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Corona-Krise

Ist die Coronakrise überwunden? Was Unternehmer jetzt wissen müssen

Seit Beginn des Jahres ist aufgrund des Virus‘ nichts mehr so, wie es mal war. Kurzarbeit und Home Office sind dabei noch die angenehmsten Folgen. Viele Angestellte haben ihre Jobs verloren. Und viele Selbstständige und Kleinst-/Kleinunternehmer haben ihre Lebensgrundlage verloren oder stehen kurz vor der Insolvenz – trotz staatlicher Hilfen.

Doch wie kann es weitergehen?

Lesen Sie auf dieser Seite, wie die Lage aktuell zu bewerten ist und welche Möglichkeiten es für Selbstständige und Kleinst-/Kleinunternehmer es gibt, um auch die Nachwirkungen der Krise zu bewältigen.

Stand: 21.07.2020 9:00 Uhr.

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1. Wie ist die aktuelle Situation? Zahlen + Fakten

Vorne weg: Noch ist die Corona­krise nicht überwunden. Zwar haben die meisten Geschäfte und Restaurants wieder geöffnet und auch Kultur­stätten dürfen unter Auflagen den Betrieb wieder aufnehmen. Doch noch immer stecken sich aktuell etwa 400 Menschen täglich mit dem Virus an. Ein Tropfen auf dem heißen Stein? Nur, solange das Virus in Schach gehalten werden kann. Was sonst passiert, können wir aktuell am Beispiel Tönnies sehen, wo sich das Virus rasend schnell verbreitet und zwei Land­kreise erneut in einen Lockdown geschickt hat. Dass es durch Mutation des Virus und immer größere Sorgen­losigkeit in der Bevölkerung auch in weiteren Land­kreisen, Bundes­ländern oder sogar bundesweit wieder so weit kommt, lässt sich nicht ausschließen.

Die rund 4 Millionen Solo­selbstständigen und Klein/Kleinst­unternehmer in Deutschland können also nach wie vor nicht aufatmen. Insbesondere sie geht die Krise mit zum Teil sehr hohen Einkommens­verlusten einher, viele mussten ihre Selbst­ständigkeit sogar aufgeben.

Und während bei Angestellten nur etwa 15% hohe Einkommens­verluste beklagen, sind es bei den Selbst­ständigen 60%. Problematisch ist das vor allem auch deshalb, weil laut einer Untersuchung der DIW nur knapp die Hälfte der Betroffenen genügend Rücklagen für mehr als drei Monate hat. Kurzarbeiter­geld gibt es nur für abhängig Beschäftigte. Die staatlichen Hilfen sind für Selbstständige bei weitem nicht ausreichend – die Hilfen decken lediglich Betriebs­ausgaben, darüber hinaus müssen Selbst­ständige Grund­sicherung beantragen. Jeder sechste Selbst­ständige hat deswegen Existenz­ängste. Umso schwieriger ist es, besonnen zu reagieren und sich auf eine veränderte Zukunft vorzubereiten.

Und auch mit dem beschlossenen Milliarden-Konjunktur­paket ist Selbst­ständigen nur wenig geholfen – denn auch diese beschränken sich auf Betriebs­kosten. Hier besteht für den Staat dringend Nachhol­bedarf, sofern nicht ein großer Teil der Selbst­ständigen in die Insolvenz getrieben werden soll.

Dafür finden sich online auch zahlreiche Petitionen, unter anderem lief bis Ende Juni die Petition „Verlängerung und rechts­sichere Ausgestaltung von Soforthilfen für Selbst­ständige vom 13.05.2020“, die 58.485 Unterzeichner hat. Wer sich noch beteiligen möchte, kann die Petition „Corona Sofort­hilfen - Beschränkungen für Solo­selbständige und Frei­berufler ändern!“ auf WeAct unter­zeichnen, die bis jetzt schon von über 150.000 Selbst­ständigen und Freiberuflern unterschrieben wurde.

