"Die Europäer haben die Uhr, wir haben die Zeit": Gründerin Katharina Mutagwaba im Interview

Katharina und Allan Mutagwaba sind davon überzeugt, dass man auch ein erfolgreiches Unternehmen führen kann, ohne sich damit an Dritten zu bereichern. Als Kaffeeimporteure achten sie darauf, dass alle Teilnehmer der Wertschöpfungskette gerecht verdienen und unterstützen damit nachhaltig Kaffeebauern in Tansania. Ihr Kaffee, den sie über einen eigenen Online-Shop vertreiben, ist mittlerweile so beliebt, dass sie im September 2018 auch ein eigenes Café in Augsburg eröffnet haben. In unserer Interviewreihe „Nie wieder Selbstständigkeit?!“, erzählt uns Katharina Mutagwaba, worauf man besonders achten muss, wenn man ein eigenes Café eröffnet und was sie sich als Unternehmerin von der Unternehmenskultur in Tansania abgeschaut hat.

Finanzchef24: Frau Mutagwaba, Sie betreiben seit 2016 gemeinsam mit Ihrem Mann einen Online-Shop für Kaffee, in dem Sie regionale Spezialitäten aus Tansania, der Heimat Ihres Mannes, anbieten. Wie kam es zu dieser Geschäftsidee?

Katharina Mutagwaba: Schon als ich meinen Mann kennengelernt habe, wollte er immer etwas machen, mit dem er seine Heimat Tansania unterstützen kann. Irgendwann hatte er im Radio gehört, dass die Deutschen viel Kaffee trinken und als uns dann noch eine Bekannte im Urlaub von Kaffee aus Tansania vorschwärmte, hat Allan sich zurückerinnert, dass er ja aus einer Kaffeeregion kommt. Seine Familie hatte früher eigene Kaffeefelder und er bei der Ernte geholfen. Da man aber mit Kaffee zu wenig Geld verdient hat, musste seine Familie dieses Geschäft leider aufgegeben. Umso motivierter waren wir, wieder Kontakt zu Kaffeebauern aus seinem Heimatdorf aufzunehmen und von dort Kaffee zu kaufen.

Finanzchef24: Sowohl Sie als auch Ihr Mann haben ein Studium mit BWL-Schwerpunkt absolviert. Hatten Sie schon immer den Wunsch, sich selbstständig zu machen?  

Katharina Mutagwaba: Für Allan war es schon immer klar, dass er sich irgendwann selbstständig machen möchte. Ich habe erst eine Weile gebraucht, um mich mit der Idee anzufreunden, da mein Vater selbstständig ist und ich das immer mit finanziellen Engpässen verbunden habe. Während verschiedener Praktika und Werkstudententätigkeiten, die ich im Laufe meiner Studienzeit absolviert habe, stellte ich aber schnell fest, dass ich gern abwechslungsreiche Aufgaben habe. Nach und nach war ich immer motivierter auch Vollzeit an unserem ganz eigenen Projekt zu arbeiten und Stück für Stück durch unsere Ideen etwas in der Welt zu verändern.

Finanzchef24: Mit Ihrem Geschäftsmodell setzen Sie auf eine faire Bezahlung der Kaffeebauern vor Ort und fördern somit die Entwicklung der Region um den Mount Meru, wo der Kaffee angebaut wird. Warum war Ihnen der soziale Aspekt bei der Gründung so wichtig?

Katharina Mutagwaba: Allan kennt die schlechten finanziellen Bedingungen, unter welchen Bauern in Tansania sowie auch in anderen Ländern versuchen ihren Lebensunterhalt zu meistern. Auf der anderen Seite sehen wir, für welche Preise Kaffee in der westlichen Welt konsumiert wird. Für uns stand von vorneherein fest, dass es in der Wirtschaft nicht allein darum gehen darf, seinen eigenen Gewinn um jeden Preis zu steigern. Denn nur wenn alle Teilnehmer der Wertschöpfungskette gerecht verdienen, können auf lange Sicht mehr Menschen von ihrer Arbeit leben. Wir wollen nicht auf Kosten von anderen reich werden. Wir haben mehr davon, wenn wir auf einen Teil verzichten, um damit die Existenz der Bauerfamilien zu sichern. Außerdem sind wir der Meinung, dass faire Wirtschaftsbeziehungen in Tansania mehr zur Entwicklung des Landes beitragen, als nur geschenkte Entwicklungshilfe.

Finanzchef24: Würden Sie sagen, dass Geschäftsmodelle mit einem stärkeren Fokus auf soziale Faktoren schwieriger umzusetzen sind? Was war die größte Hürde bei der Realisierung Ihrer Idee?

