"Ich lerne immer noch jeden Tag dazu":

Der Gründer Herbert Binder im Interview

Vom Radio übers Fernsehen zur eigenen Werbeagentur - Herbert Binder kann auf eine steile Karriere in der Medienbranche zurückblicken und weiß, was es braucht, um seine Zielgruppe möglichst exakt mit der richtigen Kampagne zu erreichen. Davon zeugen auch zahlreiche Auszeichnungen und namhafte Kreativpreise. Sein persönlich größter Erfolg bleibt dennoch etwas anderes: Die Bindung zu seinen Mitarbeitern, von denen ihn einige bereits seit der Firmengründung begleiten. In unserer Interviewreihe "Nie wieder Selbstständigkeit?" erzählt er davon, warum er die Selbstständigkeit auch heute noch inspirierend findet und wie er immer wieder Zeit für neue Projekte findet. 

Die Verwandlung eines Fragezeichens zur Glühbirne symbolisch für kreative Arbeit

Finanzchef24: Herr Binder, Sie haben eine spannende Karriere in der Medienbranche durchlaufen: Angefangen beim Radio, dann eine Station beim Fernsehen und nun führen Sie eine eigene Werbeagentur. Wie kam es dazu?

Herbert Binder: Ich habe als junger Mensch im Zuge der Gründung des Radiosenders Antenne Bayern 1988 den damaligen Gründungsgeschäftsführer kennengelernt. Der hat mich damals überzeugt, bei Antenne mitzumachen und den Sender mit aufzubauen. Für sehr wenig Geld und dafür sehr viel Arbeit. Wir waren sehr schnell richtig erfolgreich und sind rasant gewachsen. Viele aus der privaten Radioszene sind damals dann zum privaten Fernsehen gewechselt. Auch ich bin diesem Ruf des TVs erlegen und zur damaligen KirchGruppe (heute ProSiebenSat.1 Media AG) gewechselt. Und auch diese Zeit war spannend, anstrengend und aufregend. Das Privatfernsehen war damals noch deutlich mehr in der Entwicklungs- und Wachstumsphase. Alles war im Vergleich zum Radio größer: die Belegschaft, die Studios, die Kapazitäten, die Budgets, das Sendegebiet, die Erwartungshaltung. Täglich wurde an den Einschaltquoten gemessen, ob Shows, TV-Formate, Senderangebote bei den Zielgruppen funktionieren und angenommen werden. Die damit einhergehenden Anpassungen und nötigen Justierungen waren nicht in einem 9-to-5-Job zu bewerkstelligen. 

Finanzchef24: Für welche Unternehmensbereiche waren Sie in diesen Positionen verantwortlich?

Herbert Binder: Bei Antenne war ich unter anderem für Marketing und Kommunikation verantwortlich. Bei der KirchGruppe dann zudem für das Business Development. Private Medien bewegen sich immer im Dreieck zwischen Product/Content – Ansprache/Vermarktung/Zielgruppe – und Medienpolitik. Somit konnte ich in beiden Positionen viel Erfahrung im Bereich Zielgruppenmarketing, Medienmarketing und institutionelles Marketing sammeln.

Finanzchef24: Was war die Initialzündung für Ihren Weg in die Selbstständigkeit?

Herbert Binder: Aufgrund meiner Tätigkeit in der KirchGruppe war ich auch regelmäßig bei den Kirchsendern wie ProSieben, Sat.1, DSF oder Kabel 1 im Haus. Ich bin dann mal nach einigen Tagen, die ich bei Sat.1 in Berlin verbracht habe, abends nach Hause geflogen und habe mich dabei gefragt, ob ich dies auf Dauer machen möchte, beziehungsweise was mir noch mehr Freude und Spaß bereiten würde. Da kam mir das erste Mal der Gedanke, mich selbstständig zu machen.

Finanzchef24: Wie lange musste die Idee der Selbstständigkeit dann letztendlich reifen, bevor Sie den tatsächlichen Schritt gewagt haben?

Herbert Binder: Das ging bei mir dann ziemlich schnell, ohne alles durchzurechnen und ohne die Gefahren abzuwägen. Von meinem Rückflug von Berlin gerechnet bis zur Firmengründung insgesamt circa sechs Monate.