2. Jetzt gründen? Lieber nicht. Oder?

Aufgrund der aktuellen Situation und wegen der damit verbundenen Ängste geht die zuletzt gestiegene Gründungs­bereitschaft in Deutschland massiv zurück. Denn es ist zu sehen, dass der Staat nicht ausreichend auf die Bedürfnisse der Selbst­ständigen eingeht. Wer vor der Krise mit dem Gedanken gespielt hat, sich selbst­ständig zu machen, schreckt jetzt eher davor zurück, weil zu befürchten ist, dass bei einer erneuten Krise der Staat Gründer und Selbstständige gefühlt im Stich lässt.

Die Annahme, dass Gründen oder die Selbst­ständigkeit aktuell eine schlechte Idee sei, ist aber nur bedingt richtig. Sicher braucht es noch mehr Mut als ohnehin schon. Doch es hat sich gezeigt, dass tolle Ideen auch jetzt noch Investoren finden. Und wenn potentielle Konkurrenten jetzt aus Sorge vor einem Miss­erfolg zurückschrecken, ist die Erfolgs­wahrscheinlichkeit umso höher. (Kommentar von Munich-Startup) Mut machen vielleicht auch die zahlreichen Unternehmen, die während (Finanz)­Krisen gegründet wurden.

Laut einer Untersuchung des Instituts für Mittelstands­forschung überstiegen im Krisenjahr 2009 die Neugründungen sogar die Insolvenzen – über 400.000 Unternehmen wurden gegründet. Ergo: Viele Menschen betrachten eine Krise auch als Chance – auch wenn im ersten Moment Panik und Sorge herrschen.

Wer also vor der Krise darüber nachdachte, sich selbst­ständig zu machen, sollte diese Idee jetzt nicht verwerfen. Vielleicht ist ein Restaurant in der Großstadt aktuell nicht die beste Idee. Aber auch in einer ohnehin heiß umkämpften Branche kann das funktionieren, wenn das Konzept überzeugt! Wenn die Idee sich aber verhältnis­mäßig leicht umsetzen und von überall gearbeitet werden kann, wie beispielsweise Webdesign oder Texten, spricht nichts dagegen, jetzt oder in den kommenden Monaten zu gründen.

Alle Infos rund ums Gründen und Selbst­ständig machen, finden Sie in unserem Wissensbereich. Wir drücken die Daumen – und beraten Sie gern, sobald es um Ihre Versicherungen geht.

Gründungsbeispiele in der Krise

Disney zum Beispiel wurde 1929 gegründet – als die ganze Welt aufgrund des Börsen­crashes am sogenannten Schwarzen Freitag in eine vier Jahre andauernde Finanzkrise stürzte. 91 Jahre später ist der Erfolg ungebrochen. Bill Gates ging 1975 mit Microsoft an den Start – während sich die Welt erst langsam von der Ölkrise 1973 erholte. Und auch während der letzten Finanz­krise wurden Unternehmen gegründet, die heute in aller Munde sind. Dazu gehören etwa internationale Player wie WhatsApp, Instagram, Uber oder Air BnB. All diese Unternehmen wurden während der Finanzkrise 2008 gegründet und alle konnten sich mit ihren sehr unter­schiedlichen Geschäfts­modellen erfolgreich am Markt platzieren. Auch Zalando wurde 2008 geboren – und stand Ende 2019 auf Platz 3 der größten Online­händler in Deutschland, hinter Otto und Amazon.

3. Wie wahrscheinlich ist eine zweite Welle? Wenn sie kommt, wie wird sich das voraussichtlich auf meine Selbstständigkeit auswirken?

Experten sind sich sicher, dass eine zweite Welle erfolgen wird. Wann sie kommt und wie heftig sie wird, ist derzeit aber nicht klar. Doch wird sie sich aufgrund der bereits getroffenen Maßnahmen nicht so stark auf Alltag und Wirtschaft auswirken, wie die erste Welle. Selbst­ständige sollten sich dennoch vorbereiten und Maßnahmen für eine zweite Welle und einen eventuellen zweiten Lockdown vorbereiten. Das gilt vor allem für Gastronomen, die auch in der aktuell gelockerten Situation noch von starken Einschränkungen und Einkommens­verlusten betroffen sind. Viele Gastronomen haben gar nicht wieder­eröffnet, weil die Ausgaben die Einnahmen übersteigen. Selbst­ständige sollten also schon jetzt planen und rechnen, wie sie einen etwaigen zweiten Lockdown überstehen können.

