Pfeiler: Selbstständig oder angestellt

"Glück kann man mit Geld nicht kaufen!" Der Gründer Florian Simeth im Interview

Der Schritt in die Selbstständigkeit ist kein leichter. Oder doch? In unserer „Interviewreihe: Nie wieder Selbstständigkeit?!“ erzählt der Fotograf Florian Simeth, wie er sich selbstständig gemacht hat und warum es die beste Entscheidung seines Lebens war.

Finanzchef24: Herr Simeth, Sie haben sich zunächst nebenberuflich selbstständig gemacht. Was war hier Ihre Motivation?

Florian Simeth: Es war schon immer mein Traum, mich hauptberuflich mit PCs zu beschäftigen. Aber nach drei Jahren in der IT-Branche sah meine Realität so aus, dass ich mich täglich um Probleme anderer kümmern musste, die ich nicht mal selbst verursacht habe. Durch mein damaliges Hobby – dem Motorradfahren – bin ich auf die Fotografie gestoßen. Bereits nach kurzer Zeit entwickelte sich daraus eine Leidenschaft. Das Feedback war überraschend gut und bald wollten die Leute sogar dafür bezahlen, dass ich sie fotografiere. Nach Rücksprache mit meinem damaligen Arbeitgeber meldete ich ein eigenes Nebengewerbe an, um nebenberuflich Aufträge annehmen zu können. Er stimmte erfreulicherweise sofort zu. Auch Räumlichkeiten, um ein Fotostudio zu eröffnen, waren relativ schnell gefunden. Ich suchte damals über die gängigen Internetplattformen wie Immobilienscout und Co. Nach circa 5 Monaten wurde ich fündig und unterschrieb den Mietvertrag für das eigene Fotostudio.

Finanzchef24: Fiel es Ihnen schwer, Ihren festen Job komplett aufzugeben?

Florian Simeth: Nachdem ich bereits sechs Monate nebenberuflich ein Fotostudio besaß und nur noch aus der IT-Branche fliehen wollte, war der Entschluss recht spontan und einfach gefasst. Das Fotostudio war zu diesem Zeitpunkt bereits gut ausgestattet und der Workflow für die Shootings bereits optimiert. Der einzige Unterschied bestand eigentlich nur darin, dass ich künftig nicht mehr als Angestellter in die Arbeit gehen, sondern mich als Selbstständiger voll und ganz meiner Leidenschaft widmen würde. Ich sagte damals zu mir: Selbst wenn ich das Doppelte arbeiten müsste und mir am Ende vom Monat nur 50 Euro zum Leben bleiben würden, ich dafür aber einen Job hätte, der mir Spaß macht und mich erfüllt, dann ist das der Luxus, den ich mir gönnen möchte. Glück kann man mit Geld nicht kaufen. Darum änderte ich das, was mich an meinem Leben belastete und schlug eine neue Richtung ein.

Finanzchef24: Wie haben Sie sich zu Beginn Ihrer Vollzeit-Selbstständigkeit finanziert?

Florian Simeth: Als ich meinen Job gekündigt hatte, um alles für meine geplante Vollzeit-Selbstständigkeit organisieren zu können, erfuhr ich bei Recherchen vom Gründerzuschuss. Diesen erhalten Arbeitslose, die sich selbstständig machen. Hierfür mussten dann solche Sachen wie ein Businessplan und eine Mitgliedschaft bei der Handwerkskammer vorgelegt werden. Alles ging überraschend schnell und reibungslos. Von dem Einreichen bis zur Genehmigung sind lediglich 4-6 Wochen vergangen. Als der Gründerzuschuss genehmigt wurde, machte sich ein Gefühl der Entspannung breit. Ich wusste, dass ich jetzt fast ein Jahr habe, in dem nahezu alle Unkosten gedeckt sind und ich mir keine großartigen Sorgen machen oder Existenzängste haben muss. Zugegeben, das war schon toll.

Finanzchef24: Mit welchen Herausforderungen sehen Sie sich täglich konfrontiert?

Florian Simeth: Viele Kunden denken Fotograf ist gleich Fotograf. Man kennt entweder die Fotografen, die im Fernsehen auftreten oder für große Werbekampagnen fotografieren oder die im Fotostudio ums Eck, wo man ins Schaufenster blickt und denkt: Ja, das Portfolio ist aus den 70er Jahren. Genau hier möchte ich ansetzen und moderne, zeitgemäße Bilder zu fairen Preisen bieten. Kunden kommen zum Fotografen und möchten Bilder erstellen lassen. Ich weiß aber, dass es nicht nur die Bilder sind, die zählen. Es geht auch um ein gewisses Erlebnis. Und das soll so positiv wie möglich ausfallen. Hier investiere ich mit Freuden auch mal mehr Zeit in meine Kunden, um ihnen genau das zu bieten. Ich tue alles in meiner Macht stehende, damit mein Kunde hinterher zufrieden ist. Das ist nicht immer einfach. Aber die glücklichen Gesichter der Kunden, wenn sie ihre Bilder dann am Ende des Fotoshootings sehen und sich darauf gefallen, sind es auf alle Fälle wert.