Finanzchef24: Was hat Sie bei dem Gedanken am meisten gereizt, sich mit einer eigenen Werbeagentur selbstständig zu machen?

Herbert Binder: Damals war es noch der Gedanke weniger fremdbestimmt zu sein, meine Entscheidungen nur für mich selbst treffen zu können, nur für mich verantwortlich zu sein und meine Vorstellungen eins zu eins umzusetzen – oder besser gesagt, versuchen, sie umzusetzen. Monetäre Beweggründe, wie zum Beispiel mehr Geld zu verdienen, haben dabei keinerlei Rolle für mich gespielt.

Finanzchef24: Und was inspiriert Sie heute noch?

Herbert Binder: Heute inspiriert mich immer noch, dass ich sehr viele spannende Menschen, spannende Branchen und spannende Firmen kennenlernen darf. Solche Begegnungen hätte es so in meiner Angestelltentätigkeit niemals gegeben. Ich liebe die Arbeit mit motivierten Menschen, den Austausch, den Dialog, das Sparring mit ihnen. Aber auch das Finden von Lösungen zur Problem- und Aufgabenbewältigung gemeinsam mit meinen Kunden und meinem Team. Ich lerne immer noch jeden Tag dazu und durfte dabei schon so viele spannende Projekte begleiten.

Finanzchef24: Welche Eigenschaften muss man Ihrer Meinung nach mitbringen, um als Unternehmer erfolgreich zu sein?

Herbert Binder: Man sollte wissen, was man kann und was man nicht kann. Man braucht sicherlich Fleiß, Ausdauer, Anspruch an die eigene Arbeitsqualität, Rückgrat, Wille und Vision. Vor allem braucht man aber einen inneren Kompass, um seinem Weg folgen zu können. Was nicht heißt, dass dies immer ohne Hindernisse, Umwege, Pannen oder Reparaturen geht.

Finanzchef24: Gibt es unternehmerische Qualitäten, die ganz speziell in der Kreativszene besonders wertvoll sind?

Herbert Binder: In der Kreativszene ist die Kreativität ein strategisches und taktisches Tool, um damit Ergebnisse zu erreichen, die zur Zielerfüllung der Aufgabenstellung dienen. Ich bewundere Kreative dafür, was diese tagtäglich leisten. Ich bin kein Kreativer. Ich selbst bin viel mehr Berater, Kontakter und Projektmanager. Meine Aufgabe, auch als Unternehmer ist es, das richtige Mind-, Tool- und Skill-Set für unsere Kunden und Projekte zu finden und zusammenzustellen. Somit würde ich sagen, dass in der Kreativszene neben vielen anderen Qualitäten, die Moderation und Organisation von Kreativprozessen sehr wertvoll sein kann.

Finanzchef24: Worin bestehen Ihrer Meinung nach die größten Risiken für Unternehmen aus der Kreativbranche?

Herbert Binder: Wir haben den Trend zu immer mehr Projektgeschäft, welches immer weniger plan- und berechenbar wird. Die Planung der Ressourcenbildung, -vorhaltung und -bereitstellung wird jedenfalls nicht leichter. Dann ist unsere Branche ein People Business. Das heißt, der Firmenwert einer Kreativfirma ist der Mitarbeiter. Dieser Firmenwert kommt morgens in die Firma und geht abends wieder nach Hause. Dann ist der Firmenwert weg und kommt hoffentlich am nächsten Tag wieder. Das Finden, Aufbauen und Halten von Menschen, die gerne in der Kreativszene arbeiten und das Talent, den Fleiß und den Willen mitbringen, sich stets auf neue Situationen einzustellen und dabei immer besser zu werden, ist eine große Aufgabe und sicherlich auch ein Risiko für unsere Branche.

Finanzchef24: Wie sichern Sie sich als Unternehmer gegen dieses Risiko ab?