Wie könnte eine zweite Welle aussehen? Zwei Szenarien.

Kompletter Lockdown

Kompletter Lockdown

Es kommt erneut zum kompletten Lockdown. Gastronomen, Dienst­leister und Einzel­händler müssen wieder schließen. Ihre Verluste sind nun noch höher, als ohnehin. Wer keine finanziellen Rücklagen mehr hat, muss nun vermutlich die Insolvenz anmelden. Deutschland verliert eine Vielzahl an kleinen Unternehmen, die Zahl der ALG1/2-Empfänger steigt rapide an. Die Wirtschaft wird sich lang nicht erholen.

Rückkehr zu Lockdown-Maßnahmen

Rückkehr zu Lockdown-Maßnahmen

Es kommt trotz einer erneuten Ansteckungs­welle nicht erneut zum kompletten Lockdown. Lediglich die Lockerungen der letzten Wochen und Monate werden zurück­genommen. Regional kommt bzw. kam es bereits zu einer Rückkehr zu Lockdown-Maßnahmen. Gastronomen, Dienst­leister und Einzel­händler dürfen ihre Geschäfte fortführen, müssen jedoch wieder mit weniger Kunden auskommen. Verluste ließen sich in keinem Fall vermeiden. Doch wer bereits sein Geschäfts­modell angepasst/erweitert hat, muss sich weniger Sorgen machen als jene, die bereits die erste Welle nur ausgesessen haben. Für solche Betriebe lassen sich Insolvenzen möglicher­weise nicht mehr verhindern.

4. Welche Vorsorge können Unternehmer und Selbst­ständige jetzt noch treffen?

5. Die Insolvenz ist unabdingbar – wie geht’s weiter?

Bis Ende September muss kein Unternehmer Insolvenz anmelden – es besteht also noch die Chance, sich so weit von der Krise zu erholen, dass es weitergehen kann. Aktuell rechnet man damit, dass die Zahl der Insolvenzen um etwa 20% steigen wird. Wenn es tatsächlich so weit kommt, hat man jedoch diverse Anlauf­stellen, die zur Seite stehen. Sollte die Insolvenz bereits absehbar sein, ist es wichtig, sich jetzt schon über alle Schritte informieren. Vorsicht ist in diesem Fall besser als Nachsicht. Die Schuldner­beratung ist eine gute Anlauf­stelle für alle wichtigen Infos: Schuldner­beratung

Weitere Informationen

6. Neustart wagen oder zurück in ein Angestellten­verhältnis?

Für Betroffene ist es schwierig, an der aktuellen Situation etwas Positives zu sehen. Insbesondere dann, wenn sie Insolvenz anmelden müssen und im schlimmsten Fall auch noch mit ihrem Privat­vermögen für offene Zahlungen gerade stehen müssen. Dennoch sollte man versuchen, nach vorne zu blicken.

Jetzt ist die Zeit, um berufliche (und private) Entscheidungen zu treffen und zu überdenken. Es ist Zeit, sich mehr auf sich selbst zu konzentrieren, etwas für die Gesundheit zu tun, sich fortzubilden oder Dinge zu tun, für die im regulären Alltag keine Zeit bleibt. Wer gut auf sich selbst achtet, kann mit neuer Kraft aus der Krise hervorgehen und vielleicht umso erfolgreicher wieder durchstarten. Und wer sich nicht traut, nochmal die Selbst­ständigkeit zu wagen, hat beste Chancen auf einen guten Job in einem Unternehmen – dass der/die ehem. Selbst­ständige sich selbst organisieren kann und viel Erfahrung in diversen Bereichen hat, spricht für ihn/sie. Und das sind Qualitäten, die in jedem Job wichtig sind! Egal, wie Sie sich entscheiden – zweifeln Sie niemals daran, dass Sie Ihren Weg finden und Ihre Erfahrungen Sie erst zu dem gemacht haben, was Sie heute sind.