Renterehepaar liegt auf Wiese und lächelt in die Kamera

Die betriebliche Altersvorsorge: Benefit für Ihre Mitarbeiter

Die Gesellschaft in Deutschland altert zusehends und der Staat kann den Rentenbedarf bei Weitem nicht mehr alleine stemmen. Daher bemühen sich viele, zur Basisversorgung zusätzliche Alternativen zu finden. Eine solche Alternative ist die betriebliche Altersvorsorge. Sie ist eine kapitalgedeckte Zusatzversicherung und vom Staat geförderte Form der Altersvorsorge, die Sie als Arbeitgeber für ihre Mitarbeiter einrichten können. Die wichtigsten Informationen hierzu finden Sie im nachfolgenden Artikel.

Wie funktioniert die betriebliche Altersvorsorge?

Die betriebliche Altersvorsorge (kurz: bAV) wird ausschließlich über Sie als Arbeitgeber abgewickelt und dient der sozialen Absicherung Ihres Arbeitnehmers und seiner Familie. Die bAV kann neben der Altersversorgung auch eine Invalidenversorgung sowie Hinterbliebenenversorgung beinhalten. Darüber hinaus ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge möglich.

Die bAV kann entweder durch Sie als Arbeitgeber, beispielsweise als Sozialleistung, durch Ihren Arbeitnehmer selbst (Entgeltumwandlung) oder durch beide Parteien finanziert werden.

Prinzip der Entgeltumwandlung

Jeder Ihrer Mitarbeiter, der gesetzlich rentenversicherungspflichtig ist – egal ob Teilzeit oder Vollzeit, mit befristetem oder unbefristetem Vertrag – hat nach § 1a BetrAVG (Betriebsrentengesetz) das Recht auf die sogenannte Entgeltumwandlung. Sprich, wenn Ihr Mitarbeiter es wünscht, sind Sie dazu verpflichtet, einen Teil seines Bruttoeinkommens direkt für die betriebliche Altersvorsorge zu nutzen.

Die fünf Durchführungswege der betrieblichen Altersvorsorge

1974 wurde das Gesetz zur Verbesserung der betrieblichen Altersversorgung – kurz BetrAVG – verabschiedet. Darin sind fünf zulässige Durchführungswege aufgeführt, die als Möglichkeiten für die betriebliche Altersvorsorge anerkannt sind. 

Für kleinere oder mittlere Unternehmen eignet sich vor allem der erste Durchführungsweg. Die Wege zwei bis fünf werden der Vollständigkeit halber erklärt (Anm. der Redaktion).

1. Direktversicherung: Hier handelt es sich um eine bestimmte Form der Rentenversicherung, die nach Ablauf auch komplett in einer Summe ausgezahlt werden kann. Die Beiträge werden entweder vom Arbeitgeber allein, also von Ihnen, Ihrem Mitarbeiter im Zuge der Entgeltumwandlung oder von Ihnen beiden zu gleichen oder unterschiedlichen Teilen beglichen. Dieser Durchführungsweg eignet sich vor allem deshalb für Sie als kleines oder mittleres Unternehmen, da nur ein geringer Verwaltungsaufwand auf Sie zukommt.

2. Pensionskasse: Die Pensionskasse ist eine Einrichtung zur Altersvorsorge für die Mitarbeiter Ihres Unternehmens. Diese kann als Betriebspensionskasse (ein Unternehmen), Konzernpensionskasse (mehrere Unternehmen eines Konzerns) oder Gruppenpensionskasse (mehrere Unternehmen aus verschiedenen Wirtschaftsbereichen) geführt werden. Wie auch bei der Direktversicherung werden die Kosten dafür entweder von Ihnen als Arbeitgeber beziehungsweise von Ihrem Mitarbeiter allein oder von beiden zusammen getragen.

3. Pensionsfonds: Dabei handelt es sich um eine versicherungsähnliche und rechtlich unabhängige Versorgungseinrichtung. Mit Pensionsfonds sind höhere Renditen möglich. Diese sind jedoch auch mit höheren Risiken verbunden. Auch hier liegt die Kostenübernahme entweder bei Ihnen als Arbeitgeber beziehungsweise Ihrem Arbeitnehmer allein oder werden von beiden geteilt.

4. Unterstützungskasse: Die Unterstützungskasse ist eine rechtlich eigenständige Versorgungsreinrichtung – in der Regel ein eingetragener Verein. Kongruent rückgedeckte Unterstützungskassen eignen sich für Ihre eigene Versorgung als Geschäftsführer sowie von Ihren Gesellschafter-Geschäftsführern und Führungskräften, da hier höhere Versorgungsleistungen abgebildet werden können.

