"Im Kollektiv hat man mehr Power": Die Gründerin Leonie Stade im Interview

Warum mit dem Gründen bis nach dem Studium warten? Das hat sich auch Leonie Stade gedacht und sich bereits als Studentin mit einer eigenen Produktionsfirma selbstständig gemacht. In unserer Interviewreihe „Nie wieder Selbstständigkeit?!“ erzählt sie uns, warum sie das Arbeiten in einem Kollektiv so bereichert und welche Pläne sie als Filmemacherin für die Zukunft hat.

Finanzchef24: Frau Stade, Sie haben sich 2013 als Produzentin und Regisseurin mit einer eigenen Produktionsfirma selbstständig gemacht. Damals waren Sie noch mitten im Studium an der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) in München. Wie kam es dazu?

Leonie Stade: An der HFF realisiert man bereits während seines Studiums diverse Filme. Viele davon entstehen bereits in Koproduktion mit Fernsehsendern, werden auf Festivals gezeigt oder erhalten kleine Kinoauswertungen. Mit einer eigenen Produktionsfirma hat man so schon während des Studiums die Möglichkeit, nicht nur Regisseur sondern auch Produzent zu sein. Man trägt natürlich dadurch gleich viel mehr Verantwortung, hat allerdings mehr Rechte an seinem eigenen Film. Zudem war es für uns gerade im Dokumentarfilmbereich oft schwer, Produktionsstudenten zu finden, die unsere Filme realisieren. Darum haben wir uns zusammengeschlossen, um selbst dazu die Möglichkeit zu haben. 

Finanzchef24: Welche Vorteile hat es, schon während dem Studium zu gründen, und welche Hürden mussten Sie wiederum gerade am Anfang meistern?

Leonie Stade: Man lernt schon sehr früh unglaublich viel über das Filmemachen, die Branche und den Markt. Man versucht Gelder für den Film zu organisieren, verhandelt Verträge mit Koproduktionspartnern und überlegt sich Marketingstrategien. Klar hat man natürlich viel Druck, aber gleichzeitig genießt man noch ein wenig Schutz, da man eben noch Student ist und kann sich an das Thema heranwagen und lernen. 

Finanzchef24: Ihre Produktionsfirma führen Sie gemeinsam mit zwei weiteren Geschäftspartnern. Was ist das A und O für eine erfolgreiche Kommunikation und Arbeitsteilung? Wie organisieren Sie sich? 

Leonie Stade: Es ist wichtig, dass man sich immer austauscht und die Ziele miteinander festlegt. Wenn wir gerade in einer Produktion stecken, sind wir oft ununterbrochen im Austausch. Diese Arbeit ist sehr intensiv. Ist der Film fertig, entstehen dafür aber kleine Pausen, in denen jeder Kraft und Ideen für das nächste Projekt sammeln kann. 

Finanzchef24: Wie findet man heraus, wer ein passender Partner für eine Gründung ist? Hätten Sie Ihre Firma rückblickend auch mit anderen Personen oder sogar alleine gegründet? 

Leonie Stade: Meine Partner und ich waren immer der Ansicht, dass Filme machen im Kollektiv leichter und schöner ist. Jeder Film ist immer wieder eine große Herausforderung. Zwischen Ideen, Drehbuch, Finanzierung, Dreh, Postproduktion und Vermarktung eines Films liegen oft mehrere Jahre. Nicht jeder Film schafft es, gedreht zu werden. Da braucht man einen langen Atem und Kraft. Im Kollektiv hat man mehr Power, ist ideenreicher und mehr Projekte können angestossen werden. 

Finanzchef24: Die Filmbranche wirkt für viele von außen wie eine schillernde glamouröse Welt, ist aber eigentlich ein knallhartes und dynamisches Business. Was muss man unbedingt mitbringen, um in der Filmbranche als Unternehmer erfolgreich zu sein?

Leonie Stade: Ich denke das Wichtigste ist Durchhaltevermögen und Leidenschaft für den Film.

Finanzchef24: Als Produzentin halten Sie - von der ersten bis zur letzten Stunde einer Filmproduktion - die organisatorischen und finanziellen Strippen in der Hand. Was ist der Worst Case bei einer laufenden Filmproduktion und wie sichern Sie sich dagegen ab?

Leonie Stade: Filme machen ist immer mit Risiken verbunden. Bereits angedrehte Motive fallen weg, Schauspieler sagen ab oder werden krank, das Wetter spielt nicht mit … . Glücklicherweise gibt es für die meisten Fälle gute Versicherungen. Wie der Film aber beim Publikum ankommt und ob er Erfolg hat oder nicht, ist natürlich in der Regel nicht kalkulierbar und dadurch immer wieder spannend.

Finanzchef24: Sie haben mit Ihren Dokumentarfilmen, wie zum Beispiel über Gustl Mollath, bereits für viel Aufmerksamkeit gesorgt und zahlreiche positive Kritiken erhalten. Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg und was möchten Sie als Unternehmerin und Filmemacherin in Zukunft noch erreichen?

Leonie Stade: Als Filmemacherin möchte ich natürlich weitere Filme machen können, d. h. die Möglichkeit haben, dass meine Filme realisiert und finanziert werden. Wenn man an die Budget-Größenordnungen in der Filmindustrie denkt, ist dies nicht immer leicht. Erfolg ist mir persönlich nicht so wichtig, aber er ist gut, um gesehen zu werden und um die Chance zu bekommen, weiterzumachen, den nächsten Film zu realisieren.

Finanzchef24: Liebe Frau Stade, wir danken Ihnen für das interessante Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg mit Ihrer Filmproduktion.

Möchten auch Sie uns Ihre Gründungsgeschichte erzählen? Dann melden Sie sich einfach bei uns unter: marketing@financhef24.de. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht!

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Kurzprofil Man on Mars

Man on Mars ist eine junge Filmproduktionsfirma mit Sitz in München und Berlin. Das Unternehmen hat sich auf die Produktion hochwertiger Dokumentarfilme sowie Reportagen und Imagefilme spezialisiert. Es verfügt über ein kreatives Netzwerk an Autoren und Kameraleuten.

Leonie Stade von Man on Mars

Grüder-Steckbrief

Name: Leonie Stade

Gründungsalter: 25

Selbstständig als: Filmproduzentin

Standort: München & Berlin

Rechtsform: GbR