Finanzchef24: Gibt es Höhen und Tiefen in Ihrem Beruf und wie gehen Sie damit um?

Florian Simeth: In der Selbstständigkeit gibt es immer Höhen und Tiefen. Als Höhen sehe ich alle freien Projekte, bei denen ich meiner Kreativität freien Lauf lassen kann. Egal, ob es tolle Shootingreisen sind oder Beautyfotos mit extremen Make-ups. Zu diesen schreibe ich zusätzlich immer separate Einträge in meinem Blog auf FS Photography Tiefen gibt es natürlich auch. Hierbei handelt sich oft um Projekte oder Angebote, die man für Kunden mit Mühe ausgearbeitet hat und die am Ende des Tages nicht angenommen werden, weil einige Kunden mein Studio eben für ein normales Fotostudio um die Ecke halten. Zum Glück ist es aber in den Regel so, dass die Kunden, die zu mir kommen, meine Leidenschaft für Fotografie spüren und mir und meiner Arbeit schnell vertrauen. Sie merken, dass ihre Wünsche ernst genommen werden und fühlen sich toll beraten. Viele bedanken sich hinterher oft nochmal per Mail für das Fotoshooting. Das gibt wieder viel Kraft für die nächsten Projekte.

Finanzchef24: Welche Gewerbeversicherungen haben Sie abgeschlossen für Ihr Business und welches Risiko fürchten Sie am meisten?

Florian Simeth: Ich habe eine Elektronikversicherung und eine Betriebshaftpflicht. Wenn ich mir vorstelle, dass hier im Studio ein Kunde stolpert und sich zum Beispiel den Arm bricht, ist das schon schlimm genug. Und wenn ich als Unternehmer persönlich dafür belangt werde, ist das zusätzlich noch ein finanzieller Albtraum. Eine Betriebshaftpflicht lässt mich einfach ruhiger schlafen. Ebenso verhält es mit der ganzen Technik. Sie ist die Basis meines Geschäfts und dass sie funktioniert, essentiell. Wenn die Kamera runterfällt oder gestohlen wird, brauche ich umgehend neues Equipment. Die Elektronikversicherung gibt mir einfach die Sicherheit, diesbezüglich abgesichert zu sein und ich kann mich um andere Dinge kümmern.

Finanzchef24: Würden Sie sich heute nochmal selbstständig machen?

Florian Simeth: Ich war mit 26 Jahren recht jung, als ich den Entschluss fasste, mich selbstständig zu machen. Mein privates Umfeld war zum Teil erstaunt, dass ich so einen Schritt wage, zum anderen auch etwas skeptisch, da es bereits gute Fotografen in München gibt. Aber ich habe als Schüler schon immer meine Nebenjobs gehabt, auch neben der Ausbildung. So habe ich über die Jahre zahlreiche Betriebe, Branchen und Tätigkeiten kennengelernt. Mir ist sehr früh klar geworden, dass die Jobs, die mir Spaß machen, mich nicht weiter bringen und die Jobs, die mich weiter bringen, mir keinen Spaß machen. Mit der Selbstständigkeit kann ich mich als Mensch selbst entfalten. Ich habe das Gefühl, hier nicht nur eine Nummer in einer Firma zu sein, sondern bekomme viel Wertschätzung für meine Arbeit. Was meinen Betrieb betrifft, ist keine großartige Diplomatie oder Bürokratie notwendig. Wenn ich Lust auf eine neue Kamera habe, dann gehe ich los und kaufe sie. Wenn ich meine Preise ändern muss, dann ändere ich sie. Das ist in den meisten Betrieben anders: Etliche gute Ideen werden abgelehnt, obwohl sie den Arbeitsprozess beschleunigen würden. Und wenn mal nichts zu tun ist, kann ich auch daheim bleiben und die freie Zeit für mich genießen, anstatt, wie andere, in der Arbeit zu sitzen und „Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen“ auszuführen. Auch die Erfüllung meiner Wünsche im Rahmen der Selbstständigkeit - wie der Ausbau meines Fotostudios, die freie Entwicklung der eigenen Kreativität und mein eigener Chef sein - sind rückwirkend betrachtet die Gründe, warum ich diesen Schritt bis heute nicht bereut habe. Also ja, ich würde es genauso wieder tun.

Finanzchef24: Herr Simeth, wir danken Ihnen für das Interview und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg!

Möchten auch Sie uns Ihre Gründungsgeschichte erzählen? Dann melden Sie sich einfach bei uns unter: marketing@financhef24.de. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht!

Fotostudio von Fotograf Florian Simeth

Kurzprofil Florian Simeth

Florian Simeth ist Fotograf aus Leidenschaft und führt in München sein eigenes Fotostudio FS Photography. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht immer die Persönlichkeit des Menschen vor der Kamera – egal ob bei individuellen Portraitbildern und Familienaufnahmen, Hochzeitsfotos oder Fashionshootings.

Fotograf Forian Simeth

Gründer-Steckbrief

Name: Florian Simeth

Gründungsalter: 26

Selbstständig als: Fotograf

Standort: München

Rechtsform: Einzelunternehmer

Website: Florian Simeth Photography