5. Pensionszusage/Direktzusage mit Rückstellung: Im Fall einer Pensions- oder Direktzusage verpflichten Sie sich als Arbeitgeber, dass Sie Ihren Mitarbeitern eine Betriebsrente zahlen. Das Modell der Pensionszusage durch Entgeltumwandlung (Deferred Compensation) eignet sich für Ihre Fach- und Führungskräfte, die Sonderzahlungen wie beispielsweise Boni oder Tantiemen steuerbegünstigt und flexibel in eine betriebliche Altersvorsorge einbringen möchten. Wird die Pensionszusage vollständig kongruent rückgedeckt und an den Versorgungsberechtigten verpfändet, kann sie diese in der Handelsbilanz „auf null“ saldieren. Der Ausweis ist dabei nicht notwendig.

Hinweis von unseren Experten in Grün

“Kongruent” bedeutet, dass Sie den Betrag rückversichern, den Sie Ihrem Mitarbeiter zugesagt haben. Das bedeutet, Sie beauftragen ein externes Versicherungsunternehmen mit der Erfüllung der Vorsorgeleistung. Es gibt auch die Möglichkeit einer “partiellen” Rückversicherung - hier wird nur ein Teil des Gesamtbetrages rückversichert.

Die einzelnen Wege sind sehr unterschiedlich und nicht jeder Weg ist für jede Situation gleich gut geeignet. Denken Sie darüber nach, für Ihr Unternehmen eine betriebliche Altersvorsorge einzurichten? Dann ist es empfehlenswert, einen Experten um Rat zu fragen, der Ihre individuelle Situation kompetent analysiert und den richtigen Durchführungsweg für Ihr Unternehmen findet.

Sonderfall: Gesellschafter-Geschäftsführer-Versorgung
Gesellschafter-Geschäftsführer (GGF) stellen einen Sonderfall dar, denn sie sind gleichzeitig Arbeitgeber (Gesellschafter) und Arbeitnehmer (Geschäftsführer). Beschäftigt ein Unternehmen einen Geschäftsführer, hat er nur geringe bis gar keine Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Damit er im Alter nicht mit Versorgungslücken konfrontiert ist, kann auch er als (angestellter) Gesellschafter die steuerbegünstigte, betriebliche Altersvorsorge in Anspruch nehmen.

Die betriebliche Altersvorsorge: Ihre Vorteile als Arbeitgeber

Die betriebliche Altersvorsorge bringt viele Vorteile mit sich und das nicht nur für Ihre Mitarbeiter. Auch Sie als Arbeitgeber können profitieren, wenn Sie eine betriebliche Altersvorsorge einrichten:

Mitarbeiterbindung und Mitarbeitermotivation: Die Attraktivität Ihres Betriebs auf dem Arbeitsmarkt steigt, da Sie eine soziale Verantwortung gegenüber Ihren Mitarbeitern zeigen.

Steuerersparnis und Senkung der Lohnnebenkosten: Ihre Ausgaben für die betriebliche Altersvorsorge können Sie als Betriebsausgaben verbuchen. Wenn Ihr Mitarbeiter eine Entgeltumwandlung in Anspruch nimmt, können Sie bis zu 20 Prozent der Lohnnebenkosten sparen. Hierbei gilt ein Höchstbeitrag von 6.240 Euro jährlich, der pro Mitarbeiter steuer- und sozialabgabenfrei in die betriebliche Altersvorsorge investiert und zur Senkung der Lohnnebenkosten verwendet werden kann (Stand 2018).

Gut zu wissen in Grün

Gesetzliche Änderungen der bAV ab 2019

Sparen Sie als Arbeitgeber durch die baV Sozialversicherungsbeiträge, sind Sie ab 2019 dazu verpflichtet, den gesparten Arbeitgeberanteil pauschal (also: 15 Prozent des Umwandlungsbeitrags) zugunsten Ihres Mitarbeiters an die durchführende Versorgungseinrichtung zu zahlen. Der Zeitpunkt, an dem die Entgeltumwandlungsvereinbarung abgeschlossen wurde, ist ausschlaggebend dafür, ab wann Sie die Gesetzesänderung betrifft. Bei bereits bestehende Vereinbarungen müssen Sie den Zuschuss erst ab 2022 zahlen. Betroffen sind die Durchführungswege Pensionskasse, Pensionsfonds und Direktversicherung.

Autorin: Cynthia Henrich, Stand 15.02.2018