Schilder zeigen Richtung "Selbstständigkeit"

"Einfach so kündigen ist nicht so leicht." Die Gründerin Dunja Schenk im Interview

Ein sicherer Job, ein gutes Gehalt und eine betriebliche Altersvorsorge – die berufliche Komfortzone zu verlassen ist oft gar nicht einfach. Auch wenn diese der eigentlichen Leidenschaft oftmals im Weg steht. Die Gründerin Dunja Schenk hat sich Schritt für Schritt an die Selbstständigkeit herangetastet, bis sie komplett als Coach und Trainerin durchgestartet ist. In unserer Interviewreihe „Nie wieder Selbstständigkeit“ erzählt sie, was ihr dabei hilft, ihre Ziele zu erreichen und warum Frauen anders gründen als Männer.

Dunja Schenk privat

Finanzchef24: Frau Schenk, Sie haben sich zunächst nebenberuflich selbstständig gemacht. Wie kam es dazu und was hat Sie an der Selbstständigkeit gereizt?

Dunja Schenk: Während meiner Angestelltenzeit habe ich immer wieder Weiterbildungen besucht und oft gedacht: „Das was die da vorne machen, kann ich auch.“ Irgendwann habe ich mich dann entschlossen, eine Trainerausbildung zu machen und bekam zufälligerweise direkt eine erste Anfrage aus meinem Netzwerk. Ich sollte einen Trainer, der ausgefallen ist, kurzfristig ersetzen. So kam ich schneller als gedacht, zu meinem ersten Einsatz im Seminarbereich. Ich habe dann beschlossen, weitere Aufträge anzunehmen, aber erst einmal nur an meinen freien Tagen. Ich habe mich zu dem Zeitpunkt noch nicht getraut, meine Sicherheit des Angestelltenverhältnisses aufzugeben. Gereizt hat mich an der Selbständigkeit vor allem, dass ich mit meiner Tätigkeit etwas sichtbar bewegen kann und nicht nur ein kleines Rädchen in einem großen Unternehmen bin.

Finanzchef24: Warum haben Sie sich im ersten Schritt gegen die Selbständigkeit in Vollzeit entschieden?

Dunja Schenk: Ich beschreibe meine damalige Situation gerne mit „goldenen Handschellen“. Ich hatte einen guten Job, ein gutes Gehalt, einen sicheren Arbeitsplatz mit einem Büro direkt am englischen Garten in München, einer tollen Kantine und einer guten Altersvorsorge. Einfach so mal kündigen ist da nicht so leicht, da die Existenzängste sich erst einmal breit machen. Ich wusste am Anfang einfach nicht, ob ich von meiner neuen Leidenschaft auch wirklich leben kann. Daher habe ich einfach vorsichtig gestartet und eine Weile gebraucht, bis ich soweit war.

Finanzchef24: Woher wussten Sie, dass die Zeit endlich reif dafür war, um komplett auf eigenen Beinen zu stehen?

Dunja Schenk: Manchmal helfen einem die äußeren Umstände, Entscheidungen zu fällen, die ohnehin längst reif waren. Ich war schwanger mit meinem ersten Kind und mein Mann hatte ein Jobangebot weit weg vom bisherigen Wohnort angenommen. Ich wusste also, dass es keinen Weg zurück gibt und die Bahn frei für Neues ist. Mein Mann hat mich motiviert, die Chance, die sich durch den neuen Lebensabschnitt bot, auch zu nutzen und komplett in der Selbständigkeit durchzustarten. Der Stein kam dann auch recht schnell ins Rollen und dank aktiven Netzwerkens hat sich mein Auftragsbuch recht schnell gefüllt.

Finanzchef24: Sie waren 13 Jahre lang für einen Großkonzern tätig. Gibt es etwas, was Sie aus dem Angestelltenverhältnis vermissen?  

Dunja Schenk: Lustigerweise denke ich bei dieser Frage zuerst an das leckere Essen in der Kantine. Das fehlt mir definitiv an meinen Bürotagen. Und die vielen Kollegen, die man in einem großen Unternehmen immer um sich hat. Als Einzelunternehmer ist man oft alleine und manchmal fehlt der Austausch. Aber sonst gibt es nicht viel, was ich vermisse. Ich habe die Angestelltenzeit in sehr guter Erinnerung, weil ich viel Erfahrung im In- und Ausland in unterschiedlichen Positionen sammeln konnte. Doch jetzt genieße ich die Freiheit sehr, mein eigener Chef zu sein und all meine Entscheidungen selbst zu treffen. Bereut habe ich den Schritt in die Selbständigkeit nie, weil die Vorteile einfach überwiegen. Im Übrigen lässt sich mein jetziger Job wesentlich besser mit meiner Familie mit inzwischen zwei Kindern kombinieren. Zur Angestelltenzeit wäre es nicht möglich gewesen, sich für die kompletten Schulferien freizunehmen.

