst du aus, welche Aufträge du annimmst und gibt es auch Aufträge, die du ablehnst?

Am Anfang habe ich natürlich jeden Auftrag angenommen. Da freut man sich ja einfach nur darüber, dass jemand dich buchen möchte, egal ob’s für ein Baby-, Tier- oder ein anderes Shooting war. Und das war auch gut so, denn nur so konnte ich für mich herausfinden, in welche Richtung ich mich eigentlich spezialisieren möchte.

Seitdem ich das mit der Selbstständigkeit konkret angepackt habe, wähle ich schon gezielt aus. Ich schau mir an, von wem kommt die Anfrage, was ist das für eine Person, wie hat derjenige mich angeschrieben. Wenn da einfach nur so ein Satz kommt à la „Hey, hast du am 28. noch Zeit?“, dann ist das für mich eigentlich ein No-Go. Mir ist es wichtig, dass mir Wertschätzung entgegengebracht wird, und dass meine Kunden wirklich mich als Fotografin wollen und nicht nur nach dem günstigsten Angebot suchen. Diese Freiheit nehme ich mir raus und bislang fahre ich sehr gut damit.

Aus diesem Grund stehen auf meine Homepage zum Beispiel auch keine Preise. Ich habe mich lange mit dem Thema auseinandergesetzt, Podcasts gehört und mich mit anderen Fotografen unterhalten. Wenn du einen gewissen Standard halten willst, wenn du von der Fotografie leben willst, dann darfst du dich nicht unter Wert verkaufen.

Du hast jetzt immer wieder erwähnt, dass du dir Podcasts anhörst, Workshops und Coachings besuchst, um dir das nötige Know-How für deine Karriere als selbstständige Fotografin anzueignen. Gibt’s da Empfehlungen deinerseits?

Auf jeden Fall. Speziell für selbstständige Fotografen kann ich zum Beispiel die Veranstaltungen von Calvin Hollywood wärmstens empfehlen. Seine Coachings sind wirklich super und ich habe dort viel zum Thema Social Media und Selbstvermarktung gelernt. Und wie man mit kleinen Tricks auch nebenbei noch Geld verdienen kann, zum Beispiel indem man Onlineprodukte rund um die Fotografie anbietet, Workshops und Coachings hält oder Netzwerkevents veranstaltet. Das ist auch etwas, das ich mich für die Zukunft vorgenommen habe.

Wer sich selbstständig machen will und/oder etwas über emotionales Marketing lernen möchte, der sollte die Webseite von Nina Schnitzenbaumer besuchen. Sie bietet unter anderem Personal Coachings, Webinare oder auch Podcasts an. Da sie selbst Fotografin ist, fand ich ihr Angebot natürlich besonders spannend, aber auch andere Existenzgründer oder solche, die darüber nachdenken, können von ihrer Erfahrung profitieren.

Wer auf der Suche nach einer guten Networking-Gelegenheit ist, der sollte bei den Meetups von 12min.de vorbeischauen. Die finden regelmäßig in verschiedenen Städten statt und zu jedem Termin gibt’s drei inspirierende Vorträge zu aktuellen Themen mit anschließender Diskussion. Die Meetups sind nicht ausschließlich für Selbstständige gedacht, sind aber – wie gesagt, wirklich inspirierend.

Zum Abschluss: Was würdest du anderen Menschen gerne sagen, die mit dem Gedanken spielen, sich selbstständig zu machen?

Wenn du das gefunden hast, wofür du brennst, bleib am Ball. Egal, wie viele dir reinreden wollen, Ängste in dir schüren, dir sagen „Es gibt 10.000 Fotografen da draußen, es braucht nicht noch einen!“ – lass dich davon nicht abhalten. Du weißt nur, ob du Erfolg damit haben wirst, wenn du den Schritt wagst – und gleichzeitig kannst du nicht erfolgreich sein, wenn du es nicht versuchst.

Liebe Franka, vielen Dank für das tolle Interview!

Zur Webseite von Franka Hirsch: Franka Hirsch Fotografie
Instagram: @frankahirsch_fotografie