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Zwei Geschäftsführer lächeln in die Kamera und besprechen die Mitarbeiterführung im Start-up.

Mitarbeiterführung: Die Kunst im Start-up

Ein Vorgesetzter gibt Anweisungen und verteilt Aufgaben, stellt Regeln auf und kontrolliert. Zwar ist die Mitarbeiterführung formell die Aufgabe der Führungsposition, doch wie die Rolle konkret ausgeübt wird, ist persönlicher Stil. Anregungen und Tipps zur Mitarbeiterführung für Existenzgründer finden Sie hier.

Autorin: Barbara Schweigert, Stand: 05.04.2016

Zwei Vorgesetzte recherchieren auf Finanzchef24 nach Tipps zur Mitarbeiterführung für Existenzgründer.

Mit Ihren Unternehmenspartnern und neuen Mitarbeitern bilden Sie ein Team, um Ihr Unternehmen auf die Beine zu stellen. Als Geschäftsführer sind Sie in der spannenden und eventuell turbulenten Gründungsphase von Anfang an gefordert, Ihre Führungsposition auszufüllen und Konflikte zu managen. Auch brauchen Ihre Beschäftigten die Anleitung und Förderung durch Sie als Vorgesetzten – zusammengefasst kommen die Aufgaben der Mitarbeiterführung auf Sie zu. Doch was ist Mitarbeiterführung genau?

Gut zu wissen in Grün

Wenn es um die Definition von Personalführung geht, wird der Begriff Personalmanagement häufig synonym gebraucht. Und doch sind Management und Führung genau genommen nicht gleichbedeutend: Im Personalmanagement werden personelle Ressourcen und Prozesse geplant und gesteuert – somit deckt sich der Begriff inhaltlich mit den Aufgaben der Personalplanung. Hingegen ist mit Mitarbeiterführung gemeint, dass die Führungskraft im Arbeitsalltag Aufgaben verteilt und anleitet.

Unternehmensführung – eine Frage der Vision

Kommunizieren Sie Ihren Beschäftigten, wie Sie vorhaben, mit Ihrem Unternehmen zu wirtschaften. Außerdem sollten Sie Ihrem Team die kurz- und langfristigen Ziele und Strategien mitteilen, sodass jedes Mitglied seine Aufgabe und seine Rolle einordnen kann. Mit dieser Offenheit in Ihrer Mitarbeiterführung zeigen Sie Ihren Beschäftigten, dass Sie ihnen vertrauen und bauen eine wertvolle Bindung auf.

Dabei ist Ihr Unternehmensleitbild, also Ihre Vision und Herangehensweise, für Sie selbst, genauso wie für Ihre Beschäftigten relevant. Wenn Sie Ihr Team mit dem Konzept für Ihr Unternehmen überzeugen können, gewinnen Sie moralischen Rückhalt: Die Mitarbeiter sind bereit, ihre Zeit und Arbeitskraft für die Unterstützung Ihrer Vision einzusetzen – und nicht nur aus dem Grund motiviert, weil sie bezahlt werden.

Mitarbeiterführung – eine Frage des Stils

Darüber hinaus lässt sich die Personalführung über den individuellen Führungsstil des Vorgesetzten charakterisieren. Damit sind das Verhaltensmuster und die Grundeinstellung einer Führungskraft gemeint, dessen Mitarbeiter zu führen und Teams anzuleiten.

Zur Abgrenzung und Evaluierung von Führungsstilen haben Wissenschaftler Kategorien entwickelt. Eine der gängigsten Einteilungen stammt von Kurt Lewin. Der Sozialpsychologe hat verschiedene Muster der Erziehung unterschieden. Auf die Mitarbeiterführung bezogen lassen sich Führungsarten differenzieren, die von der umfassenden Autorität (autokratischer Führungsstil) bis zur kompletten Zurückhaltung des Vorgesetzten (Laissez-faire-Führungsstil) im Betriebsgeschehen ausgehen.

Eine Zwischenform bildet der kooperative beziehungsweise demokratische Führungsstil: Die Führungsperson bezieht seine Kollegen bei Entscheidungen ein und fördert den fachlichen Austausch. Die Aufgaben werden an die Mitarbeiter delegiert, die sie eigenverantwortlich erfüllen.

Außerdem lassen sich Herrschaftsformen, die Max Weber definiert hat, auf die Mitarbeiterführung übertragen. Unterschieden wird hierbei der autokratische, patriarchalische, charismatische und bürokratische Führungsstil.

In der Praxis der Mitarbeiterführung zeigt sich jedoch, dass die genannten Führungsstile nicht in Reinform vorkommen. Häufig bedingt die Situation, wie sich der Vorgesetzte verhält und die Beschäftigten anleitet. So kann Ihnen die Aufteilung als Anregung dienen – für Ihre Personalführung sollten Sie allerdings offen für verschiedene Führungsmuster bleiben.

Bedenken Sie, dass die Führungsstile Vorteile bieten, aber auch Nachteile haben. Zum Beispiel ist eine autokratische Mitarbeiterführung für Start-ups nur in Ausnahmen geeignet: Wenn allerdings Entscheidungen schnell getroffen werden müssen, kann sich dafür ein autoritäres Vorgehen eignen.