Hebert Binder: Wir versuchen uns abzusichern, indem wir es unserem Mitarbeiter, egal ob Vollzeit, Teilzeit oder Freelancer, im positiven Sinne so schwer wie möglich machen, die brainwaves zu verlassen. Viel Transparenz, Offenheit, Ehrlichkeit, Wertschätzung, Individualität, Unterstützung, Förderung, Flexibilität und Selbstständigkeit für jeden Einzelnen ist hier mein Credo. Ein Beispiel: Unsere Branche ist - mit Ausnahme von den Bereichen IT, Programmierung und Digital - von einer Männerbranche zu einer Frauenbranche geworden. Ich habe überwiegend weibliche Teammitglieder. Viele davon sind schon sehr lange bei mir. Viele von ihnen sind dann irgendwann auch Mutter geworden und haben andere Modelle der Zusammenarbeit und Beschäftigung gesucht, mit denen sie das Muttersein und den Beruf in Einklang bringen können. Hier jedem einzelnem eine individuelle Lösung zu bieten, welche sich in die Gesamtstruktur der Agentur einbinden lässt und dies auch zu wollen, sichert gegen das Risiko ab, gute Leute und somit Firmenwert zu verlieren.

Finanzchef24: Neben Ihrer Agentur beteiligen Sie sich auch an weiteren Projekten, wie zum Beispiel dem Makler-Portal www.makler-empfehlung.de. Wie organisieren Sie sich, um genügend Zeit für alles zu finden?

Herbert Binder: Dadurch, dass ich Prioritäten für mich und für die Firma setze. Ich lasse meine Leute machen und mische mich als Arbeitgeber nicht in jedes Projekt ein. Das heißt, ich stehe nicht hinter dem Mac der Art Directorin, um ihr Anweisungen zu geben. Ich vertraue meinem Team, lasse es sehr frei arbeiten und entscheiden. Ich weiß, dass sie die Projekte besser lösen können als ich. Ich kann loslassen, aber auch da sein, wenn ich um Rückkopplung gebeten werde. Dann findet man auch Zeit, sich physisch und psychisch mit anderen Firmen, Beteiligungen und Projekten zu beschäftigen.

Finanzchef24: Was war bis jetzt der größte Erfolg, den Sie mit Ihrer Agentur verzeichnen konnten? Welche unternehmerischen Ziele möchten Sie zukünftig noch erreichen? 

Herbert Binder: Eine sehr gute Frage! Offen gesagt ist für mich persönlich der größte Erfolg, dass ich viele Menschen in meinem Team habe, mit denen ich schon sehr, sehr lange zusammenarbeite. Teilweise schon seit meiner Firmengründung. Menschen, die bei mir geblieben sind, die sich mit meiner Philosophie und meinem Anspruch an unsere hohe Arbeitsqualität identifizieren. Aber auch, dass uns sehr viele Kunden schon so lange begleiten und wir uns viel Vertrauen erarbeitet haben. Natürlich sind in der Kreativbranche auch gewisse Auszeichnungen und nationale sowie internationale Kreativpreise wichtig wie Montreux, New York, London, Cannes. Ich möchte weiterhin den Beweis antreten, dass es einen Markt für Qualität gibt und, dass Kunden dies möchten und wertschätzen. Hinzu kommt noch, meine Überlegungen für einen neuen Radiosender mit Leben zu erfüllen – dann würde sich der Kreis vom Berufseinsteiger zum Unternehmer endgültig schließen.

Finanzchef24: Heißt das, Sie planen einen eigenen neuen Radiosender zu gründen?

Herbert Binder: Nun, ohne zu viel zu verraten, ja, gemeinsam mit alten und neuen Weggefährten. Und die Planungen sind schon ziemlich konkret.

Finanzchef24: Vielen Dank für das interessante Gespräch und viel Erfolg bei Ihrer Neugründung!

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Kurzprofil brainwaves

brainwaves ist eine Werbeagentur, mit der Spezialisierung auf ganzheitliche Konzepte in den Bereichen Marketing, Kommunikation, Werbung, CI-Development, Publishing und Business Drive. Wer nach maßgeschneiderten und in die Gesamtkommunikation integrierten Lösungen sucht, findet bei brainwaves die Experten dafür. Die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit bildet dabei immer die Identifikation mit dem Kunden – offen und ehrlich.

Gründer Herbert Binder

Gründer-Steckbrief

Name: Dr. Herbert Binder

Gründungsalter: 32

Selbstständig als: geschäftsführender Gesellschafter

Standort: München

Rechtsform: GmbH & Co. KG