Katharina Mutagwaba: Ich glaube nicht, dass sie schwieriger umzusetzen sind. Man muss aber eine Grundsatzentscheidung treffen und daran festhalten, um nicht vom anfänglichen Konzept abzukommen. In unserer Wirtschaft geht es oft darum, Kosten zu senken, um Gewinne zu steigern. Ich habe oft gemerkt, dass es nicht immer einfach ist, nicht zu verhandeln oder einen Mengenrabatt zu erfragen, wenn wir mehr Rohkaffee einkaufen. Vor allem weil unsere Kaffees teilweise um einiges teurer sind als der Standard-Industriekaffee. Das ist immer wieder eine Herausforderung: Wettbewerbsfähig zu sein trotz des hohen Preises, bzw. dem Kunden die Hintergründe unserer Preise und unseres Projekts zu vermitteln. 

Finanzchef24: Als Sie Ihren Online-Shop eröffneten, haben Sie selbst noch studiert und Ihr Mann war in einem Unternehmen angestellt. Wie haben Sie sich in dieser Zeit organisiert, um alles unter einen Hut zu bringen?

Katharina Mutagwaba: Ich denke, das Entscheidende war, dass wir unsere Idee zu unserem gemeinsamen Hobby gemacht haben. Wir haben beim gemeinsamen Abendessen diskutiert und über die Umsetzung nachgedacht. Am Wochenende haben wir an unserer Website, den Flyern oder Ähnlichem gearbeitet und Urlaub genommen, um ein paar Tage auf die ein oder andere Fair-Handelsmesse zu fahren. Und natürlich ging immer nur so viel, wie zeitlich möglich war. Einiges hat mehr Zeit gebraucht, aber damit muss man sich abfinden, wenn man nebenbei eine Idee verwirklicht. 

Finanzchef24: Mittlerweile haben Sie sich einen festen Kundenstamm über Ihren Online-Shop aufgebaut. Wie haben Sie es geschafft, Kaffeeliebhaber in Deutschland auf sich aufmerksam zu machen? Was ist Ihr wertvollster Marketing-Tipp für Neu-Gründer?  

Katharina Mutagwaba: Unser wertvollster Tipp ist, persönlich aufzutreten und eine eigene Geschichte zu seinem Produkt zu erzählen, denn der Unternehmer hinter einem Produkt ist immer das, was einzigartig ist. Wir waren auf einigen Messen und Veranstaltungen unterwegs, um mit potentiellen Kunden ins Gespräch zu kommen. Dadurch konnten wir nicht nur unser Unternehmen vorstellen, sondern auch die Reaktion der Leute als direktes Feedback mitnehmen.

Finanzchef24: Worauf sollte man achten, wenn man sich entscheidet, gemeinsam mit dem Partner zu gründen? Wie teilen Sie sich die Aufgaben auf und wie ist es, wenn der eigene Ehemann gleichzeitig auch der Geschäftspartner ist?

Katharina Mutagwaba: Gute Frage! Die Chemie muss stimmen und es muss beiden Freude machen, zusammen etwas zu verwirklichen, also auch geschäftlich! Unser Unternehmen ist nicht nur unser Job, sondern eine echte Herzensangelegenheit von uns beiden. Wichtig ist immer wieder, sich über alle Gedanken, die man hat, auszutauschen. Egal ob es neue Ideen sind, auch wenn sie noch so verrückt zu sein scheinen, oder Zweifel darüber, ob und wie sich das Geschäft weiterentwickeln wird. Die Aufgaben verteilen wir hauptsächlich nach unseren Stärken und nach dem, was jeder gerne macht. Es ist aber immer hilfreich, den anderen nochmal draufschauen zu lassen. Wie man so schön sagt: Vier Augen sehen mehr als Zwei!

Finanazchef24: Ihr Unternehmen wächst kontinuierlich seit der Gründung: Ihr Mann hat sich bereits 2017 als Kaffee-Importeuer selbstständig gemacht und gerade eröffnen Sie in Augsburg auch Ihr erstes Café. Das Herzstück davon bildet dabei Ihre eigene Röstmaschine. Zusammen mit der gesamten Einrichtung war das sicherlich keine günstige Anschaffung. Wie haben Sie Ihre Pläne finanziert?

Katharina Mutagwaba: Wir haben diesen, für uns sehr großen Entwicklungsschritt, mit einem Gründerkredit der LfA Förderbank finanziert.

Finanzchef24: Will man ein eigenes Café eröffnen, spielt dabei der Standort eine wesentliche Rolle. Wie sind Sie bei der Suche nach dem richtigen Lokal vorgegangen? Haben Sie rückblickend einen Rat, worauf man besonders achten sollte?