Doch langfristig sollten Sie bei der Führung Ihrer Mitarbeiter zu einem kooperativen Stil übergehen – also Zuständigkeiten und Aufgaben in Ihrem jungen Unternehmen zu delegieren. Auf diese Weise motivieren Sie Ihre Beschäftigten, weil diese gefordert werden. Indem Sie kontrolliert Verantwortung auf Ihr Personal übertragen, können Sie sich selbst entlasten und auf die Unternehmensführung konzentrieren.

Mitarbeitermotivation – eine Frage des Charakters

Motivierte Beschäftigte sind leistungsfähiger. Zu diesem Ergebnis kommen Forschungsprojekte rund um die Personalführung. Deshalb sollten Sie als Führungskraft daran arbeiten, diese Grundlage der erfolgreichen Mitarbeiterführung umzusetzen und Ihre Mitarbeiter für ihre Arbeit zu motivieren. Das kann Ihnen nur gelingen, wenn Sie Ihr Personal genau kennenlernen. Hier einige Tipps und Maßnahmen zur Mitarbeitermotivation:

  • Konstruktives Feedback ist ein Schlüssel zur erfolgreichen Mitarbeiterführung – es hilft, Ihr Personal zu motivieren: Geben Sie Ihren Mitarbeitern deshalb regelmäßig Rückmeldung zu ihrer Arbeitsweise und Aufgabenerfüllung. Mit einem Lob honorieren Sie die Leistungen Ihrer Beschäftigten. Sollten Sie damit unzufrieden sein, äußern Sie Kritik und Verbesserungswünsche konkret und persönlich an den Mitarbeiter gerichtet. Nennen Sie dabei auch die Stärken in der Arbeit.
  • Versuchen Sie Aufstiegsmöglichkeiten anzubieten, damit sich die Beschäftigten aus eigenem Engagement bemühen, gute Arbeit zu leisten. Ermöglichen Sie – falls durchführbar – flexible Arbeitszeiten oder Home Office-Tage für Ihre Mitarbeiter. Dieses Entgegenkommen fördert, dass Ihre Mitarbeiter Beruf, Freizeit und Familie besser koordinieren können.
  • Sorgen Sie für ein gutes Arbeitsklima: Verschaffen Sie sich zunächst einen Überblick über die fachlichen und persönlichen Stärken und Schwächen Ihrer Mitarbeiter. Dementsprechend können Sie Teams zusammenstellen oder ergänzen. Wichtig sind auch Veranstaltungen, wie eine Weihnachtsfeier, ein Sommerfest oder ein Betriebsausflug, die den Zusammenhalt Ihres Teams stärken. Bei einem Glühwein, im Biergarten oder bei einer Radtour ergeben sich gute Gespräche und gemeinsame Erinnerungen!
Tipp von Finanzchef24 in Grün

Auch Kleinigkeiten können eine große Wirkung haben: Schreiben Sie sich als Chef einen Geburtstagskalender – über Ihren Glückwunsch und ein kleines Geschenk werden sich Ihre Mitarbeiter sehr freuen und geschätzt fühlen. Oder belohnen Sie Ihre Beschäftigten für einen guten Projektabschloss oder Geschäftsmonat mit einer gemeinsamen Brotzeit.

Personalführung – eine Frage der Mitbestimmung

Verlieren Sie nach dem Recruiting nicht den Kontakt zu Ihren Mitarbeitern – sondern treten Sie regelmäßig mit ihnen in den Dialog und haben Sie ein offenes Ohr. So erfahren Sie selbst von der Kritik, von Anregungen und Problemen Ihrer Beschäftigten. Auch Ihre Ansichten können Sie direkt der Person kommunizieren. Solche Mitarbeitergespräche sollten Sie wenn möglich mindestens einmal pro Jahr ansetzen.

Zusätzlich zu den Mitarbeitergesprächen sollten Sie ein betriebliches Vorschlagswesen auf den Weg bringen. Damit ist gemeint, dass es feste Gesprächsrunden – zum Beispiel Teammeetings – gibt, in denen Ihre Mitarbeiter Verbesserungsvorschläge diskutieren und ausarbeiten. Dieses fachliche Feedback, das Sie in Ihrer Mitarbeiterführung fördern sollten, kann Ihnen helfen, wertvolle Ideen zu gewinnen und damit Ihr Start-up voranzubringen.

Zudem kann es empfehlenswert für Ihre Mitarbeiterführung sein, einen Betriebsrat einzurichten – vor allem je mehr Personal Sie in Ihrem Jungunternehmen beschäftigen. Auch dieses Instrument des betrieblichen Vorschlagswesens dient dazu, die Mitarbeiter einzubeziehen und Ihre Geschäftstätigkeiten zu optimieren.

Ein Tipp zu guter Letzt: Sind die Ideen und Anregungen, die Sie von einem Beschäftigten oder mehreren Mitarbeitern erhalten, besonders produktiv, sollten Sie diese prämieren – zum Beispiel indem Sie einen Bonus am Jahresende auszahlen.

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