Finanzchef24: Motivation und eine tolle Geschäftsidee sind noch lange kein Garant für unternehmerischen Erfolg. Was brauchen Gründer, um ihre Ziele zu erreichen? Was hilft Ihnen persönlich ganz besonders?

Dunja Schenk: Wichtig ist es nicht nur, sich seine unternehmerischen Ziele zu visualisieren, sondern diese auch zu konkretisieren, beispielsweise durch Umsatz- und Akquisepläne. Ich bin hier sehr strukturiert und habe eine genaue Vorstellung davon, wie mein Geschäftsjahr aussehen soll und was ich dafür tun muss, um meine Ziele zu erreichen. Mir persönlich helfen besonders meine Sparringspartner, mit denen ich mich regelmäßig austausche. Außerdem sollte man als Unternehmer nie auf der Stelle stehen. Ich bilde mich regelmäßig weiter und passe so meine Angebote an aktuelle Trends an.

Finanzchef24: Sie sind nicht nur selbst eine erfolgreiche Unternehmerin, sondern bieten als Coach auch Seminare speziell für Unternehmerinnen an. Was denken Sie, gründen Frauen anders als Männer?

Dunja Schenk: Die einwöchige Unternehmerinnenakademie habe ich gemeinsam mit meiner Trainerkollegin Anke Ames ins Leben gerufen. Uns ist aufgefallen, dass viele Frauen als Selbständige wesentlich langsamer wachsen als Männer. Sie treten auf der Stelle oder verkaufen in der oft männerdominierten Unternehmerwelt ihre Dienstleistung schlecht oder unter Wert. Zudem fehlen bei einigen Gründerinnen das unternehmerische Denken und der unternehmerische Weitblick. Auch diesen gilt es zu schärfen. Die nächste Unternehmerinnen-Woche findet übrigens im August 2018 statt und wir haben noch Plätze frei!

Finanzchef24: Was sind die größten Risiken in Ihrem Beruf und wie sichern Sie sich dagegen ab?

Dunja Schenk: Das größte Risiko sind ausbleibende Kunden. Ich muss immer dafür sorgen, dass meine Auftragsbücher auch voll bleiben. Dabei hilft mir eine langfristige Planung, ständige Weiterbildung und -entwicklung und die Pflege meines Netzwerkes, aus dem der Großteil meiner Aufträge kommt. Außerdem ist es als Unternehmer auch wichtig, sich ein Finanzpolster aufzubauen, um die Schwankungen auszugleichen. Unschön sind natürlich Ausfälle durch Krankheiten. Da war die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall als Angestellte schon etwas Schönes. Das muss man auch mit einplanen, gerade mit kleinen Kindern.

Finanzchef24: Was möchten Sie als Unternehmerin auf jeden Fall noch erreichen?

Dunja Schenk: Oh, da gibt es vieles – ich habe das Gefühl, ich fange gerade erst an. Als Keynote-Speakerin will ich noch größere Bühnen erobern und das Publikum begeistern. Darüber hinaus möchte ich neben meinem bestehenden Onlinekurs für Assistent/innen weitere Onlinekurse entwickeln. Und nach meinem derzeitigen Buchprojekt mit dem Springer Verlag würde ich gerne weitere Buchideen umsetzen. Das sind nur drei der Ziele, die sich derzeit auf meinem persönlichen Visionboard wiederfinden. Darüber hinaus gibt es auch noch die ein oder andere verrückte Idee, die in Richtung Comedy und Kabarett geht, da ich es liebe, Menschen zum Lachen zu bringen. Mal sehen, ob sich das eines Tages realisieren lässt. Ich habe es ja schließlich selbst in der Hand. 

Finanzchef24: Vielen Dank für das Gespräch, Frau Schenk!

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Logo Dunja Schenk

Kurzprofil Dunja Schenk

Dunja Schenk ist Expertin für Effizienz und Organisation und unterstützt ihre Kunden bei der Optimierung von Arbeitsabläufen im Büro. Als IHK-zertifizierte Trainerin und Coach ist sie in Unternehmen wie Allianz, Bosch, Böhringer Ingelheim oder die Funke Mediengruppe tätig. In ihren Vorträgen und Seminaren vermittelt sie Assistent/innen, Fach- und Führungskräften praxisorientierte Tipps, um effizient, entspannt und erfolgreich in der digitalen Arbeitswelt bestehen zu können.

Gründerin Dunja Schenk privat

Gründer-Steckbrief

Name: Dunja Schenk

Gründungsalter: 29

Selbstständig als: Trainer, Speaker & Coach

Standort: Metzingen

Rechtsform: Einzelunternehmer