Katharina Mutagwaba: Wir wollten ein Ladengeschäft, das im Zentrum von Augsburg liegt. Die Mieten sind in der Fußgängerzone jedoch sehr teuer. Am Ende war neben dem Verhältnis Lage vs. Miete auch die Räumlichkeiten an sich entscheidend. Unser Café ist im Erdgeschoss eines Hauses, das bereits im 16. Jhd. bekannt war. Der Raum ist ein Gewölbe und bringt unsere Besucher immer wieder zum Staunen. Er ist optisch einfach besonders, was für die Resonanz auch entscheidend sein kann. Mein Rat für die Wahl des richtigen Standorts ist, dass man die Ladenmiete auf keinen Fall unterschätzen sollte. Man muss sich gut überlegen, ob die Miete in einer bestimmten Lage finanziell gut zu stemmen ist, oder nicht. Ob die Räumlichkeiten in der Fußgängerzone mit viel Laufkundschaft, dafür aber höherer Miete besser sind oder die günstigeren eine Straße weiter, wofür dann aber zusätzliche Werbemaßnahmen nötig sind, muss man je nach Geschäftsidee und Produkt entscheiden.

Finanzchef24: Worin sehen Sie das größte Risiko für Ihr Unternehmen im Allgemeinen und wie sichern Sie sich dagegen ab? Auf welche Versicherungen setzten Sie ganz speziell bei der Absicherung Ihres neu eröffneten Cafés?

Katharina Mutagwaba: Unser größtes Risiko liegt im Rohkaffee - die Ware, die wir einkaufen - da diese von den Kaffeefeldern bis zu uns einen langen Weg zurück legt. Die Qualität muss stimmen und die Ware vollständig bei uns ankommen. Um dies sicherzustellen, stehen wir in stetigem Kontakt mit den Bauern in Tansania, besuchen sie regelmäßig und bemühen uns darum, bei allen beteiligten Akteuren wie z. B. Exportdienstleistern und Logistikern einen direkten Ansprechpartner zu haben. Für unser Café haben wir eine Betriebshaftpflicht- und eine Inhaltsversicherung (für die Maschinen) abgeschlossen.

Finanzchef24: Mit Ihrem Unternehmen schlagen Sie eine Brücke zwischen Tansania und Deutschland. Wie unterscheidet sich das Unternehmersein zwischen den beiden Ländern? Gibt es vielleicht etwas, was Sie sich von der tansanischen Unternehmenskultur abgeschaut haben? 

Katharina Mutagwaba: In Deutschland hat man keine Zeit übrig. Wir sind gewohnt, dass alles komplett durchgeplant und möglichst kein Risiko vorhanden ist. Von der Kultur in Tansania können wir uns abschauen, dass wir den Mut haben auch etwas zu starten, ohne den Verlauf zu kennen und dafür mit mehr Geduld an die Sache rangehen. Manchmal läuft es nicht so wie gehofft, aber weiter geht es trotzdem immer. Ein afrikanisches Sprichwort lautet: „Die Europäer haben die Uhr, wir haben die Zeit.“

Finanzchef24: Und würden Sie trotzdem nochmal gründen, auch wenn die Uhren hier in Deutschland etwas schneller ticken?

Katharina Mutagwaba: Ja, das würde ich. Ich mag es abwechslungsreich und genau das macht mir die Selbstständigkeit möglich. Natürlich gibt es Dinge, die zu bestimmten Zeiten getan werden müssen, aber generell hat man es eben selbst in der Hand, was man machen möchte. Habe ich eine Idee, kann ich sie einfach umsetzen, ohne mich durch zig Hierarchien durchkämpfen zu müssen, um ein "OK" zu bekommen. Und ich sehe auch direkt, ob meine Idee das erzielt, was sie soll oder nicht. Diese Freiheit macht den Arbeitsalltag dynamisch und gibt mir das Gefühl der grenzenlosen Möglichkeiten.

Finanzchef24: Frau Mutagwaba, wir danken Ihnen sehr für das interessante Gespräch.

Möchten auch Sie uns Ihre Gründungsgeschichte erzählen? Dann melden Sie sich einfach bei uns unter: marketing@financhef24.de. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht!

Logo MAK Afrika

Kurzprofil MAK Afrika

MAK Afrika steht für direkten und fairen Handel. Katharina und ihr Mann Allan Mutagwaba pflegen einen direkten Kontakt mit den Kaffeebauern in der Region Meru in Tansania. Ihnen ist wichtig, dass für jedes Kilo Kaffee ein fairer Preis bezahlt wird und dass in die Tassen der Kunden Kaffee kommt, der echt ist. Bei Mak Afrika werden verschiedenste Röstungen für jeden Geschmack angeboten - aber immer mit einer exotischen Note und aus 100% nachhaltigem Anbau!

Profilbild der Gründer von MAK Arfika

Gründer-Steckbrief

Name: Katharina Mutagwaba

Gründungsalter: 23

Selbstständig als: Gastronomin 

Standort: Augsburg

Rechtsform: GbR